Wegen Lärm: Strengere Auflagen für die Reitschule

Die Gastrobetriebe des Kulturzentrums müssen neue Auflagen beachten: Die Zahl der Konzerte wird reduziert und Hintergrundmusik ist nicht mehr gestattet.

Der Betrieb auf dem Vorplatz der Reitschule wird stark beschränkt: nach halb eins in der Nacht keine Getränkeverkauf, keine Hintergrundmusik, pro Monat nur noch ein Wochenendkonzert und nur ein Grossanlass im Jahr.

Der Betrieb auf dem Vorplatz der Reitschule wird stark beschränkt: nach halb eins in der Nacht keine Getränkeverkauf, keine Hintergrundmusik, pro Monat nur noch ein Wochenendkonzert und nur ein Grossanlass im Jahr.

(Bild: Adrian Moser)

«Jetzt kommt die Reitschule an die Reihe», hatte Regierungsstatthalter Christoph Lerch im Februar in einem Interview mit dem «Bund» gesagt. Nun nimmt er die Reitschul-Betreiber in Pflicht: Wie aus einer Medienmitteilung vom Freitag hervorgeht, hat das Regierungsstatthalteramt eine geänderte Betriebsbewilligung ausgestellt, die mit mehreren neuen Auflagen verknüpft ist.

Zapfenstreich um halb eins

Diese umfassen gemäss Mitteilung sowohl bauliche als auch organisatorische Massnahmen: So dürfen nach halb eins in der Nacht keine Getränke mehr über die Gasse verkauft werden. Als Haupturheberin des Lärms gilt die Bar auf dem Vorplatz, wo sich die zahlreichen Gäste jeweils bei musikalischer Unterhaltung verpflegen konnten. Hier darf künftig nun keine Musik mehr abgespielt werden – ferner sind pro Monat nur noch ein Wochenendkonzert und pro Jahr ein Grossanlass gestattet.

Die Massnahme sei vonnöten, «um die Lärmemissionen für die Nachbarschaft zu verringern», heisst es in der Mitteilung. 80 Lärmklagen gegen den Betrieb waren vergangenes Jahr aus der Bevölkerung eingegangen.

Reitschule kritisiert «Quasi- Veranstaltungsverbot»

Die Auflagen bedeuteten für den Vorplatz ein «Quasi- Veranstaltungsverbot», kritisieren die Reitschul-Verantwortlichen in einer Mitteilung. Der Statthalter verkenne und ignoriere gesamtgesellschaftliche Realitäten. Offen bleibe, wohin denn die jeweils bis zu 1000 Ausgänger auf dem Vorplatz künftig gehen sollten. «Vielleicht hat es ja vor dem Regierungsstatthalteramt in Ostermundigen noch ein wenig Platz?», heisst es weiter.

Die Reitschule nimmt die aktuelle Verfügung nun zum Anlass, um in einem offenen Brief an den Regierungsstatthalter die städtische und kantonale Politik der «Einschränkung verschiedenster Kulturbetriebe, Ausgehlokale und des öffentlichen Raumes» zu kritisieren. Rückendeckung erhält sie dabei von einer Reihe weiterer Berner Kulturinstitutionen, Nachtclubs, politischer Parteien und Vereingungen. Gemäss Brief zählen dazu unter anderen das Café Kairo, die Brasserie Lorraine, das Kapitel, die Dampfzentrale, der Verein Sous-Soul oder auch die Juso Bern.

Die Stadtpolitik ziele auf eine Aufwertung des Stadtbildes ab, heisst es in dem Brief. Dabei würden all jene zu Problemen erklärt, die nicht mehr ins gewünschte Bild passten: lärmende Jugendliche auf öffentlichen Plätzen, Randständige oder Bargänger auf der Strasse vor Lokalen. Diese restriktive Politik habe in den vergangenen Monaten bereits mehrere Berner Kulturbetriebe zur Schliessung gezwungen.

«Kultur besteht nicht nur aus teuren Sitzplätzen im Stadttheater», geben die Verfasser zu bedenken. Sie beinhalte auch Jugendkultur, Subkultur und andere Formen kreativer Aktivität. Die Unterzeichnenden wehrten sich «entschieden gegen den Versuch, die Stadt im Sinne einer Ruhe-und-Ordnung Strategie zu säubern.»

Verein Nachtleben bedauert den Entscheid

«Mit grossem Bedauern und Unverständnis» reagiert auch der Verein Nachtleben Bern auf die Verfügungen des Regierungsstatthalteramts. Durch die Massnahmen komme der Stadt einer «ihrer letzten Plätze» abhanden, auf welchem sich Jugendliche und junge Erwachsene nachts treffen konnten.

Auch die JUSO Stadt Bern findet die vom Statthalter verfügten Einschränkungen unverhältnismässig, wie die Partei mitteilt. Die Politik stehe in «krassem Kontrast zu den Wünschen, Bedürfnissen und Rechten junger Menschen der Stadt Bern».

hjo / rym/sda

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