«Von einem Steg sind wir mittlerweile weit entfernt»

Bisher wollte Tiefbaudirektorin Ursula Wyss (SP) nichts von Autos auf einer Velobrücke zwischen der Länggasse und dem Breitenrain wissen. Nun könnte sie sich aber zumindest Busse vorstellen.

Blick ins Nordquartier, welches mit einer Velobrücke verbunden werden könnte.

Blick ins Nordquartier, welches mit einer Velobrücke verbunden werden könnte.

(Bild: Franziska Rothenbuehler)

Frau Wyss, wie weit fortgeschritten ist das Projekt einer Brücke, welche die Quartiere Länggasse und Breitenrain miteinander verbindet?
Wir haben vom Stadtrat den Auftrag erhalten, einen Wettbewerb zu starten. Vorher müssen aber noch einige offene Fragen geklärt werden. Fachleute meiner Direktion sind nun dabei, diese zu klären. Noch habe ich dazu nichts fertiges auf dem Tisch. Für mich ist ganz klar: Zweck und Grösse der Brücke müssen vor dem Wettbewerb geklärt werden. Was wir in Zukunft in Bern für eine Brücke wollen, ist eine politische Frage, die können wir nicht einem Architekturwettbewerb überlassen.

Aber wird die Brücke nun tatsächlich grösser als ursprünglich vorgesehen?
Anfangs sprach der Kanton – von dem die Stadt das Projekt übernommen hat – von einer kleindimensionierten Stadtbrücke. Dann gab es die Diskussion über Notfallfahrzeuge und die gesetzlich vorgegebene Hindernisfreiheit für Behinderte. Da sind gewisse Masse vorgegeben.

Liessen Sie sich auch von der im «Bund» angestossenen Debatte beeinflussen?
Die öffentliche Debatte hat gezeigt: Die Unterstützung für eine richtige Brücke ist sehr breit. Das freut mich, zeigt es doch, dass die Öffentlichkeit das künftige Potenzial dieser Brücke wahrnimmt. Die Ansprüche an die Brücke sind gewachsen. Von einem Steg sind wir mittlerweile weit entfernt.

In der «Berner Zeitung» sprachen Sie von Kleinbussen. Soll die Brücke ÖV-tauglich werden und damit den Verkehr, etwa am Bahnhof, entlasten?
Ich denke dabei maximal an Shuttle-Busse. Es ginge dabei um Quartiervebindungen, im Sinne des städtischen Konzepts der Kurzen Wege. Die Brücke wird den Bahnhofsverkehr sicher nicht entlasten können.

Bislang waren Sie von Autos auf der Brücke gar nicht begeistert. Nun sind für Sie Busse denkbar. Woher kommt der Strategiewechsel?
Die Strategie ist unverändert. Sie geht von einer Langsamverkehrsverbindung zwischen Länggasse und Breitenrain aus. Jetzt wird diskutiert, ob die neue Brücke grosszügiger als bisher geplant werden soll. Wenn man das will, so sollte man zumindest prüfen, ob sich daraus auch Chancen für den ÖV ergeben. Ich denke dabei aber – wie gesagt – höchstens an kleinere Shuttle-Busse.

Aber eine zweiten Autobrücke würde doch beispielsweise die Lorraineberücke vom Verkehr entlasten?
Die Quartiere sind für den Autoverkehr schon jetzt gut erschlossen und auch mit der Autobahn schnell erreichbar. Das sieht auch der Kanton so. Hingegen besteht eine Netzlücke für den Langsamverkehr, vor allem was die Anbindung der Quartiere Länggasse und Breitenrain betrifft.

Am wahrscheinlichsten scheint nun eine Art Kompromissbrücke: Für Fussgänger, Velofahrer, Notfalldienste und Shuttlebusse.
Wenn eine richtige Brücke nur eine sein soll, auf der Autos fahren, dann wird die Diskussion schwierig. Ich selber spreche von einer Langsamverkehrsbrücke.

Ursprünglich sollte die Brücke um die 18 Millionen Franken kosten. Wird die neue Brücke jetzt viel teurer?
Das müssen die Fachleute meiner Direktion klären, wenn sich abzeichnet, dass die Brücke höheren Anforderungen als bisher genügen soll. Ich selber kann mich dazu nicht äussern, das wäre unseriös.

Braucht Bern eine weitere Brücke? Diskutieren Sie mit: stadtgespraech.derbund.ch

DerBund.ch/Newsnet

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