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Produkt Winter reicht nicht mehr

Weil Bergbahnen und das künstliche Beschneien der Skipisten immer teurer werden, ist Adelboden das ganze Jahr über auf mehr Gäste angewiesen. Der Strategiewechsel ist eine Herausforderung.

Der Golfplatz auf der Engstligenalp ist der höchstgelegene in Europa und Teil von Adelbodens Ganzjahresstrategie.
Der Golfplatz auf der Engstligenalp ist der höchstgelegene in Europa und Teil von Adelbodens Ganzjahresstrategie.
Marius Aschwanden

Im Sommer ein verschlafenes Bergdorf, im Winter eine Après-Ski-Partyhütte, die aus allen Nähten platzt. So stellt sich der Unterländer Adelboden vor. Der Tourismusdirektor will dies nun aber ändern. Adelboden soll vermehrt auch in der Nebensaison Gäste anziehen und so zu einer Ganzjahresdestination werden. Die Bergdestination ist damit Teil eines Trends, der in der Schweiz auch andere klassische Skiorte wie Zermatt oder Laax erfasst hat.

Winter wird teurer

Adelboden hat dafür sein Sommer-Programm erweitert. Angebote wie der Vogellisi-Themenweg, der höchstgelegene 18-Loch-Golfplatz Europas oder der Co-Working-Space Mountainlab sollen vermehrt auch Gäste ins Berner Oberland locken, die sich für mehr als perfekt präparierte Pisten interessieren. Ein weiteres Projekt in der Region wurde vorerst verhindert. An der Lenk wurde der Bau einer Spiel- und Badezone am Leiterli-Speichersee vom Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) mit der Begründung «nicht landschaftsverträglich» abgelehnt.

Urs Pfenninger, Tourismusdirektor der Region Adelboden-Lenk-Kandersteg, sieht im Ganzjahreskonzept grosses Potenzial: «Wir wollen konstant das ganze Jahr hindurch Wertschöpfung generieren.» Momentan sei diese noch sehr ungleich zwischen dem Winter mit 68 Prozent und dem Sommer mit 32 Prozent verteilt. Aus diesem Grund investiert Adelboden seit längerem in den Ganzjahresbetrieb. «Mit den Bergbahnen Tschentenalp und der Sillerenbühl bieten wir neu einen durchgehenden Betrieb bis zum Start der Wintersaison an», sagt Pfenninger. Zudem gebe es immer mehr Hotels, die das ganze Jahr hindurch geöffnet hätten. Die Bemühungen zeigen erste Erfolge: Gegenüber 2014 stieg die Anzahl der Sommerlogiernächte um 4 Prozent.

Monika Bandi Tanner, Co-Leiterin der Forschungsstelle Tourismus (Cred-T) an der Universität Bern, erklärt sich den Ganzjahrestourismus-Trend mit der Erkenntnis, dass der Winter alleine finanziell nicht mehr ausreicht. «Die Skiorte haben immer höhere Investitionskosten für die Winterinfrastruktur – eine Nutzung der Hotels und Bergbahnen auch im Sommer liegt auf der Hand.» Gleichzeitig würden aber auch die lokalen Arbeitnehmer und die Gäste von einem ausgebauten Ganzjahresangebot profitieren.

Weniger Profit im Sommer

Ein weiterer Faktor ist der Klimawandel: «Es schneit immer später ein. Dadurch wird die Saison kürzer, und die Gäste verspüren weniger Lust, überhaupt noch Skifahren zu gehen.» Die Skigebiete können die Saison mit Kunstschnee zwar verlängern, dies sei aber teuer. Bandi bringt es auf den Punkt: «Aus Sicht der Bergdestinationen erschwert der Klimawandel das Produkt Winter und vereinfacht mit der Sommerfrische in den Bergen gleichzeitig das Produkt Sommer.»

Die Hauptschwierigkeit im Sommer sei der oft bescheidene Beitrag der Gästeausgaben an die regionale Wertschöpfung, sagt Tourismus-Expertin Bandi. Als Beispiel nennt sie die Situation der Bergbahnen: «Ein Wanderer fährt mit der Bahn nur einmal den Berg hoch. Anschliessend wandert er eigenständig runter. Unterwegs sitzt er ins Gras und ist sein selbst gemachtes Sandwich.» Die Bergbahnen profitieren davon kaum. Ganz anders im Winter: «Tageskarte, Pommes im Bergrestaurant, Skimiete – alles ganz normal. Und für die Tourismusdestinationen viel einträglicher.»

Gstaad mit Vorreiterrolle

Für ein erfolgreiches Ganzjahreskonzept brauche es deshalb während der klassischen Nebensaison interessante Angebote an Aktivitäten, Events und Übernachtungsmöglichkeiten. Adelboden sei sich in dieser Hinsicht am Positionieren: «Es tut sich einiges, aber bei der Entwicklung hin zu einer Ganzjahresdestination besteht wie üblicherweise in den alpinen Regionen noch Luft nach oben.»

Deutlich weiter als Adelboden ist Gstaad. Der Nobelskiort hat es geschafft, bei der Wertschöpfung ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis zwischen Sommer- und Wintertourismus zu erreichen. Flurin Riedi, Geschäftsführer von Gstaad Saanenland Tourismus, erklärt dies mit der Vorreiterrolle seiner Destination: «In Gstaad wird seit den 1950er-Jahren strategisch auf den Sommertourismus gesetzt.» Schon damals habe man gemerkt, dass eine Bergdestination nicht alleine vom Winter abhängig sein dürfe.

Mit dem Tennisturnier (seit 1915), dem Menuhin Festival (ab 1957) und dem Beachvolleyballturnier (seit 1999) verfügt Gstaad heute denn auch über mehrere Traditionsevents, die Jahr für Jahr zuverlässig Tausende Gäste ins Saanenland bringen. Riedi will deshalb den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen: «Wir wollen unser Sommerangebot noch weiter ausbauen, um Gstaad noch stärker als Ganzjahresdestination präsentieren zu können.»

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