Zieglerspital wird zur Asylunterkunft

Bereits im Winter sollen die die ersten Asylsuchende ins Zieglerspital ziehen.

Soll möglichst bald Flüchtlinge beherbergen: Das ehemalige Zieglerspital an der Grenze zu Köniz.

Soll möglichst bald Flüchtlinge beherbergen: Das ehemalige Zieglerspital an der Grenze zu Köniz.

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Im Berner Zieglerspital dürften bald die ersten Flüchtlinge einziehen: Aus Sicht des Bundes ist die Nutzung als Asylzentrum ohne grösseren baulichen Aufwand möglich. Der Ball liegt nun bei der Standortgemeinde Bern und den Nachbarn aus Köniz.

Die beiden Gemeinderäte sollen bis Ende Oktober die nötigen politischen Entscheide fällen. In derselben Zeit werden der Betten- und Behandlungstrakt sowie das Renferhaus grösstenteils geräumt.

Anschliessend braucht es einige kleine baulichen Eingriffe, so müssen Zwischenwände eingezogen werden. Anschliessend stünde der Nutzung als temporäre Flüchtlingsunterkunft nichts mehr im Weg. Zu diesem Schluss kam das Staatssekretariat für Migration, wie Stadt und Kanton Bern am Donnerstag mitteilten.

Die Vertreter von Stadt, Kanton, Bund und Gemeinde Köniz hatten sich am Vortag mit der Spitalbetreiberin Spital Netz Bern AG getroffen und eine Auslegeordnung vorgenommen. Die Nutzung des Spitals als Asylunterkunft steht seit längerem zur Diskussion, auch der Grosse Rat hat sich diese Woche dafür ausgesprochen. Bern als künftige Eigentümerin hat ebenfalls schon positive Signale ausgesandt.

An der Sitzung herrschte offensichtlich Übereinstimmung, dass sehr rasch eine Zwischennutzung angestrebt werden soll. Mittelfristig stellt sich weiter die Frage, ob das Zieglerspital über den Winter hinaus für Flüchtlinge genutzt werden soll - sei es als temporäres Bundeszentrum oder als kantonales Durchgangszentrum.

Anzahl Plätze unklar

Wieviele Plätze geschaffen werden können, ist offen. Die Stadt Bern habe noch keine Schätzung vorgenommen, erklärte Sozialdirektorin Franziska Teuscher auf Anfrage - «weil noch niemand von Stadtseite das Gebäude besichtigt hat. Das erfolgt nun aber umgehend.» Der Könizer Gemeindepräsident Ueli Studer hatte im Mai erklärt, grob geschätzt könnte es Platz für bis zu 400 Menschen haben.

Der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ist in jedem Fall froh, nun wohl einen neuen Standort für eine Flüchtlingsunterkunft gefunden zu haben. Im Dialog der Beteiligten sehe er jedenfalls «keine Stolpersteine mehr», sagte er im Regionaljournal von Radio SRF.

Nach Angaben der Bundesbehörden sind im Kanton Bern in nächster Zeit 110 bis 140 Eintritte pro Woche in die Durchgangszentren zu erwarten. Die 30 bestehenden Zentren im Kanton sind voll, alle 2700 Betten belegt. Käser hatte die bernischen Gemeinden diese Woche deshalb zu tatkräftiger Mithilfe aufgerufen.

150 Flüchtlinge im Spitalacker

Der Berner Gemeinderat will dem auch Rechnung tragen, indem er mehr Asylsuchende als geplant in der alten Feuerwehrkaserne Viktoria einquartieren will. Die Heilsarmee soll dort vorübergehend nicht 100, sondern 150 Menschen betreuen, wie die Stadt Bern am Donnerstag mitteilte.

Die Eröffnung dieser Flüchtlingsunterkunft steht demnach kurz bevor. Letzte bauliche Anpassungen seien im Gang.

Zusätzlichen Wohnraum gemietet

Die vollen Durchgangszentren erhöhen den Druck auf die sogenannte Phase II der Unterbringung. Dabei werden Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene nicht mehr in Zentren, sondern individuell untergebracht - in der Regel in Wohnungen.

Die Stadt Bern hat in den letzten Monaten zusätzlichen Wohnraum für rund 50 Personen zugemietet, wie der Gemeinderat weiter mitteilte. Die Kosten übernimmt der Kanton.

Grüne: Druck zeigt Wirkung

Das Grüne Bündnis der Stadt Bern begrüsst die zusätzlichen Plätze im Spitalacker und die Umnutzung des Zieglerspitals. Dies habe die Partei ja auch mit einer Petition gefordert. Das Grüne Bündnis, die Partei von Gemeinderätin Teuscher, fordert aber weiterhin auch die Schliessung der umstrittenen Notunterkunft Hochfeld in der Länggasse. (spr/sda)

Erstellt: 10.09.2015, 11:41 Uhr

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