Drei eiskalte Bernerinnen

Stefanie Wyss, Angela Frautschi und Dominique Slongo wollen in Vancouver mit dem Eishockey-Frauenteam in die Top 6.

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Was die drei jungen Frauen verbindet, ist ein Sport, der eigentlich eine Männerdomäne ist - zumindest hier in der Schweiz. Stefanie Wyss, Angela Frautschi und Dominique Slongo sind Eishockeyspielerinnen. Und alle drei wollen sich den Traum von Olympischen Spielen in Vancouver erfüllen. Die definitive Selektion wird zwar erst am 23. Januar bekannt gegeben, doch die Chancen der drei stehen sehr gut, in Kanada dabei zu sein, und auch im olympischen Dorf zu wohnen. Denn zwei Schweizerinnen wird es treffen, die nur als «Taxi-Spielerinnen» für die Vorbereitung mitreisen. Verletzt sich jemand, können diese bis zum Start der Spiele einspringen. Hat das olympische Turnier jedoch begonnen, müssen sie nach Hause reisen. «Das ist enorm hart», sagt Stefanie Wyss. Die 24-jährige Stürmerin aus Allenlüften war vor vier Jahren für Turin erste Ersatzspielerin. Die Spiele hat sie damals am Fernsehen verfolgt, «obwohl es brutal hart war.» Auch Dominique Slongo (21), eine der drei Torhüterinnen im Schweizer Teamfür Vancouver, war 2006 auf Pikett zu Hause, weil nur zwei Goalies pro Team zugelassen waren.

In Turin bereits dabei war Angela Frautschi. Die Erfahrungen, welche die Lenkerin, die nun in Bülach wohnt, in Italien sammeln konnte, hat sie ihren Teamkolleginnen weitergegeben. «Die Eindrücke waren damals schon überwältigend. Und Vancouver wird noch zehnmal grösser», so die 22-jährige Verteidigerin. Damit meint sie nicht die gesamten Olympischen Spiele, sondern spricht die Begeisterung für ihren Sport in Nordamerika an: Für Vancouver war als Erstes der Männerfinal ausverkauft, gleich danach folgte das Endspiel der Frauen.

Viele Wege ins Nationalteam

Obwohl die drei allesamt aus dem Kanton Bern stammen und obgleich es in der Schweiz nur wenige Frauenteams gibt, waren die Spielerinnen erst 2005, im Nationalteam, erstmals vereint. Denn der Werdegang von Wyss, Frautschi und Slongo war sehr unterschiedlich. Während letztere beide durch ihre Brüder in ihre Sportart kamen, weiss Erstere noch heute nicht, wie sie dazu kam. «In meiner Familie hatte niemand etwas mit Eishockey zu tun», sagt Wyss. Trotzdem habe sie «gestürmt», bis sie endlich das erste Training besuchen durfte. Bei Rot-Blau Bern-Bümpliz, wie später bei den SCB Future, spielte sie mit den Knaben, bevor sie als 14-Jährige zum DHC Lyss wechselte. Nach sechs Saisons im Seeland und einer beim EV Zug verbrachte sie ein Jahr bei den «Golden Knights» der Clarkson-Universität im Staat New York, nun spielt sie für den EV Bomo Thun.

Auch Angela Frautschi begann bei den Buben: «Ich wusste damals gar nicht, dass es auch Frauenteams gibt, und meinte, ich müsse mit 16 aufhören.» Stattdessen spielte sie weiter. Bei Fribourg, Langenthal und Thun, und nun bei den ZSC Lions. Vergangene Saison hatte auch sie Erfahrungen in Nordamerika gesammelt, bei Oval Extreme in Calgary, wo sie auch mit kanadischen Nationalspielerinnen trainierte.

Als einzige spielt Dominique Slongo noch immer mit Männern zusammen, ihr Weg führte über Bern 96, SCB Future, den HC Wisle (Worb) und den EHC Napf. Als Goalie kann sie das und tut es bei Brandis in der 1. Liga, daneben steht sie aber auch beim DHC Langenthal im Tor. «Das ist spannend, aber es ist nicht immer einfach, sich auf das etwas langsamere Spiel bei den Frauen einzustellen», sagt die Rüfenachterin.

Der grösste Unterschied im Vergleich zum Männereishockey ist aber, dass bei den Frauen Bodychecks nicht erlaubt sind. Ein Umstand, der die drei Bernerinnen nicht sonderlich stört, obwohl sie sich mitunter auch enervieren, wenn kleinlich gepfiffen wird. «Bei uns ist es dafür wichtiger, dass der Pass ankommt, als eine Gegnerin zu verräumen», sagt Stefanie Wyss, ganz im Jargon der Männer.

Sieg gegen Schweden kopieren

In Vancouver bestreiten die Schweizerinnen am 13. Februar das Eröffnungsspiel des olympischen Frauenturniers gegen Schweden. Gegen die Silbergewinnerinnen von Turin 2006 soll ein Sieg her. Dass das möglich ist, haben die Schweizerinnen vor zwei Jahren an der WM in Harbin (China) mit einem Sieg nach Penaltyschiessen bewiesen. Frautschi: «Sie unterschätzen uns noch immer, obwohl wir sie damals besiegten.» Kanada, der zweite Gegner in den Gruppenspielen und zweifache Olympiasieger, wird schwer zu bezwingen sein, gegen die Slowakei haben sich die Schweizerinnen aber wieder viel vorgenommen. Das Ziel ist ein Top-6-Rang. «Dann», sind sich die drei einig, «ist nach vorne alles möglich.» (Der Bund)

Erstellt: 22.01.2010, 10:29 Uhr

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