Viel Spielraum für Experimente

Die Genossenschaft Warmbächli sucht ein Mieterkollektiv, das in eine riesige, leere Halle einziehen will. Gemeinschaftliche Wohnideen liegen in Bern im Trend.
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Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Bei der Überbauung des Warmbächliareals im Berner Holligenquartier sollen etwa 250 Wohnungen entstehen. Darunter ist auch Platz für Experimente: In einem umgebauten Industriegebäude sollen Bewohner dereinst die gesamte Inneneinrichtung einer grossflächigen Halle gestalten. In der 280 Quadratmeter grossen «Selbstausbauloft» müssen mindestens acht Personen einziehen. Was sie danach mit dem Rohbau machen, ist ihnen selbst überlassen.

Die Genossenschaft Warmbächli, die das alte Lagerhaus der Schokoladenfabrik Tobler umbaut, setzt auf unterschiedliche Wohnformen. «Wir wollen verschiedene Leute anziehen und einen guten Mix kreieren», sagt Ilja Fanghänel, Projektleiter bei der Genossenschaft. Für Interessenten gibt es allerdings gewisse Vorgaben: Sie müssen der Genossenschaft beitreten und die internen Regelungen einhalten.

Hohe Decken

Zudem müssten die Pläne der Interessenten für den Innenausbau bewilligungsfähig sein, sagt Fanghänel. Ansonsten könnten die Bewohner sehr kreativ sein. «Beispielsweise können sie entscheiden, ob es Trennwände geben wird oder nicht, oder ob sie neue Formen der Raumtrennung probieren wollen.» Die Dimensionen des Lagerhauses laden dazu ein, den Erfindungsgeist walten zu lassen: Die Raumhöhe beträgt teilweise fast fünf Meter – doppelt so hoch wie in üblichen Wohnungen. Laut Fanghänel sind etwa Galerien oder Split-Level-Wohnungen, bei denen die Wohnbereiche um eine halbe Etage versetzt und über kleine Treppen verbunden sind, geplant.

Trotz Enthusiasmus für das Projekt in der Genossenschaft sucht die Gruppe aktiv nach Mietern. Das Interesse, selber einzuziehen, sei innerhalb der Kooperative gering, so Fanghänel. «Möglicherweise haben sich die Bedürfnisse in den letzten Jahren geändert, einige Mitglieder haben etwa inzwischen Familien gegründet.» Wie bei WGs werden einzelne Bewohner ein- und ausziehen können, das Nutzungskonzept wird bleiben. Die Bewohner werden durch einen Verein repräsentiert, der Mieter des Raums ist.

Gehobene WGs

Dieses Mietkonzept ist nicht neu. Die gross-WG «Stöckhood» im nahen Stöckackerquartier ist ebenfalls als Verein organisiert. Hier leben 14 Menschen in einem Haus, das mit Hinblick auf kollektives Wohnen renoviert wurde. Der Berner Bauunternehmer Hansmartin Merz, der bei der Renovation Bauherr war, ordnete das Projekt in einen gesellschaftlichen Wandel ein: Gemeinschaftliche Lebensformen würden immer beliebter.

Merz steht auch hinter gehobeneren WG-Wohnungen an der Schwarztorstrasse, in denen eine Küche von vier Personen geteilt wird. In der Überbauung Brunnmatt-Ost befindet sich auch der Werkhof 102. Das Lokal soll nicht nur als Plattform für Kulturevents, sondern auch als Begegnungsort für Bewohner dienen. Doch auch andere grössere Berner Bauprojekte zeigen sich bereit, von traditionellen Wohnformen abzuweichen. Für Gemeinschaften konzipierte Wohnungen sind für die Überbauungen auf dem Viererfeld und auf dem alten Tramdepot Burgernziel geplant. Das Projekt «Cosmos» an der Mühledorfstrasse in Bümpliz sieht auch «flexibel nutzbare Grosswohnungen» vor. Die Genossenschaft Warmbächli will ihren gesamten Wohnbau gemeinschaftlich gestalten. So sollen Werkzeuge oder Haushaltsgeräte von allen Bewohnern geteilt werden; für Gäste sind reservierbare Zimmer eingeplant.

Das Baugesuch für das Projekt auf dem Warmbächliareal ist eingereicht, der Baustart ist für den Frühsommer terminiert. Nach der Ausschreibung für die «Selbstausbauloft», die bis Ende Februar läuft, gebe es laut Ilja Fanghänel mehrere Interessenten. Das Ziel, ein bunt durchmischtes Wohnkollektiv auf die Beine zu stellen, scheint auf Kurs zu sein: In die WG in der grossen Halle wollten Menschen unterschiedlichen Alters.

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