Von Drohne im Garten belästigt

Verbot oder falsche Aufregung? Das halten «Bund»-Leser vom Drohnen-Boom. Für eine Gemeinderätin in Muri ist der Fall klar.

Drohnen werden immer mehr zum gesellschaftlichen Problem (Symbolbild).

Drohnen werden immer mehr zum gesellschaftlichen Problem (Symbolbild). Bild: Colourbox

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Spätestens seit einem Vorstoss aus dem Stadtrat läuft in Bern die Diskussion, wie man mit Drohnen umgehen soll. Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) etwa forderte am Dienstag im «Bund» «ein gewisses Mass an Regeln». Fragt man Daniela Pedinelli, SP-Gemeinderätin in Muri, ist klar: Sie ist für ein schweizweites Verbot von privaten Drohnen. Nicht nur, aber auch aus persönlicher Erfahrung: In einem Leserbrief in den «Lokal-Nachrichten» Muri von Anfang Juni schildert Pedinelli einen unangenehmen Vorfall: Eine Person habe eine Drohne in ihren Garten geschickt, um Aufnahmen zu machen. Die Drohne sei ihr bedenklich nahe gekommen. Sie betrachte das als schwerwiegenden Eingriff in die Privatsphäre, schreibt sie weiter.

«Komplett ausgeliefert»

Auf Nachfrage erzählt Pedinelli, weshalb sie die Drohnen-Aktion derart schockiert hat: «Ich lag ‹oben ohne› auf dem Liegestuhl in einer uneinsehbaren Ecke meines Gartens.» Zuerst sei die Drohne nur am Rande des Grundstückes vorbeigeflogen. «Das hat mich zwar geärgert, aber ich habe mir nichts weiter dabei gedacht.» Dann aber habe der unbekannte Drohnenpilot sein Gefährt auf sie zugesteuert und sei damit immer näher gekommen – bis die Drohne schliesslich direkt vor ihrem Gesicht schwebte. Dabei habe sie auch ein rotes Lämpchen an der Drohne gesehen. Als sie zur Abwehr zur Gartenschaufel gegriffen habe, sei die Drohne sofort hochgezogen worden.

«Man fühlt sich komplett ausgeliefert», sagt Pedinelli zur Situation. Es sei ihr zudem auch sehr unangenehm, dass jemand nun unfreiwillig freizügige Bilder von ihr besitze. Pedinelli hat Strafanzeige eingereicht. «Es ist mir aber bewusst, dass es schwierig ist, den Drohnen-Besitzer ausfindig zu machen.» Sie hofft auch auf Hinweise aus der Nachbarschaft – wo die Polizei laut Angaben von Pedinelli auch den Täter vermutet. Politisch aktiv zu werden, plant Gemeinderätin Pedinelli zurzeit nicht. Regeln auf Gemeindeebene seien nicht das richtige Vorgehen. «Es braucht eine nationale Lösung», sagt sie.

Ist das Erlebnis von Pedinelli ein aussergewöhnlicher Fall? Bei der Kantonspolizei Bern führt man keine Statistik über Vorfälle oder Anzeigen im Zusammenhang mit Drohnen, wie es auf Anfrage heisst. Erfahrungsgemäss gebe es aber «ab und zu» Meldungen zu Drohnen. Diese würden aber eher Lärmbelästigungen oder Verluste betreffen. Klar ist, dass auch für Drohnenpiloten die bestehenden Gesetze zu Geheim- und Privatsphäre gelten. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) arbeitet derzeit denn auch daran, das Luftfahrtgesetz im Hinblick auf Drohnen zu revidieren. Bis 2019 will es eine elektronische Registrierung durchsetzen. Dank einem Chip wären die Drohnen dann identifizierbar. So könnte man in Zukunft Anzeige gegen verantwortungslose Drohnenpiloten erstatten – sofern die Drohne greifbar ist.

«Das legt sich wieder»

Auch im «Stadtgespräch» wollte der «Bund» wissen: Müssen Drohnen reguliert werden? Wie Pedinelli plädiert auch «Bund»-Leserin Myriam Wassmann für ein Verbot privater Drohnen – ein missbräuchlicher Umgang könne gerade bei Kamera-Drohnen nie ausgeschlossen werden können.

In Japan etwa gebe es bereits Drohnen-Verbotstafeln rund um Sehenswürdigkeiten, schreibt Leser Bernhard Weidmann aus Büren an der Aare. So weit komme es wohl auch in Bern, etwa in der Altstadt. Optimistischer ist Leser Rolf Helbling: «Das mit den Drohnen wird sich wieder legen», glaubt er, wie andere Trends auch. Eine weitere Regulierung findet er deshalb nicht nötig, jedoch müsse man die bestehenden Gesetze durchsetzen. Und Martin Messerli vertraut einerseits auf den Bund – «wenn die Drohnenfliegerei überhandnimmt, wird sich das Bazl schon einschalten» –, andererseits auf die Drohnenpiloten selbst: Die Betreiber von Drohnen «sollten Verantwortung und gesunden Menschenverstand walten lassen»

Stört es Sie, wenn Drohnen durch die Stadt schwirren? Soll die Stadt Bern die Verwendung von Drohnen stärker regulieren? Wenn ja, wie? Was sind die Chancen der neuen Technologie, was die Gefahren? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (Der Bund)

Erstellt: 14.06.2018, 06:39 Uhr

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