Bern verkauft Anteile eines seiner Kantonsspitäler

Die Privatklinikgruppe Aevis Victoria beteiligt sich für 27 Millionen Franken am Kantonsspital im Berner Jura. Gewerkschaften befürchten höhere Behandlungskosten.

Das Hôpital du Jura bernois wechselt vielleicht schon bald den Besitzer.

Das Hôpital du Jura bernois wechselt vielleicht schon bald den Besitzer.

(Bild: Adrian Moser)

Die Privatklinik- und Hotelgruppe Aevis Victoria expandiert weiter im Kanton Bern. Ihre Tochter Swiss Medical Network kauft für 27 Millionen Franken einen Anteil von 35 Prozent am kantonalen Spitalunternehmen Hôpital du Jura bernois. Der Kaufvertrag sieht zudem eine Option für eine Mehrheitsbeteiligung innerhalb von drei Jahren vor.

Swiss Medical Network werde in den kommenden drei Jahren 25 Millionen Franken in Projekte der Hôpital du Jura bernois (HJB) an den Standorten Moutier und Saint-Imier investieren, teilten Aevis Victoria und der Berner Regierungsrat am Freitag gemeinsam mit.

Spital mit mehreren Standorten im Berner Jura

Es sei das erste Mal, dass sich eine Privatgruppe an einem Spital, das dem Kanton Bern gehört, beteilige, hiess es im Communiqué. In der sich rasch wandelnden Spitallandschaft stelle die öffentlich-private Partnerschaft den langfristigen Fortbestand des akutsomatischen und psychiatrischen Angebots für die französischsprachige Bevölkerung des Kantons Bern sicher.

Zum Hôpital du Jura bernois gehören die Spitäler von Moutier und Saint-Imier, der psychiatrische Stützpunkt mit der Klinik Bellelay sowie das Medizentrum in Tavannes. HJB hält ebenfalls Beteiligungen am Medizentrum in Moutier, an der interjurassischen Zentralapotheke, am Röntgeninstitut des Berner Juras sowie am Radio-Onkologie-Zentrum Biel-Seeland-Berner Jura.

Nicht die erste Berner Investition

Mitte Juli hatte der Verwaltungsrat des Hôpital du Jura bernois bekannt gegeben, dass er eine Schweizer Grossbank beauftragt habe, einen Käufer für das Spital in Moutier zu finden. Aevis Victoria meldete kurz darauf bereits Interesse an einer Zusammenarbeit an.

Die Beteiligung an HJB sei Teil der Strategie, ein regionales integriertes Versorgungssystem zu entwickeln, schrieb Aevis Victoria nun. Die Gruppe war im Herbst 2018 über eine Partnerschaft mit der Siloah AG in den Berner Spitalmarkt eingetreten. Sie übernahm von der Berner Klinik die chirurgischen Aktivitäten.

SP hat Bedenken

«In meinen Augen ist das ein Tabubruch», sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travailsuisse und Berner Alt-Nationalrat der SP. In einem Tweet warnt er vor der Privatisierung der Spitäler:

Durch die Beteiligung von Privaten entstünden falsche Anreize: «Diese Firmen wollen Geld verdienen, deswegen werden sie versuchen noch mehr Gesundheitsleistungen zu verkaufen», sagt Wüthrich. Zudem habe so die öffentliche Hand immer weniger zu sagen.

Wüthrich stellt sich die Frage, ob dies erst der Anfang ist. «Falls ja, gilt es diese Entwicklung zu bremsen. Ich vermisse eine Strategie für die Spitäler im Kantonsbesitz.»

Investor offen für Zusammenarbeit mit Kanton Jura in Moutier

Die künftige Mitbesitzerin der Hôpital du Jura bernois SA, die Freiburger Spitalgruppe Aevis Victoria, zeigt sich bereit für die Zusammenarbeit mit dem Kanton Jura im Berner Jura. Das sagt der Verwaltungsratsdelegierte Antoine Hubert.

In einem Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur awp sagte Hubert am Freitag, es sei möglich, das Aktienkapital der Hôpital du Jura bernois (HJB) SA für weitere Partner zu öffnen - «beispielsweise den Kanton Jura».

Hubert sagte weiter, die Annäherung an die HJB SA sei schrittweise erfolgt. Schon seit fünf Jahren bestehe eine Partnerschaft bei Radiologiezentren. Aevis Victoria hofft, dass die Partnerschaft im Berner Jura nur der erste Schritt ist hin zu weiteren Kooperationen zwischen öffentlichen Spitälern und privaten Anbietern im Gesundheitswesen.

mas/sda

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