Wohnen im Modul

In Containerbauten will die Stadt Bern schon in diesem Winter flexible Wohnungen testen.

Die Stadt Bern will Modulbauten als Familienwohnungen. In Wien wurden solche im Rahmen des Projekts «Home 21» bereits gebaut.

Die Stadt Bern will Modulbauten als Familienwohnungen. In Wien wurden solche im Rahmen des Projekts «Home 21» bereits gebaut.

(Bild: Kallinger Projekte)

Die Gemeinderatsmitglieder Michael Aebersold und Franziska Teuscher reisten letzte Woche nach Wien. An einer Klausurtagung schauten sich der Direktor für Finanzen, Personal und Informatik und die Gemeinderätin für Bildung, Soziales und Sport die Wohnsituation in der österreichischen Hauptstadt an. Kaum zurück, informierten die beiden über die Wohnstrategie der Stadt Bern und den Plan, künftig mehr selbst bauen zu wollen.

In Wien leben 60 Prozent der Bevölkerung in staatlich geförderten Wohnungen – ein fernes Ziel für Bern: «Auch wenn wir jetzt Gas geben mit dem Wohnungsbau, hinken wir trotzdem hinterher», sagte Aebersold gestern vor den Medien. Nach einem Empfang im Wiener Rathaus besuchte die Berner Delegation die Wohnanlage «Home 21». Das Projekt besteht aus sogenannten Modulbauten für temporäre und flexible Nutzungen und umfasst 241 Wohnungen. Bewohnt werden können die Modulbauten aber nur fünf bis zehn Jahre. Nachhaltig sind diese Bauten dennoch – weil die Konstruktion nach der Nutzung abgebaut und andernorts wieder aufgebaut werden kann, wie der Architekt Mark Gilbert die Berner Delegation vor Ort unterrichtete. Gebaut werden könne ein solcher Container-Wohnkomplex doppelt so schnell, wie dies bei einer konventionellen Bauweise möglich sei, heisst es in der Broschüre für die aus Bern angereisten Gäste.

Innerhalb von eineinhalb Jahren waren die 241 Wohnungen errichtet worden, welche nun seit diesem Sommer unter anderem über Organisationen wie die Caritas vergeben werden. Die Stadt Wien förderte das Vorhaben mit 7,2 Millionen Euro in Form eines günstigen Darlehens, das nach 15 Jahren vollständig zurückgezahlt werden muss. Die temporäre Bewilligung für die Wohnsiedlung läuft allerdings nur über zehn Jahre. Findet in diesem Zeitraum keine Umzonung des Grundstücks auf Wohnnutzung statt, muss das gesamte Gebäude in ein Gewerbeobjekt umgebaut werden.

Containerbau schon im Einsatz

Nun denkt man auch in Bern darüber nach, wo man solche Containerbauten einsetzen könnte. Modulbauten kennt man in Bern bisher vor allem für Schüler und Schülerinnen. Mit diesen schnell aufbaubaren Häusern hat man vorübergehend den Schulraummangel beseitigt, etwa im Munzingerschulhaus – nun sollen sie aber auch den Wohnraummangel beheben. In der gestern vorgestellten Wohnstrategie schreibt die Stadt, dass sie nächstes Jahr ein Konzept zur temporären Nutzung von verschiebbaren Wohncontainern auf ungenutzten «Wohnbauarealen» erarbeiten wolle. Mit diesen solle Wohnraum auch in Bern auf Zeit geschaffen und «Entwicklungsarealen Identität verliehen werden», heisst es in der Strategie. «Sofern Modulbauten bewilligungsfähig und zonenkonform sind, sind sie schneller erstellt und umgesetzt», heisst es auf Anfrage bei der Stadt über die Vorteile solcher flexiblen Wohnungen.

Studios fürs kleine Budget

In der Stadt Bern sammelt man nun bereits ab diesem Winter Erfahrungen mit Wohnungen in Containerbauten. Denn die städtische Liegenschaft an der Bahnstrasse 69 im Steigerhubel ist bereits durch einen Modulneubau ersetzt worden. Von nun an sollen dort in 21 Studios Personen mit kleinem Budget und Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, gemeinsam wohnen. Vor zwei Jahren teilte die Stadt mit, dass der Ersatzneubau an dieser Adresse in Modulbauweise erstellt werde. Dadurch sollen die Bauten bei einer künftigen Gesamtplanung und Weiterentwicklung des Areals hin zu stärkerer Verdichtung nicht hinderlich sein. Heute wollen die Stadt und der Verein Wohnenbern vertieft über das Projekt informieren.

Zwischennutzung «sinnvoll»

Der Berner Immobilienexperte Christoph Stäger sieht in der neuen Bauform einen «sinnvollen Ansatz», wenn damit Areale zwischengenutzt oder einer anderen Nutzung zugeführt würden. «In der Stadt ist der Boden knapp. Modulbauten sind ein kreativer Ansatz, um Areale zu beleben», sagt er. Dabei könne die Stadt als Eigentümerin des Bodens oder als Planungsbehörde mitreden.

In anderen Städten sind ebenfalls bereits im Rahmen verschiedener Pilotprojekte Modulbauten im Einsatz. Im niederländischen Utrecht, in Wembley oder in Hamburg werden Studierende in Modulbauten untergebracht. Aber auch in der Schweiz hat man bereits Containerbauten erstellt für Studentinnen und Studenten – etwa in Sion; in der Überbauung «Fogo» am Bahnhof Zürich-Altstetten finden junge Erwachsene in Ausbildung, Flüchtlinge und Künstlerinnen und Künstler Platz. Und im solothurnischen Deitingen wird derzeit ein Bundesasylzentrum im Modulverfahren gebaut.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt