Wie die Vermummten das Stade de Suisse stürmten

Unter knallenden Petarden sprangen Chaoten aus dem Umfeld des FCZ beim Cup- final über die Drehkreuze und gelangten unkontrolliert ins Stadion.

FCZ-Zürich-Anhänger am Ostermontag auf dem Bärenplatz.

FCZ-Zürich-Anhänger am Ostermontag auf dem Bärenplatz. Bild: Tobias Anliker

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Die Konstellation beim Cupfinal war brisant: Mit dem FC Basel und dem FC Zürich standen sich zwei Erzrivalen gegenüber. Zudem waren die beiden Mannschaften nur wenige Tage vorher in der Meisterschaft aufeinandergetroffen. «Es war ein Höchstrisikospiel», sagt Albert Staudenmann, Sprecher des Stade de Suisse. Die hohe Gewaltbereitschaft führte durch Chaoten in und um das Stadion am vergangenen Montag zu einem «Ausnahmezustand».

Einem Teil der vermummten Krawallmachern gelang das Eindringen in den Sektor des FCZ, ohne kontrolliert zu werden. Sie zündeten Petarden und sprangen über die Drehkreuze. Die Stewards und die Angestellten der Sicherheitsfirma Protectas wurden überrascht und waren machtlos. Rauchschwaden behinderten die Sicht. «Während draussen ein grosses Polizeiaufgebot die Randalierenden bekämpfte, waren die Mitarbeitenden diesen im Stadion hilflos ausgeliefert», schreibt eine Mitarbeiterin. Sie und die anderen Stewards hätten keine Chance gehabt, sich gegen die in grosser Zahl anstürmenden Chaoten zur Wehr zu setzen. Sie wich zurück und flüchtete sich in eine Ecke. Stewards wurden beleidigt und bedroht. Die Mitarbeiterin spricht von «psychischem Terror». Sie selber wurde von einem Vermummten mit einer Spraydose in der Hand angeschrien. Sie habe einen Schock erlitten, schreibt die Mitarbeiterin.

Polizei konnte nicht eingreifen

Albert Staudenmann bestätigt die Vorfälle. Es müsse sich um eine «konzentrierte Aktion» gehandelt haben, mit dem Ziel ohne Kontrolle ins Stadion zu gelangen. Der Eingang zum Stadion wurde geschlossen, damit nicht noch weitere Vermummte nachrücken konnten. Man habe per Funk sofort Unterstützung durch die Polizei verlangt. Doch die Polizisten hatten selber vor dem Stadion alle Hände voll zu tun, um die Chaoten aus dem Umfeld des FCZ in Schach zu halten.

Bei einem Meisterschaftsspiel sei die Kontrolle der Fans viel einfacher, erklärte der Stade-de-Suisse-Sprecher weiter. Es reisten jeweils etwa 2500 Fans des Gastklubs nach Bern. Im Gästesektor können die Fans einzeln kontrolliert werden, hier gibt es Drehkreuze, die von einem Gitterkäfig umgeben sind. Diese speziellen Einrichtungen sind in den am Cupfinal betroffenen Sektoren nicht vorhanden. «Es ist unrealistisch und zu kostspielig, das Stadion für ein einziges Spiel umzurüsten», sagt Staudenmann.

«Ein lukratives Geschäft»

Trotz der Vorkommnisse möchte die Stade de Suisse AG in Zukunft nicht auf die Austragung des Cupfinals verzichten. «Das wäre eine Kapitulation vor den Störenfrieden.» Der Schweizerische Fussballverband ist zudem ein sehr guter Kunde. Wie viel Geld die Stade de Suisse AG durch die Vermietung des Stadions erhält, will Staudenmann nicht sagen. Es handle sich aber um «ein lukratives Geschäft». Ob die Vermummten ungeschoren davon kommen, ist noch offen. Das vorhandene Videomaterial wird gesichtet und zusammen mit der Polizei ausgewertet. (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2014, 16:18 Uhr

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