Wo die neuen Berner wohnen sollen

8500 Wohnungen will die Stadt Bern bis 2030 bauen. 7000 sind bereits in Planung.

Bild: Quelle: Stadt Bern

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Bern will wachsen. 17000 Personen mehr sollen bis 2030 in der Stadt leben als heute – in 8500 zusätzlichen Wohnungen. So lauten zumindest die Ziele, festgelegt in der Wohnstrategie und im Stadtentwicklungskonzept. Wohin aber mit all den neuen Bernern und Bernerinnen? Sind so viel neue Wohnungen überhaupt realistisch? «Grundsätzlich ja», sagt Stadtplaner Mark Werren.

Die Projekte für etwa 7000 der Wohnungen seien bereits mehr oder weniger aufgegleist, von der Stadt, aber auch von Privaten. Das grösste Projekt ist dabei sicher die Überbauung des Vierer- und Mittelfelds. Hier allein sollen 1200 Wohnungen entstehen – Platz für gegen 3000 Personen. Noch etwas weniger konkret ist die Bebauung Weyermannshaus-West. Die Post, die Burgergemeinde und die Stadt Bern wollen hier ungefähr 1000 Wohnungen erstellen. Mit einer Überbauungsordnung ist etwa 2020 zu rechnen.

Visionen und Private

Auch im Entwicklungsgebiet Bethlehem-West dürfte ein grösserer Anteil an Wohnungen hinzukommen. Sind die zahlreichen Probleme – etwa der Umgang mit dem belasteten Boden oder dem Jugendzentrum Gaskessel – gelöst, sollen auch auf dem Gaswerk gegen 350 neue Wohnungen entstehen. Weitere grössere Projekte sind die Überbauungen auf dem Warmbächliareal (250 Wohnungen) und an der Mutachstrasse (100). Auch auf dem Areal des Tramdepots Burgernziel sollen 100 Wohnungen dazukommen. Zusätzlich habe die Burgergmeinde Landreserven für etwa 1000 weitere Wohnungen, wie Werren schätzt – etwa auf dem Springgarten-Areal oder in der hinteren Schosshalde.

Die Hälfte der Wohnungen will die Stadt selbst oder von Genossenschaften bauen lassen – diese sollen dank Kostenmiete preisgünstig sein. Doch auch private Investoren sind in der Wachstumsprognose einberechnet. Grössere Projekte sind hier etwa die Überbauung an der Weltpoststrasse mit etwa 175 Wohnungen oder die Schönburg mit 150 Wohnungen. Auf dem Gangloff-Areal beim Europaplatz sollen 180 Wohnungen entstehen und mit dem Projekt Wankdorf III nochmals 200. Umnutzungs- und Baupläne existieren auf dem Meinen-Areal, im Zieglerspital oder bei der Felsenau-Brauerei.

Hinzu kommen Projekte, die zum aktuellen Zeitpunkt eher Visionen sind, aber weiteren Wohnraum versprechen. So wird auch das Areal des Tramdepots am Eigerplatz früher oder später für Wohnungen genutzt werden. Neben den grösseren Überbauungen setzt die Stadt auch auf kleinere Projekte, die bei Umnutzungen und Verdichtungsvorhaben auf bebautem Gebiet entstehen sollen. 1500 Wohnungen will man so bauen, das wären über fünfzehn Jahre jährlich 100 neue Wohnungen. «Dieses Ziel zu erreichen, wird sicher eine Herausforderung», so Werren. Neben möglichen Einsprachen von Anwohnern könnte dazu auch die noch vor Bundesgericht hängige Wohninitative beitragen, welche bei Um- und Neueinzonungen einen Anteil von einem Drittel der Wohnungen in Kostenmiete verlangt. «Es ist nicht ganz auszuschliessen, dass dies in Einzelfällen private Investitionen verlangsamen könnte», so Werren. Die bisherigen Erfahrungen zeigten aber, dass die Investoren durchaus bereit seien, die Wohninitiative mitzutragen.

Wenig Dynamik

Werren sieht aber noch einen anderen Knackpunkt: Im Gegensatz zu anderen Städten hatte der genossenschaftliche Wohnbau in Bern in den letzten Jahren keine grosse Dynamik. Dementsprechend seien nicht alle Genossenschaften so gut aufgestellt wie etwa die «hochprofessionell» organisierten Genossenschaften in Zürich.

Ein offener Punkt sei deshalb: «Schaffen es die Berner Genossenschaften, tatsächlich im geplanten Umfang zu bauen?» Daniel Blumer vom Regionalverband der Genossenschaften Schweiz macht sich in diesem Bereich keine Sorgen. «An der Mutachstrasse hätten wir 1000 Wohnungen bauen können», sagt er. Platz hat es auf dem Areal allerdings nur für 100 Wohnungen – neun interessierte Genossenschaften gingen also leer aus. Bauen in der Stadt sei für die Genossenschaften attraktiv. Die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen sei gross. Und wer die Vorgaben der Stadt einhalte, erhalte den Boden zu einem fairen Preis. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.11.2018, 08:16 Uhr

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