Verwirrung um Tötungsdelikt beim Dead End

Die Kantonspolizei lokalisiert das Tötungsdelikt in einem Bericht fälschlicherweise auf dem «Trottoir vor der Reitschule». Die SVP sah sich –kurzzeitig – bestätigt.

Ein enger Zusammenhang des Tötungsdelikts beim Dead End vom letztem Dezember mit der Reitschule scheint unwahrscheinlich.

Ein enger Zusammenhang des Tötungsdelikts beim Dead End vom letztem Dezember mit der Reitschule scheint unwahrscheinlich. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Am Mittwochabend, dem 7. Dezember, ist ein Türsteher des Dead End, eines Clubs beim Berner Henkerbrünnli, verstorben. Er war am Sonntag zuvor bei der Abzweigung Neubrückstrasse/Schützenmattstrasse in eine Auseinandersetzung verwickelt worden. SVP-Politiker forderten daraufhin die Schliessung der Reitschule.

Allerdings zeigte sich, dass der mutmassliche Täter dem Dead End als notorischer Störenfried bekannt war und an diesem Abend vergebens im Club um Einlass gebeten hatte. Ein enger Zusammenhang des Tötungsdelikts mit der Reitschule schien deshalb höchst unwahrscheinlich.

Ein Polizeibericht über die Vorfälle in der Umgebung der Reitschule im Jahr 2016 hat nun dazu geführt, dass die SVP nochmals einen Zusammenhang zwischen Reitschule und Tötungsdelikt herstellt. «Was die SVP schon immer befürchtet hat, ist leider eingetroffen», schrieb die Partei am Montag in einer Mitteilung: Das Spurenbild zum Tötungsdelikt führe «in das Umfeld der Reitschule».

Die Darstellung der SVP ist zugespitzt; im Bericht, den SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat per Akteneinsichtsgesuch erstritten hat und auf den er sich bezieht, heisst es lediglich: «Die Auseinandersetzung (. . .) muss anhand des Spurenbildes auf dem Trottoir vor der Reitschule ihren Anfang genommen haben.»

Bemerkenswert ist der Abschnitt im Polizeibericht trotzdem. In der ursprünglichen Medienmitteilung lokalisierte die Polizei den Vorfall noch an der Abzweigung Schützenmatt-/Neubrückstrasse, die einige Meter vom «Trottoir vor der Reitschule» entfernt liegt.

Die Änderung des Tatorts basiert aber nicht auf neuen Fakten, sondern auf einem Fehler der Polizei, wie die Polizei auf Anfrage ausführt. «Im internen Bericht zuhanden des Gemeinderats ist die genaue Ortsangabe nicht korrekt», sagt Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei. Richtig sei, dass das Tötungsdelikt an der Verzweigung Neubrück-/Schützenmattstrasse geschehen sei; so habe es die Polizei gegenüber der Öffentlichkeit auch stets kommuniziert. «Für den Fehler im Polizeibericht entschuldige ich mich.»

Beuchat glaubt an Druckversuche

Beuchat reagiert überrascht auf die Richtigstellung. «Das mutet komisch an», sagt er. Vor allem, da der Bericht vorgängig – so mutmasst er – von zahlreichen Personen gelesen worden sei. Er glaubt, dass die Änderungen aufgrund von «Druckversuchen» gemacht wurden.

Er beharrt denn auch auf seiner Forderung, dass der Reitschule die Betriebsbewilligung zu entziehen sei. «Zumindest sollen uns der Regierungsstatthalter und die Behörden endlich erklären, wie sie die Sicherheit bei der Reitschule gewährleisten wollen.» (Der Bund)

Erstellt: 27.06.2017, 06:52 Uhr

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