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Nach der Räumung die Verriegelung: Zollikofen will keine zweite Besetzung

Am Donnerstag hat die Kantonspolizei das besetzte Altersheim geräumt. 19 Personen wurden von der Polizei angehalten. Das Gebäude wird nun dauerhaft überwacht und gesichert.

Am Donnerstagmorgen wurde das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen von der Kantonspolizei geräumt.
Am Donnerstagmorgen wurde das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen von der Kantonspolizei geräumt.
Noah Fend
Das Gebäude war rund eine Woche besetzt.
Das Gebäude war rund eine Woche besetzt.
Noah Fend
Bereits Anfang Nachmittag wurden Zäune und Holzbretter angeliefert, mit denen das leerstehende Gebäude nun abgeriegelt werden soll.
Bereits Anfang Nachmittag wurden Zäune und Holzbretter angeliefert, mit denen das leerstehende Gebäude nun abgeriegelt werden soll.
Noah Fend
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Der Grosseinsatz der Kantonspolizei Bern hat bis kurz vor 11 Uhr gedauert. Während über drei Stunden wurde zuvor das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen von Spezialeinheiten der Polizei und der Berufsfeuerwehr geräumt.

Die Räumung ist inzwischen beendet. Die Spezialeinheiten der Polizei wurden grossmehrheitlich abgezogen. Laut Angaben der Polizei wurde das Gebäude geräumt, der Einsatz verlief friedlich. Insgesamt sind 19 Personen von der Polizei angehalten worden, die sich zum Zeitpunkt des Einsatzes im Gebäude befunden hatten.

Gemäss Jäggi wurden die angehaltenen Besetzerinnen und Besetzer für weitere Abklärungen mit auf den Polizeiposten genommen. «Sie können aber voraussichtlich im Verlauf des Tages wieder gehen», so Jäggi. Sie müssten aber mit einer Anzeige rechnen.

Essensreste, Pläne und Malecken

Kurz vor 13 Uhr konnten Medienschaffende mit dem Einsatzleiter der Kantonspolizei und Zollikofens Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) das Erdgeschoss des leerstehenden Gebäudes besichtigen. Im grossen Aufenthaltsraum des ehemaligen Altersheims wurden Sitzbänke gebaut, darauf standen noch Essensreste, leere Getränkedosen und Musikboxen. In allen Ecken hingen Pläne für Aktivitäten, für eine «Betagt-Bar» war der Tresen bereits gebaut. Die Küche war noch reichlich mit frischem Salat und Gemüse ausgerüstet.

Damit ist nun Schluss. Nach der Räumung sagte Bichsel am Nachmittag, es würden nun zunächst Spuren beseitigt, dann das Gebäude gesichert. «Essensreste und Abfälle sowie einzelne Möbelstücke werden wir entsorgen», so Bichsel. Wie hoch die durch Sprayereien entstandenen Schäden am Gebäude sind, ist noch nicht klar. Ebenso wisse man derzeit noch nicht, wie damit umgegangen wird. «Wir werden in der nächsten Sitzung im Gemeinderat entscheiden, ob die Farbe an der Fassade bis zur Renovation gelassen werden oder ob wir sie vorher reinigen», sagt Bichsel.

Um eine erneute Besetzung des Gebäudes, das voraussichtlich noch mindestens ein Jahr leerstehen wird, wird das ehemalige Betagtenheim nun gesichert. «Zunächst treffen wir bauliche Massnahmen, um den Zugang zum Gebäude einzuschränken», sagt Bichsel. Ausserdem werde ein privater Sicherheitsdienst die Räumlichkeiten in den kommenden Tagen rund um die Uhr überwachen.

Auch nach der Besetzung will Bichsel keine offizielle Zwischennutzung im ehemaligen Betagtenheim. Grund dafür sei auch die Gebäudesicherheit. «Verschiedene Vorschriften wie Brandschutz oder Wohnhygiene können derzeit nicht eingehalten werden.» Auch wurde eine Asbest-Belastung festgestellt.

Spezialeinheit und Drohnen im Einsatz

Die Kantonspolizei begann den Einsatz zur Räumung um 7:30 Uhr am Donnerstagmorgen. Im Einsatz standen rund 15 Polizeifahrzeuge, dazu auch die Berner Berufsfeuerwehr. Die Einsatzkräfte umstellten das Gebäude, von mehreren Seiten drangen Polizistinnen und Polizisten ins Gebäude ein. Bald darauf wurden erste Aktivisten in Kastenwagen abgeführt.

