Unspektakulär, aber geerdet

Dass die Stadt mehr Geld für Kultur bereit stellt, ist erfreulich. Zwar fehlen die Schwerpunkte, das Vorgehen ist aber nachvollziehbar: Man setzt die Kulturstrategie um.

Auch das Strassenmusikfestival Buskers profitiert vom Geldsegen der Stadt. (Archiv)

Auch das Strassenmusikfestival Buskers profitiert vom Geldsegen der Stadt. (Archiv)

(Bild: Raphael Moser)

Regula Fuchs

Ein bisschen mehr für viele: So lässt sich die Kulturbotschaft der Stadt Bern für die Jahre 2020 bis 2023 zusammen­fassen. Anders als die 2016 verabschiedete städtische Kulturstrategie bewegt sich diese Vierjahres­planung nicht im Bereich des Beabsichtigten und Erwünschten, sondern regelt ganz konkret, wie das Kulturgeld künftig verteilt werden soll.

Erfreulich ist, dass mehr Geld für die städtische Kultur zur Verfügung steht. Diese Mittel fliessen nun aber nicht in nennenswerte neue Schwerpunkte, sondern werden an viele Akteure verteilt. Das klingt nach dem oft geschmähten Giesskannenprinzip; doch in diesem Fall ist es nachvollziehbar, sogar konsequent: Die Stadt setzt damit eine Forderung der Kulturstrategie um. In der kommenden Subventionsperiode geht es ihr erklärtermassen um Nachhaltigkeit.

Bewährtes und Professionelles

Das bedeutet etwa, dass mit Projektbeiträgen auch Proberäume finanziert sind. Oder dass Kulturschaffende so entlöhnt werden, dass sie in die freiwillige Altersvorsorge einzahlen können. Und es bedeutet, dass Bestehendes, das sich bewährt hat, gestärkt wird. Darunter sind etwa Institutionen wie das Theater an der Effingerstrasse oder das Buskers, bei denen in den nächsten Jahren eine Gründergeneration abtritt, die oft fast ehrenamtlich gearbeitet hat. Mehr Mittel für eine solche Professionalisierung sind gerechtfertigt. Gleich wie bei der Kinemathek Lichtspiel, die bewiesen hat, dass sie heute nicht mehr ein Liebhaberprojekt ist, sondern ein professionell geführtes Archiv.

Kommt dazu: In der letzten Vierjahresplanung von 2016 bis 2019 erwies sich der vermeintlich grösste Wurf als am Bürotisch ersonnener Papiertiger, der nach aufreibenden Verhandlungen wieder entsorgt werden musste – die Fusion von Schlachthaus-Theater und Dampfzentrale nämlich. In diesem Licht erscheint die aktuelle Kulturbotschaft als unspektakulär, aber in der kulturellen Realität geerdet. Eine entschlossenere Schwerpunktsetzung ist allenfalls in vier Jahren zu erwarten, wenn die designierte neue Chefin der Kulturabteilung ihre Ideen für die Kulturstadt Bern eingebracht hat.

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