Viererfeld wird überbaut

Die Stadtberner befürworten den Bau eines neuen Quartiers für 3000 Menschen auf dem Viererfeld. Bis Baubeginn vergehen aber mindestens noch fünf Jahre.

So könnte das Viererfeld dereinst aussehen.


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Stadtpräsident Alexander Tschäppät sass in der Postfinance-Arena, wo sich Giulia Steingruber an der EM gerade eine Goldmedaille erturnte, als ihn kurze Zeit später das SMS mit den Abstimmungsresultaten erreichte.

53 Prozent der Stimmberechtigten hatten Ja gesagt zur Viererfeldvorlage, mit 57 Prozent Jastimmen wurde die Mittelfeld-Vorlage angenommen. Damit kauft die Stadt dem Kanton einen Teil des Viererfelds ab, zont dieses sowie das Mittelfeld um und baut zwischen Länggasse und Felsenau ein neues Stadtquartier mit rund 1000 Wohnungen.

«Mehr kann man sich als Stapi nicht wünschen», sagte Tschäppät später vor den Medien im Erlacherhof. Das Votum sei ein Bekenntnis zum Wohnungsbau in der Stadt Bern. Die Bevölkerung habe sich nicht «erwischen lassen» durch die von der Gegnerschaft verbreiteten, teils unwahren Argumente.

Von hocherfreut bis kämpferisch

«Hocherfreut» zeigte sich auch das Komitee Ja zum Viererfeld, das sich aus mehreren Parteien und Verbänden zusammensetzte. Die SP sprach in ihrem Communiqué von einem Meilenstein. Das neue Quartier habe Vorbildcharakter für eine ökologisch und sozial nachhaltige Stadtentwicklung.

Die Gegner der Vorlage, die sich aus Wachstumskritikern, Linksgrünen, Anwohnern und Bürgerlichen zusammensetzten, gaben sich kämpferisch. «Die Schlacht ist verloren, der Krieg noch lange nicht», sagte etwa Peter Camenzind, Vorstandsmitglied des Vereins Viererfeld Nature 2.0.

Man akzeptiere den demokratischen Entscheid. «Das knappe Resultat zeigt aber auch, dass die Bevölkerung grosse Bedenken hat gegenüber Einzonungen.» Eine andere Art des Verdichtens sei nach wie vor nötig.

Im betroffenen Quartier war die Ablehnung der Vorlagen denn auch relativ hoch. 54,5 Prozent der Stimmberechtigten aus der Länggasse/Felsenau sagten Nein zum Viererfeld, den Zonenplan Mittelfeld lehnten noch 51 Prozent ab.

Die höchste Zustimmung erhielt die Viererfeld-Vorlage mit über 58 Prozent in den Stadtteilen Mattenhof/Weissenbühl, in der inneren Stadt sowie im Quartier Breitenrain/Lorraine.

Herkulesaufgabe zu bewältigen

Trotz der Zustimmung zum Landkauf und den Umzonungen fahren die Bagger auf dem Viererfeld noch lange nicht auf. Auf den Gemeinderat und den Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik warte eine Herkulesaufgabe, sagte Alexandre Schmidt.

Wohl bis Ende Jahr wird die kantonale Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion die Einsprachen prüfen, die noch hängig sind. 61 davon waren während der öffentlichen Auflage der Zonenplanänderungen im letzten Jahr eingegangen.

Stadtplaner Mark Werren geht zwar davon aus, dass die Vorlage nicht geändert werden muss oder höchstens kleine Anpassungen vorgenommen werden. Dennoch kann es zu Verzögerungen kommen. Sind die Einsprachen bereinigt, kann die städtische Finanzdirektion dem Kanton die Hälfte des Viererfeld-Areals für 51,1 Millionen Franken abkaufen, die andere Hälfte im unentgeltlichen Baurecht übernehmen.

In einem nächsten Schritt steht laut Werren der städtebauliche Wettbewerb an, der für das gesamte Areal öffentlich ausgeschrieben wird. «Es soll das zukünftige Bild fürs Quartier entstehen», sagt Werren. Grünflächen, Strassen, Plätze sowie die Überbauungen werden grob geplant.

Einbezogen werden Architekten, Landschaftsarchitekten, Verkehrsplaner, allenfalls auch Soziologen und Experten für nachhaltiges Bauen. Werren betont, man beabsichtige auch Quartiervertreter zur Erstellung des Masterplans miteinzubeziehen. Danach werden für die einzelnen Baufelder Architekturwettbewerbe lanciert. (Der Bund)

(Erstellt: 05.06.2016, 18:13 Uhr)

Zeitplan

Drei weitere Urnengänge nötig

Bis auf dem Vierer- und Mittelfeld die ersten Wohnungen bezugsbereit sind, werden gemäss Stadtplaner Mark Werren noch fünf bis sieben Jahre verstreichen. Zudem werden drei weitere Volksabstimmungen nötig sein.

• Noch im laufenden Jahr soll die Stadt die Hälfte des Viererfelds vom Kanton erwerben.
• Im Jahr 2017 findet ein städtebaulicher Wettbewerb für das Gesamtareal statt.
• Bis Ende 2018 möchte die Stadt einen Masterplan erarbeitet haben.
• Die Stadt baut nicht selber, sondern gibt die Baufelder im Baurecht an Investoren ab. Darüber stimmt das Volk ab.
• Die Stadt muss Investoren suchen. 50 Prozent der Wohnfläche sind während fünf Jahren für den gemeinnützigen Wohnungsbau reserviert.
• Ab 2019 soll der Projektwettbewerb für öffentliche Bauten und Anlagen lanciert werden. Das Volk stimmt über einen Kredit für Infrastruktur- und Erschliessungskosten ab.
• Auch über den Kredit für den Bau eines Schulhauses auf dem Viererfeld entscheiden die Stimmberechtigten.
• Projektwettbewerb für private Bauvorhaben.
• Ab 2021: Abschluss der Baurechtsverträge und Realisierung des Projekts.

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