Wirbel um Drogenspritzen auf der Fricktreppe

Auf der Berner Fricktreppe liege regelmässig Drogenabfall, behaupten Eltern. Stimmt so nicht, sagen die Behörden. Gar Gemeinderätin Ursula Wyss musste intervenieren.

Der Weg zum Kindergarten führt über die Fricktreppe. Drogenabfälle bereiten den Eltern Sorgen.

Der Weg zum Kindergarten führt über die Fricktreppe. Drogenabfälle bereiten den Eltern Sorgen.

(Bild: Adrian Moser)

Besorgte Eltern halten derzeit die Behörden der Stadt Bern auf Trab: Auf dem Weg zum Kindergarten auf der Fricktreppe finden sie gebrauchte Spritzennadeln, Blutflecken, Alkoholtupfer sowie Filter, die beim Aufziehen des Heroins verwendet werden. Ein Vater dokumentiert die Funde mit dem iPhone, sendet die Fotos ans Tiefbauamt und informiert den Kindergarten. Als diese nichts unternehmen, wendet er sich an Stefanie Anliker, Präsidentin des Leists der unteren Altstadt. «Ich habe das Anliegen an Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) weitergeleitet», bestätigt Anliker.

Wyss reagiert wenige Tage später: Sie weist die Strassenreinigung an, die Fricktreppe fortan bereits um 7 Uhr morgens zu reinigen – ausserhalb der regulären Arbeitszeiten und bevor der Kindergarten beginnt. Das Pinto-Team, welches in solchen Fällen mit Drogenabhängigen den Dialog sucht, wird auf den Plan gerufen und erhöht die Patrouillengänge, sogar die Polizei führt häufiger Kontrollen durch. Seit Anfang Mai sind die Stadtreinigung und Sicherheitskräfte mehrmals täglich in der Berner Altstadt im Einsatz.

Behörden widersprechen sich

Doch das Problem scheint ungelöst: Kurze Zeit später findet der Vater wieder Drogenabfälle sowie Bierdosen. Er verbietet seinem Kind sogar, das Treppengeländer anzufassen. Eine besorgte Mutter berichtet, die Fricktreppe sei vor allem am Montagmorgen, wenn sie ihr Kind in den Kindergarten bringe, «stark verschmutzt». Sie mache sich Sorgen: «Was passiert, wenn wir nicht aufpassen, und da liegen solche Dinge herum – was machen die Kinder dann damit?»

Die Sache scheint verzwickt. Während die Kantonspolizei die Feststellungen der Eltern stützt, teilen die Pinto-Leute und die Stadtreinigung deren Einschätzung nicht. Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage des «Bund», dass sich in letzter Zeit vermehrt Drogenkonsumenten bei der Fricktreppe aufhielten. «Es musste ebenfalls festgestellt werden, dass diese Verunreinigungen hinterlassen.» Die Feststellungen seien zu unterschiedlichen Zeiten gemacht worden, «aber primär in den Morgenstunden».

Silvio Flücker, Leiter von Pinto, sieht das anders: Er vermerke jeden Fund im Zusammenhang mit Drogen. Sein Team arbeite an neun zusätzlichen Sonderschichten zwischen Mitternacht und 10 Uhr morgens. «Wir haben in den vergangenen Wochen aber kaum etwas entdeckt.» Seit Mitte April seien lediglich vier Funde verzeichnet worden. «Anhand der Menge schliessen wir darauf, dass es sich um eine Einzelperson handelt.» Halten sich Drogensüchtige über Nacht auf der Fricktreppe auf, so beseitigt Martin Schneider am Morgen die Verunreinigungen. Der Leiter der Stadtreinigung hat in den vergangenen Wochen aber «nichts Aussergewöhnliches festgestellt». Die Funde würden aber auch nicht verzeichnet. «Bei der Stadtreinigung geht das leider wie beim Schneeschaufeln. Haben wir einen Ort gesäubert, fällt hinter unserem Rücken bereits wieder Abfall zu Boden.» Mit dem neuen Reinigungsplan tue man aber das Möglichste, da die Kinder besonders zu schützen seien. «Nirgendwo in der Stadt wird so viel Aufwand betrieben, um ein Gebiet sauber zu halten.»

Muss Wyss nochmals eingreifen?

Der Vater gibt sich damit nicht zufrieden. «Es kann nicht sein, dass die Treppe um 7 Uhr gereinigt und um 9.30 Uhr kontrolliert wird, in der Zwischenzeit aber ein Drogenabhängiger sich zweimal einen Schuss setzt», sagt er.

Muss Ursula Wyss nochmals intervenieren? Stefan Schwarz, Generalsekretär von Wyss’ Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS), bestätigt zwar, dass die Gemeinderätin die Reinigungseinsätze erhöht und Pinto darauf aufmerksam gemacht habe. Aber: «Mehr kann die öffentliche Hand mit vernünftigem Aufwand nicht unternehmen. Wenn in dieser Zwischenzeit jemand Drogen konsumiert, bleibt dieser Abfall zwangsläufig liegen», so Schwarz. Von einer Überreaktion der Eltern will er aber nicht sprechen.

Pinto-Leiter Flückiger findet, mehr könne sein Team nicht unternehmen. Eine Zusammenarbeit mit den Eltern sei ihm bisher verwehrt geblieben. «Meine Anrufe blieben unbeantwortet.»

Der Bund

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