Blick ins Innere des geräumten Gebäudes. (Bild: Noah Fend)
Blick ins Innere des geräumten Gebäudes. (Bild: Noah Fend)

Während des gesamten Einsatzes waren auch mehrere Drohnen im Einsatz, die mit Kameras das Gelände von oben überwachten. Die Umgebung war abgesperrt und überwacht. Die Wahlackerstrasse war während des Einsatzes für den Verkehr gesperrt. Auch der Garten und die Umgebung rund um das Gebäude wurden mit Polizeihunden gründlich durchsucht.

Der Einsatz verlief ruhig, zu keinem Zeitpunkt gab es Anzeichen von grösseren Auseinandersetzungen im Gebäude. Gegen 10 Uhr begann die Kantonspolizei damit, sämtliche Transparente am Gebäude abzumontieren.

Vor Ort war auch Zollikofens Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP). In Begleitung des Einsatzleiters der Polizei betrat er kurz nach 9 Uhr das besetzte Gebäude. Während rund 40 Minuten blieb er drin. Aufgeboten wurden auch das Bauamt der Gemeinde und der Bauverwalter Zollikofens. Sie inspizierten das Gebäude von innen und aussen.

Die Reaktionen der Anwohner auf die Geschehnisse fallen unterschiedlich aus. Es sei höchste Zeit, dass das Gebäude geräumt werde, sagt ein Mann, der gleich gegenüber des Altersheims wohnt. Man sei ein «sauberes und ordentliches Quartier», eine Besetzung gehöre hier nicht hin. «Das sind bald Zustände wie bei der Reitschule in Bern». Die Besetzer haben in der Gemeinde aber auch Unterstützung. So sagt eine Anwohnerin gegenüber dem «Bund», sie fände die Räumung «daneben», die Besetzer wären ja friedlich gewesen und hätten «tolle Dinge machen wollen».

So kommunizierten die Besetzer mit der Nachbarschaft. (Bild: Noah Fend)

Um 11 Uhr dann zogen die Einsatzkräfte der Polizei ab. Der Einsatz scheint beendet. Bis auf die ersten Aktivistinnen und Aktivisten, die abgeführt wurden, sah man keine weiteren Besetzerinnen und Besetzer. Die Eingänge zum Gebäude bleiben vorerst von uniformierten Polizisten bewacht.

Gescheiterte Verhandlungen

Die Räumung war erwartet worden, bereits am Dienstagmittag war die Frist zum Auszug aus dem Zollikofer Betagtenheim abgelaufen, die der Gemeinderat den Besetzern gesetzt hat.

Das Gebäude war seit vergangenem Donnerstag besetzt. Gespräche zwischen dem Aktivisten-Kollektiv und der Gemeinde verliefen ergebnislos. Die Gemeinde beauftragte darauf die Kantonspolizei Bern mit der Räumung.

Das ehemalige Altersheim mit rund hundert Zimmern gehört aktuell noch der Gemeinde Zollikofen und steht seit 2018 leer. Bereits 2016 hatte das Zollikofer Parlament aber einen Kaufvertrag zwischen der Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) und der Einwohnergemeinde Zollikofen genehmigt. Diese verbietet explizit eine Übergangsnutzung des Gebäudes. Bis die revidierte Überbauungsordnung in Kraft treten wird, bleibt die Liegenschaft noch im Besitz der Einwohnergemeinde Zollikofen.

Übungsgelände der Polizei

Nach Angaben der Besetzer zählt ihr Kollektiv gegen 150 Personen. Hinter dem Kollektiv stehe eine Gruppe von Personen jeglichen Alters. Mit Besetzung hätten sie Aufmerksamkeit für die Wohnungsnot in Bern generieren wollen, sagte eine der Besetzerinnen am Montag dem «Bund». Das Haus zu besetzen, sei daher eine bewusste Entscheidung «ausserhalb des Systems» gewesen.

Der Polizei ist das Gebäude bestens vertraut: Es diente den Einsatzkräften als Übungsgelände für besonders herausfordernde Einsätze, wie zum Beispiel Geiselnahmen.

Hier geht es zum Kommentar über die Räumung des Betagtenheims: Willkommen in der Stadt, liebes Zollikofen

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