Old-Timer-Sirene kommt in Berner Museum

Das Berner Museum für Kommunikation hat nun eine der letzten Druckluft-Sirenen im Inventar.

Sirenen-Veteran wird abmontiert: Druckluftsirenen werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz nicht mehr zugelassen. Bild: Dominique Schütz

Sirenen-Veteran wird abmontiert: Druckluftsirenen werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz nicht mehr zugelassen. Bild: Dominique Schütz

Martin Huber@tagesanzeiger

Das Museum für Kommunikation erhält lautstarken Zuwachs aus Zürich. 35 Jahre lang thronte sie auf dem Dach des alten Dorfschulhauses in Stallikon. Doch nun hat die Alarmsirene ausgedient. Die Gemeinde hat sie abmontiert und durch ein neues, elektronisches Modell ersetzt. Die alte «Tröte» wird aber nicht etwa verschrottet, sondern kommt ins Museum für Kommunikation in Bern.

Grund für den ungewöhnlichen Schritt: Die Sirene aus dem Säuliamt ist eine der letzten mit Druckluft betriebenen Sirenen der Schweiz, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) mitteilt. Als bedeutender Zeuge der Technikgeschichte erhält sie nun in der Sammlung des Kommunikationsmuseums einen Platz neben einer Luftschutzsirene aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Keine Bewilligung mehr

Pneumatische Sirenen erzeugen den Ton, indem Druckluft von einem Vorratsbehälter durch den Sirenenkopf in mehrere Hörner geleitet wird. Die Konstruktion ist von Schiffshörnern abgeleitet. Heute sind sie ein Auslaufmodell, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz bewilligt sie nicht mehr. Die wenigen noch verbliebenen pneumatischen Sirenen in der Schweiz werden in den nächsten fünf Jahren durch elektronische Modelle ersetzt, welche günstiger im Unterhalt und weniger störungsanfällig sind.

Land der Sirenen: 7200 Stück

Mit dem systematischen Aufbau des Sirenennetzes hat die Schweiz bereits vor dem 2. Weltkrieg begonnen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Netz laufend verdichtet. Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz verfügt die Schweiz derzeit über ein Netz von 5000 stationären sowie 2200 mobilen Sirenen.

Diese praktisch lückenlose Abdeckung, gekoppelt mit Radiomeldungen, bildet heute das Rückgrat des Systems zur Alarmierung und Information der Bevölkerung bei Katastrophen und Notlagen. Vor einem Jahr hat der Bund zudem neue elektronische Dienstleistungen zur Alarmierung der Bevölkerung lanciert: Alarme werden als Push-Meldung auf Smartphones sowie als Onlinepublikation auf der Alertswiss-Website verbreitet.

Nicht alle setzen auf Sirenen

Andere Länder verwenden ebenfalls Sirenen als Bestandteil der jeweiligen Alarmierungskonzepte, allerdings auf unterschiedlichem Niveau, wie es in der Mitteilung des Babs weiter heisst. Während auch Österreich über ein dichtes Sirenennetz mit rund 7000 Sirenen verfügt, deaktivieren Staaten wie die Niederlande oder Belgien ihre Sirenen und konzentrieren sich auf den Einsatz von Lösungen wie Mobile Apps oder SMS-Dienste.

Andere Länder, die ihre Sirenen nach dem Ende des Kalten Kriegs weitgehend abgebaut oder zumindest nicht erneuert hatten, erkennen dagegen heute wieder deren Nutzen als letzte Möglichkeit zur Alarmierung, wenn sämtliche Netze nicht mehr funktionieren. So wird etwa in Deutschland das Sirenennetz in zahlreichen Städten wieder hochgefahren. In Frankreich stehen rund 4000 Sirenen im Einsatz, vor allem in kritischen Zonen rund um Kraftwerke oder besondere Industrieanlagen. Das französische Netz wird derzeit komplett renoviert.

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