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Neuaufbruch mit Alt-Bundesrat am Tal-Ende

Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Pharma-Unternehmer Willy Michel renovieren ihr Hotel in Lauenen – und setzen voll auf Regionalität.

Hotelbesitzer: Johann Schneider-Ammann und Willy Michel.
Hotelbesitzer: Johann Schneider-Ammann und Willy Michel.
Dominic Steinmann

Was ist hier nur los? Hundert Leute sitzen im Restaurant eines Dreisternhotels am Ende der Welt, weil es nach einer Renovation eben wieder aufgegangen ist. Dass dies die Einheimischen interessiert, liegt auf der Hand, hat doch das Haus eine Dorfzentrumsfunktion.

Doch unter den Gästen ist auch ein ehemaliger Schweizer Wirtschaftsminister, ein weltweit tätiger Medizinaltechnikunternehmer und ein früherer Nationalbankpräsident.

Des Rätsels Lösung: Das Hotel Alpenland in Lauenen bei Gstaad gehört seit Jahren den beiden Berner Patrons Willy Michel und Johann Schneider-Ammann. Sie wollen sich persönlich vergewissern, ob ihr gemeinsames «Baby» gut geraten ist. Das Haus war vor dem elfwöchigen Umbau etwa im Zweisternbereich angesiedelt.

Jetzt verströmt es den edel-rustikalen Gstaad-Look mit viel Holz und Naturstein mit einer Dosis Chic auf gutem Dreisternniveau. Die Küche setzt auf gut gemachte Schweizer Kost. In der grosszügig umgestalteten Lobby hängt ein riesiges Bild einer grün wuchernden Wildnis, ein Werk des deutschen Künstlers Elger Esser, einem wichtigen Vertreter der Düsseldorfer Fotoschule.

Willy Michel, Stifter des Burgdorfer Franz-Gertsch-Museums, hat es aus seinem privaten Fundus beigesteuert.

Verbunden mit Saanenland

Wie jedes Jahr am längsten Tag haben die beiden Pensionäre – Michel ist 72-jährig, Schneider-Ammann 67 – zum Züpfe-Zmorge ins Hotel Alpenland geladen. Vor vollem Haus erzählen sie, dass sie im Ruhestand, aber nicht untätig seien. Zwar verbrächten sie gern Zeit mit ihren je vier Enkeln, hätten aber viele Sitzungen und Auftritte.

Michel räumt ein, dass er ein Morgenmuffel sei und deswegen sonst zu dieser frühen Stunde keine Verpflichtungen annehme. Darum habe er auch seinen Bubentraum, Bäcker zu werden, früh begraben.

Michel, der jeweils entfloh, wenn zu Hause ein Säuli geschlachtet wurde, suchte erst recht das Weite, als ihn sein Vater, ein Burgdorfer Bahnangestellter, in eine Metzgerlehre stecken wollte. Als eigensinniger Laborantenlehrling in Basel, der fast aus der Lehre flog, legte er den Grundstein zu seinem Unternehmen Ypsomed, das heute vom Sohn geführt wird und auf dem Weltmarkt operiert.

Michel und Schneider-Ammann haben eine enge Beziehung zum Saanenland. Beide besitzen ein Ferienhaus in der Gegend. Das lässt sich übrigens auch vom Überraschungsgast Philipp Hildebrand sagen, bis 2012 Chef der Schweizerischen Nationalbank und jetzt Vizepräsident der Investmentfirma Blackrock, der auf einen Sprung vorbeikommt.

Ist das erneuerte Hotel angesichts dieser Prominenz kein Ort mehr, wo Handwerker am Feierabend ein Bierchen stürzen? Doch, sagen die Besitzer und auch der neue Hoteldirektor Michael Ming. Regionale Vernetzung sei ihnen wichtig. So übernahmen die Handwerksbetriebe im kleinen Dorf Lauenen einen Grossteil der Bauarbeiten.

Auch die Lebensmittel kommen nicht aus dem fernen Grossmarkt, sondern vom Bauern nebenan, vom örtlichen Metzger oder Bäcker und von den Gemüseproduzenten im Berner Seeland.

Alt-Bundesrat: Herausforderung

Im Gespräch mit dem «Bund» räumt der «gewesene Bundesrat» – Schneider-Ammann mag die Formel «Alt-Bundesrat» nicht – ein, dass es keine leichte Aufgabe sei, ein Hotel rentabel zu betreiben. Preise wie im teuren Pflaster Gstaad lassen sich hier nicht verlangen.

Ein Ausflugshotel in den Bergen sei bei guten Wetterprognosen überbucht und bei Regenwetter halb leer. Dass bei Gastro- und Hotelthemen jeder mitrede, «macht die Sache nicht leichter».

Er sei stolz auf das tüchtige Team. Das Haus müsse seine Kosten erwirtschaften, macht Schneider-Ammann klar, doch werde er keine «Säcke voller Geld» ins Unterland tragen. Den neuen Direktor «vertätsche» es fast vor Energie, sagt bewundernd Schneider-Ammann, dem als Bundesrat eine gewisse Bedächtigkeit attestiert wurde.

Auch seine Berufskarriere verlief mit Umwegen. Zimmermann und Bergführer durfte der begeisterte Alpinist nicht werden. Ein Studium als Tiermediziner brach er ab, holte sich dann als ETH-Elektroingenieur das Rüstzeug für die Führung des Langenthaler Baumaschinenkonzerns Ammann.

Manchmal ist beim Ex-Wirtschaftsminister ein trockener Humor zu spüren. Als während des Talks bei einem Gast das Handy schrillt, blickt Schneider-Ammann belustigt ins Publikum und sagt aufmunternd: «Ja nämids numen ab!» Das Publikum lacht.

Er bedauert, dass die Zeit nicht reicht, allen Anwesenden «das Pfötli zu geben», doch bei vielen klappt es. Die Leute sind entzückt, dem Ex-Magistraten die Hand zu drücken, dem so nichts Erhabenes anhaftet, sondern solider KMU-Charme.

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