«Köniz erneuerbar» führt geradewegs in eine energische Debatte

Die FDP tritt gegen die energiepolitischen Neuerungen im Könizer Baureglement an, obwohl diese zur Hälfte von ihr selbst stammen.

Marc Lettau

Auf den ersten Blick ist es ein energischer, klarer Entscheid: Das Könizer Parlament sprach sich am Montag mit 25 zu 12 Stimmen für die markante Verschärfung der Bauvorschriften aus (siehe «Bund» von gestern). Bauwillige sollen künftig nachweisen müssen, dass sie ihre neue Liegenschaft höchstens zu 30 Prozent mit nicht erneuerbarer Energie beheizen. Zu 70 Prozent muss der Wärmebedarf mit erneuerbarer Energie gedeckt werden. Gleichzeitig soll die neue Vorschrift mit einem Zückerchen versüsst werden: Wer bestehende oder neue Bauten besonders gut dämmt, soll einen Nutzungsbonus erhalten – also grössere Volumina umbauen dürfen. Den definitiven Entscheid über diese beiden Zutaten der «Könizer Energiewende» werden die Stimmberechtigten am 14. Juni an der Urne fällen.

Der klare Entscheid des Parlaments könnte zur Annahme verleiten, der Mist sei bereits geführt. Der recht forsche energiepolitische Schritt wird aber in jedem Fall eine rege Abstimmungsdebatte provozieren, allein schon deshalb, weil viele sich zwar übers Zückerchen (Nutzungsbonus) freuen dürften, aber von strengeren Vorschriften (Energiebestimmungen) nichts wissen wollen. Niemand verkörpert dieses Spannungsfeld besser als die Könizer FDP. Sie ist dezidiert gegen die strenge Energievorschrift, aber ebenso dezidiert für den Nutzungsbonus für besonders gut gedämmte Bauten. Mehr noch: Der Nutzungsbonus ist ein vor bald zehn Jahren von der FDP selbst eingebrachtes energiepolitisches Anliegen. FDP-Präsident Bernhard Bichsel spricht von einem «echten Dilemma», das die Partei nun zwinge, gegen die «Könizer Energiewende» anzutreten, auch wenn damit der von Bichsel stets mit Verve geforderte Nutzungsbonus gleich damit versenkt wird.

Die SVP verweist aufs Volk

Die FDP würde gerne eine energiepolitische Weiche stellen, aber nicht so, wie jetzt entschieden. Die kleine CVP liegt im Prinzip auf der gleichen Linie. Grüne, Grünliberale, SP, BDP und die EVP pochen hingegen auf eine energiepolitische Weichenstellung genau so, wie sie das eben gerade getan haben. Und die SVP, die grösste bürgerliche Partei? Sie bekämpft den vom Parlament verabschiedeten Energieartikel ohne Wenn und Aber. SVP-Parlamentarier Bernhard Lauper machte im Parlament klar, dass seine Partei nichts wissen will von einem «Eingriff in die Handlungsfreiheit der Bauwilligen». Entscheide sich Köniz für die strengsten Energievorschriften im Kanton, schaffe man damit eine mühselige, ideologisch motivierte «Energie-Insel». Das Fazit der SVP: «Wir brauchen kein ‹Köniz erneuerbar›!» Im Feldzug gegen die «Entmündigung der Einwohner von Köniz» sieht die Partei die 2013 gescheiterte kantonale Initiative «Bern erneuerbar» denn auch als einen ihrer Trümpfe: Auch da habe das Könizer Volk Nein gesagt. Allerdings ist das nicht wirklich korrekt: Köniz stimmte dem Gegenvorschlag des Grossen Rates mit 54,5 Prozent Ja-Stimmen zu. Der Gegenvorschlag verlangte, dass Strom, Heizung und Warmwasser innert 30 Jahren grundsätzlich aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden müssen, ein mit der kleinen «Könizer Energiewende» vergleichbares Ziel.

Wie soll es praktisch gelingen?

Die grüne Könizer Gemeinderätin Rita Haudenschild erachtet den vom Parlament eingeschlagenen Weg als sehr wichtig, «weil die Haushalte für gut ein Drittel des Energieverbrauchs verantwortlich sind». Wenn im Gebäudebereich der Verbrauch nicht erneuerbarer Energien gesenkt werde, so falle dies ins Gewicht. Aus der Perspektive der Bauwilligen lautet die gewichtigste Frage freilich, wie die neuen Könizer Energievorschriften dereinst konkret erfüllt werden können. Haudenschild beschränkt sich auf die Durchsage, es sei in technischer Hinsicht «absolut kein Problem», die Werte zu erreichen.

Vom «Bund» angefragte Energieingenieure bestätigen Haudenschilds Einschätzung. Sie sagen, es sei ein umfangreicher «Werkzeugkasten» mit tauglichen Instrumenten vorhanden. Wer den Wärmebedarf mit einer Holzheizung decke, komme auf Anhieb auf einen Anteil von 100 Prozent erneuerbare Energie. Wer einen Wert von 70 Prozent anstrebe, könne auf erprobte Technologien zurückgreifen und diese kombinieren: Gute Wärmepumpen, Fotovoltaikanlagen, Wärmerückgewinnung aus der Lüftung, Warmwassergewinnung mit Solarkollektoren. Vor allem aber animieren die neuen Könizer Vorgaben, Bauten besonders gut zu dämmen. Denn: Die Regel, dass höchstens 30 Prozent des Wärmebedarfs mit nicht erneuerbarer Energie gedeckt werden darf, gilt für Bauten, die nur gemäss den gesetzlichen Vorschriften gedämmt werden. Wer über das Vorgeschriebene hinaus dämmt und den Wärmebedarf senkt, kann so den geforderten Bedarf an erneuerbarer Energie senken. Am maximalen Anteil nicht erneuerbarer Energie wird dabei aber nicht gerüttelt.

Der Bund

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