Villa Schwob: Bitte durchatmen

Die Schwob-Stiftung könnte durch die Entkopplung von der Stadt Bern agiler und unabhängiger werden.

Die Entkopplung von der Stadt könnte für die Schwob-Stiftung zum Vorteil werden, sagt Künstler Heinrich Gartentor.

Die Entkopplung von der Stadt könnte für die Schwob-Stiftung zum Vorteil werden, sagt Künstler Heinrich Gartentor. Bild: Adrian Moser

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Das Verwaltungsgericht hat entschieden, die Stadt Bern darf die ihr geschenkte Villa Schwob verkaufen. Aber nicht etwa, weil die Stadt Bern vor Verwaltungsgericht recht erhalten hätte, sondern weil die Einsprecherin nicht einspracheberechtigt gewesen sein soll. Das Bundesgericht würde es vielleicht anders sehen.

Was die Stadt als Sieg verkauft, ist genauso eine Niederlage, aber die Stadt hat es vielleicht noch gar nicht bemerkt. Der Leiter des Informationsdienstes der Stadt Bern liess sich nach der Urteilsverkündung zitieren: «Die Stadt will das Haus verkaufen und mit dem Erlös Proberäume und Ateliers andernorts finanzieren. Dies nicht nur, aber auch für bildende Künstler.» Dumm nur, dass das Verwaltungsgericht in seinem Urteil festhielt, dass «die Mittel der unselbstständigen Stiftung entsprechend ihrer Zweckbestimmung zu verwenden sind». Und in der Zweckbestimmung der Stiftung steht klipp und klar, dass nur die bildende Kunst berücksichtigt wird. Das war der Wille der Stifterin Susanne Schwob, und das kann die Stadt nicht wegdeuten.

Die Stadt kann die Villa Schwob sowieso erst verkaufen, wenn «sichergestellt ist, dass an einem andern Ort in der Gemeinde Bern ein Ersatzprojekt realisiert werden kann (...). Das Ersatzprojekt hat in der Namensgebung auf Susanne Schwob hinzuweisen.» Dies hat sich die Stadt Bern am 27. November 2013 selber verordnet. Aber wo wird dieses Ersatzprojekt verwirklicht? In welcher Schublade liegen die Pläne?

Potenzial der Stiftung erkennen

Aktuell arbeiten zwölf Künstlerinnen und Künstler in der Villa Schwob. Es ist die junge Generation, welcher die Zukunft gehört. Die Ausgangslage hat sich somit grundlegend geändert im Vergleich zu vor einem Jahr, wo das Haus drei Kunstschaffenden zugute kam und man behaupten konnte, es diene nur wenigen.

Ich appelliere an die Vernunft und rate zu einem grossen Durchatmen und Innehalten in Bern, denn die Schwob-Stiftung hat viel Potenzial. Ich argumentiere als Präsident einer Stiftung, welche im Tessin drei Künstlerhäuser besitzt und verwaltet, aber auch als Ratsmitglied einer Stiftung, die in der Stadt Genf ein Künstlerhaus besitzt, der Stiftung Buffat. Dort ist die Problematik ähnlich wie bei der Villa Schwob: Die Erträge stimmen nicht mehr, das Haus kommt maximal acht Kunstschaffenden zugute, zudem ist der Investitionsrückstand gewaltig. Wir standen vor ein paar Jahren vor der Entscheidung, die Stiftung aufzulösen. Aufwand und Ertrag waren immer mehr auseinandergedriftet. Wir entschieden uns für eine Vorwärtsstrategie und wollen nun auf dem Grundstück der Stiftung über zwanzig Ateliers errichten.

Wir finanzieren das Ganze mit einer Mantelnutzung, indem wir ein Hochhaus dazu bauen und die Wohnungen darin im Baurecht abgeben. Die Planung ist abgeschlossen, der Investor an Bord, das Projekt verspricht hochqualitative Architektur, die dafür notwendige Zonenplanänderung ist aufgegleist. Die Fondation Buffat kann so in ein paar Jahren zu einer der potentesten Kunststiftungen der Stadt Genf werden. Auch die Schwob-Stiftung hat dieses Potenzial. Genf auf Bern umgemünzt könnte heissen:

1. Die Schwob-Stiftung wird von der Stadt Bern entkoppelt und unabhängig.

2. Die Stiftung betreibt die Schwob-Villa oder gibt sie im Baurecht an jene Leute ab, welche sie als Künstlerhaus weiterbetreiben wollen (das muss nicht unbedingt der Meistbietende sein).

3. Das Stiftungsvermögen wird in weitere Ateliers investiert.

Wille der Stifterin erfüllen

Gewinnen würden alle. Die unabhängige Schwob-Stiftung wäre agiler als eine stadtabhängige. Der Kunststandort Bern würde gestärkt. Der Stifterinnenwille von Frau Schwob bliebe mit Garantie gewahrt. Künftige Stifterinnen und Stifter könnten sicher sein, dass die Stadt Bern mit einem Geschenk das Richtige macht. Und die Stadt Bern müsste sich nicht den Vorwurf machen lassen, ein Geschenk verscherbelt zu haben. Der Streit wäre zu Ende.

Heinrich Gartentor ist Künstler, Ausstellungsmacher, Autor sowie Präsident der Stiftung Eduard Bick. Die Stiftung ermöglicht Künstlern kurz- und langfristige Aufenthalte im Tessin. Gartentor lebt in Horrenbach-Buchen. (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2016, 08:11 Uhr

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