Offenbarung aus der Baustelle

Im Problem um eine Spurenreduktion bei der Lorrainebrücke weist eine Übergangslösung den Weg.

Für die SP soll die Lorrainebrücke auch nach der Baustelle nur einspurig befahrbar bleiben.

Für die SP soll die Lorrainebrücke auch nach der Baustelle nur einspurig befahrbar bleiben.

(Bild: Nicole Philipp (Archiv))

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Baustellen werden meistens mit Verkehrsbehinderungen verbunden. Die Wartungsarbeiten an Gas- und Wasserleitungen an der Mündung der Lorrainebrücke könnten jedoch letztlich zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses führen: Die vom Bau bedingte vorübergehende Spurenreduktion erfüllt ein Ziel, das der Berner Gemeinderat für unerreichbar gehalten hatte.

Bereits 2015 beschloss der Stadtrat, eine der Autospuren stadtauswärts zugunsten des Velowegs aufzuheben. Vor anderthalb Monaten sprach das Parlament dazu einen Ausführungskredit von 2'700'000 Franken. Der ursprüngliche Plan könne aber laut Gemeinderat nicht umgesetzt werden. Aufgrund des Verkehrs müsse bei der Kreuzung Bollwerk und Schützenmattstrasse die doppelte Autospur beibehalten werden. Wegen der Arbeiten ist derzeit aber nur eine Spur vorhanden. In einer Interpellation fragen zwei Stadtratsabgeordnete, ob dies nicht wegweisend sein könnte.

«Ich habe den Eindruck, dass es mit nur einer Spur gut funktioniert», sagt Michael Sutter (SP), der die Interpellation zusammen mit Parteikollegin Nora Krummen eingereicht hat. Im Stadtrat habe man bei der Debatte darüber im Januar bedauert, dass die Spurenreduktion nicht auf der ganzen länge der Brückenzufahrt umgesetzt werden konnte. Die Bauarbeiten zeigten auf, dass man möglicherweise doch mehr Platz für Velofahrer schaffen könne. «Im Velonetz ist diese Strecke noch eine Achillesferse», sagt Sutter. Auch für Autofahrer werde die Stelle, bei der die Doppelspur auf der Brücke in eine Spur münden soll, die Sicherheit beeinträchtigen. «Es braucht ein Verkehrsregime, bei dem sich alle sicher fühlen.»

Den Verkehrsplaner freuts

Auch der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel betrachtet die bisher vorgesehene Lösung als «nicht optimal». Bei Simulationen gestützt auf aktuellen und prognostizierten Verkehrszahlen sei man zum Schluss gekommen, dass der Verkehr bei einer Spurenreduktion am Bollwerk zu stark beeinträchtigt würde. «Überraschenderweise funktioniert es mit der Baustelle viel besser als simuliert.»

Mit der temporären Spurenreduktion sei der Verkehrsfluss aufrechterhalten geblieben. «Aber die Bushaltestelle von Bernmobil wird behindert. Das ist nicht unproblematisch, es führt zu unnötigen Wartezeiten.» Anhand der neuen Erkenntnisse müsse man die Lage noch einmal neu beurteilen. Schaffe man es, die ÖV-Behinderung zu lösen, sei eine durchgehende Spurenreduktion möglich. «Es freut mich, dass es besser funktioniert als erwartet», sagt Vogel. Er hofft, den Auftrag des Stadtrats befriedigender umsetzen zu können.

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