Verdichtung – und ein grünes Band

Regionales Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept vorgestellt. Die Bevölkerung wird wachsen, nicht so die Stadt.

Bis zu 60 Prozent mehr Verkehr erwartet die Regionalkonferenz bis 2030.

Bis zu 60 Prozent mehr Verkehr erwartet die Regionalkonferenz bis 2030.

(Bild: Manu Friederich)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Mehr Leute und noch viel mehr Verkehr – das ist es, worauf sich die Region Bern in den nächsten 20 Jahren einstellen muss. So zumindest sieht es die Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM). Die Zahlen sind beeindruckend: Bis 2030 wird die Bevölkerung in der Region Bern-Mittelland um 6 Prozent wachsen, die Zahl der Arbeitsplätze um 9 Prozent. Dies und weitere Faktoren führen dazu, dass der motorisierte Individualverkehr im gleichen Zeitraum um 25 Prozent zunehmen wird, der öffentliche Verkehr gar um 60 Prozent.

Wie sie die damit verbundenen Probleme lösen will, legt die RKBM im regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept dar, das gestern den Medien vorgestellt wurde. Einmal mehr heisst das Zauberwort: Verdichtung. So soll das weitere Bevölkerungswachstum primär im «inneren, gut erschlossenen» Teil der Region und in den Regionalzentren der Agglomeration und des ländlichen Raums stattfinden. Die Herausforderung hierbei: Zusätzlich zum bereits eingezonten Bauland (326 Hektaren) müssen mittelfristig weitere 315 Hektaren eingezont werden, um das prognostizierte Bevölkerungswachstum aufnehmen zu können.

Grünes Band um die Stadt

Die RKBM unterscheidet im Raum Bern zwischen Kern- und Agglomerationsgemeinden. Zum Kern gehören neben der Stadt Bern die Gemeinden Bremgarten, Zollikofen, Ittigen, Bolligen, Ostermundigen, Muri und der urbane Teil von Köniz. Darum herum soll als «Siedlungsrand und stadtnaher Freiraum» ein «grünes Band» erhalten bleiben. «Obwohl innerhalb des grünen Bandes kein generelles Bauverbot besteht, ist bei Planungsvorhaben der Gemeinden ein besonderes Augenmerk auf seinen Charakter und seine Funktion zu legen», schreiben die Verfasser des Konzepts.

In der öffentlichen Mitwirkung stiess das Konzept bei den Gemeinden grundsätzlich auf Zustimmung. Allerdings sank diese, je grösser die Entfernung zur Stadt Bern ist, weil viele ländliche Gemeinden befürchten, in ihrer Entwicklung eingeschränkt zu werden. Christian Zahler (SP), Präsident der Kommission Raumentwicklung und Gemeindepräsident von Ostermundigen, versuchte gestern, solche Ängste zu zerstreuen: «Die Entwicklungskontingente, wie sie im kantonalen Richtplan festgelegt sind, bleiben bestehen», sagte er.

Dennoch reagierte die RKBM mit einem Zugeständnis auf die negativen Mitwirkungseingaben: Neben den im kantonalen Richtplan festgelegten Zentren erster, zweiter und dritter Stufe hat sie nun auch Zentren vierter und fünfter Stufe festgelegt: sogenannte Regional- und Versorgungszentren des ländlichen Raums. Zur vierten zählen Orte wie Münchenbuchsee, Belp und Konolfingen, zur fünften Oberdiessbach, Riggisberg und Laupen/Bösingen – Das Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept will, dass die Entwicklung auf dem Land vornehmlich in diesen Regionalzentren stattfindet.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt