«Wir erreichen die nötige Dichte auch ohne Hochhaus im Viererfeld»

Beim Siegerprojekt der Überbauung im Berner Viererfeld habe die Aussengestaltung überzeugt, sagt Jury-Moderator Rainer Klostermann.

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Herr Klostermann, was macht das Siegerprojekt derart einzigartig?
Das Siegerprojekt betont den Aussenraum in vorbildlicher Weise. Der Aussenraum ist das Grundgerüst des modernen Städtebaus.

Was meinen Sie konkret?
Es geht um Strassenachsen, Plätze und Grünflächen, die wichtige und gut gesetzte Bestandteile des Siegerprojektes sind. Selbst private Gärten können eine wichtige Ergänzung sein des Aussenraumes einer Stadt sein.

Wo sollen denn die Leute verweilen? Von Beizen ist ja nicht die Rede.
Gastronomie und Ladenflächen gehören aber auch mit dazu. Im Siegerprojekt sind drei Plätze auf dem Viererfeld und einer auf dem Mittelfeld vorgesehen, wo Gastronomie und Ladennutzung stattfinden könnte. Das ist nicht zu viel, aber auch nicht zuwenig. Es gab im Wettbewerb Projekte mit grossen Strassenachsen und zu vielen Gewerbeflächen. Dort stellt sich die Frage, wo sich die Leute denn überhaupt begegnen sollen.

Sie haben das Kirchenfeld als Vorbild erwähnt. Wie haben Sie das gemeint? Dort gibt es ja wenig Parterrenutzung.
Ich habe das Kirchenfeld nicht bezüglich Parterrenutzungen erwähnt, sondern bezüglich Sicht- und Raumachsen, die bis heute der Orientierung dienen. Diese Achsen haben sich zudem als sehr anpassungsfähig erwiesen, konnte später doch zum Beispiel auch ein Tram eingebaut werden.

Im Viererfeld soll es auch Arbeitsplätze geben, wie immer wieder betont wurde. Vom Gewerbe ist nun aber kaum mehr die Rede.
Das Viererfeld ist schwerpunktmässig ein Wohnquartier. Das entspricht auch den Bedürfnissen des Marktes, der Politik und der Stadtplanung. Die Städte haben zuwenig Wohnungen. Gewerbe ist im Viererfeld aber durchaus erwünscht. Und im Prinzip ist jedes Gewerbe möglich, das quartierverträglich ist. Es ist aber illusorisch zu glauben, dass die Hauptachse nun vollständig zu einer Gewerbeachse wird.

Warum wurde auf Hochhäuser auf dem Mittelfeld verzichtet?
Ein Hochhaus hat immer auch ein Umfeld. Und ein Hochhaus bedeutet nicht unbedingt eine Verdichtung, weil es u.a. wegen des Schattenwurfs viel Aussenraum braucht. Im Mittelfeld wären Hochhäuser allenfalls am stadtseitigen Rand möglich gewesen, ohne dass der ein relevanter Schattenwurf auf andere Wohngebäude fällt. Aber der Bau eines Hochhauses in unmittelbarer Nähe des Burgerspittel-Hochhauses ist wenig sinnvoll, zumindest hat kein Lösungsvorschlag überzeugt. Ein Hochhaus-Cluster an diesem Ort würde von weither eine gewisse Zentralität signalisieren, die an dieser Lage nicht gegeben ist.

Man wollte das Burgerspittel nicht konkurrenzieren?
Ja, weil man die nötige Dichte auch ohne Hochhaus erreicht. Zudem gibt es den Aussichtspunkt beim Studerstein, von wo aus es weiterhin freie Sicht auf die Alpen geben soll.

(Der Bund)

Erstellt: 11.01.2019, 17:35 Uhr

Rainer Klostermann, Jury-Moderator und Architekt

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