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Probezeit für «Mille feuilles» ist abgelaufen

Dem Kanton Bern läuft beim Französisch-Lehrmittel «Mille Feuilles» die Zeit davon, um einen Totalschaden abzuwenden. Es ist Zeit, den Lehrerinnen und Lehrern mehr Freiheit zu geben.

Der Unterricht mit «Mille Feuilles» ist umstritten.
Der Unterricht mit «Mille Feuilles» ist umstritten.
Daniel Desborough

Viele erinnern sich ungern an den Französischunterricht in ihrer Schulzeit. Die neuen Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’œil» hätten dies ändern sollen. Sie sollten mithelfen, dass die zweite Landessprache endlich besser ins Ohr findet und vor allem leichter über die Zunge geht. Doch es kam anders. Schülerinnen und Schüler haben heute Defizite im Wortschatz und in der Grammatik – und die Freude am Französischen ist auch nicht gewachsen. Das belegen mittlerweile Ergebnisse einer im Frühjahr publizierten Studie des Instituts für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg.

Nun hat ein erster der beteiligten sechs Kantone reagiert: Im Kanton Baselland fällt das Lehrmittelobligatorium. Lehrerinnen und Lehrer dürfen künftig aus einem Katalog von Lehrmitteln auswählen. Zwar muss Schulunterricht anschlussfähig sein, damit ein Übertritt oder ein Umzug die betroffenen Kinder nicht benachteiligt. Aber dafür sorgt in erster Linie der gemeinsame Lehrplan aller Deutschschweizer Kantone. Bei dessen Einführung wurde stets betont, dass die Lehrpersonen frei seien in der Wahl ihrer Unterrichtsmethode. Nicht so im Französisch.

Im Falle des Französischlehrmittels keimt der Verdacht, dass die bisher unverrückbare Haltung der Kantone auch mit den angefallenen hohen Auslagen zusammenhängt. Wie viel die Lehrmittelentwicklung und die Weiterbildungen gekostet haben, will die Erziehungsdirektion nicht verraten.

Nun läuft ihr die Zeit davon, um einen Totalschaden abzuwenden. Demnächst müssen die ersten mit «Mille feuilles» eingestiegenen Maturanden zeigen, dass sie die eidgenössische Reife erlangen können. Spätestens das wuchtige Ja im Kanton Baselland sollte ein Fingerzeig sein, die Lehrmittelpflicht ebenfalls zu lockern. Dies trotz den in der Zwischenzeit erhältlichen Hilfsmitteln und selbst dann, wenn die aktuelle Überarbeitung das Lehrmittel praxistauglicher machen sollte. Gelingt eine Verbesserung, verschwindet es auch nicht aus den Schulzimmern. Denn so viele Alternativen gibt es nicht.

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