Velos für wenige statt für alle

Die Stadt schenkt ihren Mitarbeitenden ein Fünfjahresabo für das städtische Veloverleihsystem.

Mit einem Abo für die Leih-Velos sollen Stadtangestellte zu mehr Bewegung motiviert werden.

Mit einem Abo für die Leih-Velos sollen Stadtangestellte zu mehr Bewegung motiviert werden. Bild: Valérie Chételat

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Die Bürgerlichen in der Stadt Bern standen diese Woche kopf, weil der Gemeinderat die Verwaltung um 56 Stellen vergrössern will. Der SP hingegen machte eher die Lage der städtischen Angestellten Kummer, die «endlich» eine Reallohnerhöhung nötig hätten, wie es in einer Mitteilung heisst. Seit am Freitag kann die Partei nun aufatmen. Die Mitarbeitenden der Verwaltung erhalten zwar nicht mehr Lohn, aber einen Bonus in Form eines unentgeltlichen Fünfjahresabos für das städtische Veloverleihsystem, das ab Mai installiert wird.

An 200 Stationen stehen den Angestellten bald 2400 Velos zur freien Verfügung. Knapp 800'000 Franken erhält die Betreiberin Publibike aus der Stadtkasse für die «Nutzung des städtischen Veloverleihsystems durch die Angestellten der Stadt Bern 2018–2022», wie der Beschaffungsplattform Simap zu entnehmen ist. Das ist fast die Hälfte jener 1,88 Millionen, die der Stadtrat einst zur Einführung des Systems bewilligt hatte. Der Auftrag erfolgt freihändig an die Publike AG. Konkurrenz ausgeschlossen.

Fitness im Alltag ist wichtig. Daher ist der Velobonus den rund 3000 Mitarbeitenden der Verwaltung zu gönnen. Dem Verleihsystem kommt er zugute, weil er für eine Grundauslastung sorgt. Eine Win-win-Situation also, wenn sich da nicht der Gedanke an den Infrastrukturausbau aufdrängen würde, der angesichts des angepeilten Bevölkerungswachstums so dringend sei, wie Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) betonte. Müsste das Geld nicht in die Schaffung neuer Stellen gesteckt werden anstatt in die Gratisnutzung von Velos für Stadt-Angestellte? Und was hat es mit dem Slogan von Aebersolds Partei noch auf sich, wenn die Stadt die Gratis-Velos bloss für wenige statt für alle zur Verfügung stellt? Wem es mit der Gerechtigkeit ernst ist, der müsste sich für ein Gratis-Velo-Verleihsystem für alle einsetzen – und auf freihändige Vergaben verzichten. Diese sind ohnehin nicht ratsam, wenn es ums Velofahren geht. (Der Bund)

Erstellt: 24.03.2018, 09:08 Uhr

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