Von Graffenried dementiert Kontakt zu Bodies Exhibition

Erstmals äussert sich der Stadtpräsident zur umstrittenen Leichenausstellung im Berner Tramdepot.

Die umstrittene Leichenschau im Berner Tramdepot wird nun auch von den Behörden näher untersucht.

Die umstrittene Leichenschau im Berner Tramdepot wird nun auch von den Behörden näher untersucht. Bild: Franziska Scheidegger

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In der Ausstellung «Bodies Exhibition» im Tramdepot Burgernziel ist der Wurm drin. Bereits im Vorfeld wurde Kritik laut wegen der unklaren Herkunft der ausgestellten Leichenteile. Zwar beteuerte Jan van Bergen, technischer Direktor der Ausstellung, stets, die ausgestellten Leichenteile stammten von freiwilligen Spendern aus den USA. Er weigerte sich jedoch, dies mit entsprechenden Papieren zu belegen. Bereits in anderen Ländern, in denen er mit seiner Leichenausstellung gastierte, sorgte er deswegen für Schlagzeilen.

Christen erstatten Anzeige

Nun hat auch die Justiz Ermittlungen gegen van Bergen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern bestätigte am Mittwoch gegenüber dem «Bund», dass derzeit eine eingegangene Anzeige gegen den Direktor van Bergen geprüft werde. Unabhängig von dieser Anzeige war auch die Polizei bereits vor Ort. Nun ist klar: Hinter der Anzeige gegen die Leichenschau steht die christliche Menschenrechtsorganisation «Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter und der Todesstrafe (ACAT)» mit Sitz in Bern. Dies berichtet die «Berner Zeitung». Man habe die Anzeige eingereicht, nachdem Stadt und Kanton konkrete Nachfragen nur knapp beantworten konnte.

Kein Kontakt mit Stapi

Ausstellungsdirektor van Bergen wehrte sich gegen die Vorwürfe und sagte, der «Berner Bürgermeister» habe nichts gegen seine Ausstellung einzuwenden. Nun meldet sich eben dieser «Bürgermeister» Alec von Graffenried (GFL) zu Wort und dementiert jeglichen Kontakt zu den Machern der Ausstellung. «Der Veranstalter hatte keinen Kontakt zu mir persönlich und meines Wissens auch keinen Kontakt zu weiteren Stellen der Stadt Bern», schreibt der Stadtpräsident. Die Stadt habe dementsprechend keine Kenntnis gehabt von der Ausstellung. Grundsätzlich, so von Graffenried, gelte auch für Ausstellungen uneingeschränkte Meinungsäusserungsfreiheit, sofern rechtlich alles korrekt abgelaufen sei. Deshalb begrüsst von Graffenried, dass die Staatsanwaltschaft Untersuchungen eingeleitet hat.

Trotz des Wirbels und der vielen Fragen, die noch im Raum stehen, wird der Stadtpräsident nicht selbst hingehen: «Ganz grundsätzlich interessiert mich persönlich die Ausstellung nicht und ich werde sie nicht besuchen.»

Die Ausstellung ist noch bis am Sonntag in Bern zu Gast. Danach geht sie nach Lausanne. Gegenüber der «Berner Zeitung» bestätigt Dominique Joris, zuständiger Jurist für die christliche Menschenrechtsorganisation ACAT, dass sie am Mittwoch nun auch bereits in Lausanne eine Anzeige eingereicht hätten. (nfe/chl)

Erstellt: 11.10.2018, 09:56 Uhr

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