Zürcher Hype um Berner Glace

Die neu eröffnete Gelateria di Berna in Wiedikon kommt bei Zürchern gut an. Für Berner gehört das Cornet mit den exotischen Aromen mittlerweile zum Sommer-Accessoire.

Die Zürcher stehen in Wiedikon für die begehrten Berner Gelati über eine halbe Stunde an.

Die Zürcher stehen in Wiedikon für die begehrten Berner Gelati über eine halbe Stunde an. Bild: Urs Jaudas

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An den ersten Sommertagen brauchen die Zürcher viel Geduld: Über eine halbe Stunde stehen sie in Wiedikon für ein paar Kugeln Glace an. Es handelt sich denn auch nicht um ein schlichtes Eis am Stiel – sondern um die begehrten Kreationen der Gelateria di Berna. Das in der Länggasse heimische Unternehmen hat Anfang Mai den Sprung weit über die Aare gewagt und die erste Filiale ausserhalb von Bern eröffnet. Die Wartezeiten haben aber nicht etwa mit dem Mythos der Berner Gemütlichkeit zu tun – im Gegenteil: Der Betrieb läuft auf Hochtouren, der Andrang ist riesig. Dies zeigen auch Fotos, die in den sozialen Medien kursieren. Solche Schlangen sei man sich in Zürich sonst nur von WG-Besichtigungen gewohnt, schreibt ein Twitter-Nutzer.

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Sehr bernisch ist dafür die Sprache: Die meisten «Gelatieri» in Wiedikon sprechen nämlich keinen Zürcher Dialekt. Gehört das zum Branding? «Der Dialekt war keine Anstellungsbedingung», sagt der Gelateria-Mitbegründer Hansmartin Amrein. «Viele ehemalige Angestellte sind mittlerweile arbeits- oder studienhalber in Zürich unterwegs, und die konnten wir wiedergewinnen.»

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Was aber ist dran an der Berner Glace? In Bern hat sich das Cornet als Accessoire von Marzili-Gängern und Aareschwimmern etabliert. Davon ist der Zürcher Hype noch einige Jahre entfernt. «Die Leute wollen am Anfang ausprobieren – von einem Erfolg sprechen wir erst, wenn wir in drei Jahren immer noch unsere Stammkunden haben», so Amrein. In Bern sei das Publikum auch mutiger: Hier plange man auf die Sorten, die jeweils nur kurze Zeit im Angebot seien. «In Zürich tasten sich unsere Kunden vorerst löffelweise an die exotischen Geschmacksrichtungen heran.»

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Wichtiger als die Frage nach dem «Dran» ist denn auch die Frage nach dem «Drin»: Die Gelateria-Gründer sind nämlich bekannt für ihre ausgefallenen Kreationen und Gourmet-Experimente: Himbeer-Ingwer, Randen-Wasabi. Die neuste Kreation besteht aus Sauerrahm und im Jura von Bäumen geschabtem Harz. Oder Salvia-Lampone – eine Mischung aus Salbei und Himbeer. Die Suche nach neuen Aromen begleitet die Gelateria-Gründer auf Schritt und Tritt. Gerade ist Hansmartin Amrein auf dem Weg nach Italien. Die Verbindung unterbricht in jedem Tunnel. Er statte einem Haselnuss-Produzenten im Piemont einen Besuch ab. «Mal schauen, ob die Ernte für unser Herbstangebot gut ausfallen wird.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2017, 16:40 Uhr

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