Verwaltungsrat wusste nichts von Bernmobils Politaktion

Das Tram- und Busunternehmen wirbt für den Strassenfonds (NAF), obwohl Verwaltungsrätin Evi Allemann (SP) diesen bekämpft. Ihr ist es egal, den Grünen nicht.

Bernmobil, Postauto und Co. werben für den Strassenfonds.

Bernmobil, Postauto und Co. werben für den Strassenfonds.

(Bild: zvg (twitter))

Naomi Jones

Das Postauto und der rote Bernmobil-Bus standen am Mittwochvormittag in ungewohnter Harmonie auf dem Bundesplatz. Die beiden Konkurrenten warben zusammen mit den Dachverbänden Litra und dem Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) für den Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds (NAF). Pikant daran ist: Im Verwaltungsrat von Bernmobil sitzen drei SP-Frauen. Ursula Wyss, als Präsidentin, sowie Evi Allemann und Kathrin Sedlmayer. Die SP sowie die Grünen lehnen den NAF allerdings ab.

Linke kämpfen gegen den NAF

Evi Allemann bekämpft ihn als VCS-Präsidentin gar vehement. Sie spricht von einer «Plünderung der Bundeskasse», wenn er angenommen würde. «Jährlich würden 650 Millionen Franken aus der Bundeskasse in den Fonds fliessen», sagt sie. Dies, ohne dass klar sei, wie das Loch gestopft würde. «Das fehlende Geld müsste an anderen Orten eingespart werden.» Für Allemann ist klar, dass auch beim öffentlichen Verkehr gespart würde. Warum also darf Bernmobil für die Vorlage Propaganda machen?

Allemann bleibt trotz ihrer NAF-Kritik erstaunlich gelassen, obschon die Aktion im Verwaltungsrat «nicht besprochen» worden sei, wie sie sagt: «Im Rahmen der operativen Tätigkeit von Bernmobil ist das Vorgehen in Ordnung.» Auch Bernmobil-Verwaltungsratspräsidentin Ursula Wyss sieht das so. Der Gemeinderat der Stadt Bern habe keine Parole zum NAF gefasst, teilt die Sozialdemokratin mit. Dass das Unternehmen an der Aktion des Dachverbandes teilgenommen habe, sei aus Sicht eines Verkehrsbetriebs «in Ordnung», sagt sie. Was Wyss vom NAF hält, ist unklar. Sie sehe Argumente dafür wie dagegen. Noch habe sie sich nicht entschieden.

Entschieden hat sich hingegen Wyss’ bisheriger Gemeinderatskollege Alexander Tschäppät (SP). Der Alt-Stadtpräsident stützt die Haltung von Bernmobil ganz klar. Er sagt: «Aus Sicht der Stadt Bern ist der NAF wichtig. Die Stadt Bern braucht die Agglomerationsprogramme für den öffentlichen Verkehr aber auch eine gut funktionierende A6 rund um Bern.» Mit der Bernmobil-Aktion hingegen nicht einverstanden ist Stéphanie Penher, Präsidentin des Grünen Bündnisses und Mitglied des Zentralvorstands beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Sie finde es «kritisch», wenn ein Unternehmen, das der Stadt gehöre, seine politischen Aktivitäten nicht mit dem Verwaltungsrat abspreche.

«Ich erwarte, dass ein solches Unternehmen die politische Haltung der Stadt mitträgt», sagt Penher. Bernmobil selber verteidigt die Aktion. An der Veranstaltung auf dem Bundesplatz habe Bernmobil-Direktor René Schmied in erster Linie im Rahmen seines Mandats als Vorstandsmitglied bei Litra teilgenommen, sagt Sprecher Rolf Meyer. Das Mandat sei vom Verwaltungsrat gutgeheissen worden. Die Tätigkeit im Rahmen dieses Mandats müsse Schmied nicht weiter besprechen, heisst es bei Bernmobil.

Der Bund

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