Verdoppelung der Pilzvergiftungen in Bern

Ein gutes Pilzjahr und weniger Kontrollstellen haben zu einer Verdoppelung der Unfälle mit Knollenblätterpilzen geführt.

Achtung, dieser Pilz ist hochgiftig: Es ist ein Knollenblätterpilz.

Achtung, dieser Pilz ist hochgiftig: Es ist ein Knollenblätterpilz. Bild: Bruno Schlatter

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Schon sieben schwere Pilzvergiftungen hat das Notfallzentrum am Berner Inselspital in diesem Jahr behandelt, wie Chefarzt Aristomenis Exadaktylos auf Anfrage des «Bund» sagt. Das sei mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Normalerweise kämen etwa zwei bis drei Patienten mit einer Pilzvergiftung ins Spital. «Wir haben dabei eine Zunahme von Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen festgestellt», sagt Exadaktylos.

Gestorben sei zum Glück niemand. «Wir können heute das Schlimmste abwenden, wenn die Patienten rechtzeitig zu uns kommen.» Doch auch wenn die aufwendige Therapie auf der Intensivstation erfolgreich sei, könne es zu bleibenden Leberschäden kommen. Was ist los? Exadaktylos vermutet, dass ein Grund die allgemeine Abnahme der Erfahrung mit Pilzen sein könnte. Die Leute liessen ihre Pilze seltener durch Fachpersonen kontrollieren oder machten sich im Internet schlau. «Auf jeden Fall darf man die Gefahr nicht unterschätzen und soll bei Symptomen wie Erbrechen unbedingt einen Arzt aufsuchen», sagt er.

«Wir können heute das Schlimmste abwenden, wenn die Patienten rechtzeitig zu uns kommen.»Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt am Inselspital

Dass die gesammelten Pilze nicht mehr einem Experten gezeigt werden, dürfte auch daran liegen, dass es in der Stadt Bern nur noch eine Kontrollstelle gibt. Und zwar in Bümpliz. Sie ist an vier Tagen pro Woche abends während einer Stunde geöffnet. Letztes Jahr gab es eine zweite Kontrollstelle im Stadtzentrum.

Allerdings haben die Pilzvergiftungen in der ganzen Schweiz zugenommen. Dies zeigt die Statistik auf der Website von Tox Info Suisse. «Es ist ein gutes Pilzjahr», begründet die Ärztin Christine Rauber vom Institut. Wenn es viele Pilze gebe, gebe es viele Anfragen zu Pilzvergiftungen. Einen Zusammenhang zur Reduktion der Pilzkontrollstellen in der Stadt Bern kann sie aufgrund der Statistik nicht erkennen. Dafür seien die Vergleichszahlen zu tief. «Wir haben aber noch nie eine Vergiftung nach dem Verzehr von kontrollierten Pilzen festgestellt», sagt sie. Ob die Pilze einem Kontrolleur gezeigt worden seien, werde jeweils als Erstes gefragt, wenn jemand anrufe.

Die meisten Pilzvergiftungen endeten jedoch nicht so schlimm wie nach dem Verzehr eines Knollenblätterpilzes, sagt Rauber. Die Symptome reichten zwar von Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bis zu Halluzinationen. Doch tödlich seien die wenigsten Pilzgifte. Andererseits sei der Knollenblätterpilz nicht der einzige Pilz, der das tödliche Amatoxin enthalte. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2017, 19:03 Uhr

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