Neue Solidarität der Berner Bürgerlichen

Als Reaktion auf die grüne Welle rücken die Bürgerlichen zusammen und sichern sich einen Ständeratssitz. Die Frauensolidarität hat nur beschränkt gespielt.

Der designierte SVP-Ständerat Werner Salzmann auf dem Weg zum Rathaus, wo die Ergebnisse der Wahl bekanntgegeben wurden.

Der designierte SVP-Ständerat Werner Salzmann auf dem Weg zum Rathaus, wo die Ergebnisse der Wahl bekanntgegeben wurden.

(Bild: Adrian Moser)

Patrick Feuz@patrick_feuz

Das Schreckgespenst des möglichen linken Doppelerfolgs hat die Bürgerlichen elektrisiert. Auf dem Land haben sich die SVP-Wähler auch im zweiten Ständeratswahlgang bewegen lassen, in Scharen ihren Werner Salzmann zu unterstützen, den Favoriten im bürgerlichen Lager. Gleichzeitig haben sich genügend FDP- und BDP-Wähler einen Ruck gegeben und Salzmann geholfen, obwohl er ein SVP-Mann ist. Die Vorbehalte gegen seine Partei sind auch im bürgerlichen Lager nach wie vor weit verbreitet, aber diesmal haben sich viele gesagt: Augen zu und durch. Im Interesse der bürgerlichen Sache.

Eben erst, am 20. Oktober, gab es bei den Nationalratswahlen eine grüne Welle, nun hat sie im Kanton Bern eine Gegenreaktion ausgelöst. Die Bürgerlichen haben zu neuer Solidarität zusammengefunden und verhindert, dass die Linke im Ständerat eine zusätzliche Stimme erhält. Mit Regula Rytz stoppen die Wählerinnen und Wähler just jene Frau, die landesweit den grünen Vormarsch verkörpert.

Dass es ausgerechnet sie trifft und nicht Hans Stöckli, den bisherigen SP-Ständerat im Rentenalter: Auch das kann man als Rückschlag deuten – für die Sache der Frauen. Wie viele linke Männer haben nur Stöckli gewählt, aus Frust darüber, dass Frauen in der Politik immer mehr Ämter besetzen? Oder haben auch SP-Frauen der grünen Frau nicht geholfen, aus Sorge um den Ständeratssitz der eigenen Partei? Überbewerten sollte man den Geschlechteraspekt auf jeden Fall nicht. Hans Stöckli hat vor allem davon profitiert, dass er bis weit in die Mitte hinein gefällt und als bisheriger Ständerat und früherer Bieler Stadtpräsident über ein weit ausgreifendes Netzwerk verfügt.

Letztlich markiert diese Ständeratswahl eine Rückkehr zur Normalität. Die SVP überwindet ihr Trauma, in Majorzwahlen regelmässig zu scheitern. Nach längerer Pause hat die mit Abstand stärkste Partei im Kanton wieder einen Ständerat. Zu dieser Normalität gehört inzwischen definitiv auch, dass sich Linke und Bürgerliche die zwei Ständeratssitze teilen. Das ist gut so. Darin spiegelt sich, wie vielfältig und bunt der Kanton Bern heute ist.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt