Umstrittene Leichenschau zieht beim Berner Publikum

Trotz unseriöser Aufmachung scheint die «Bodies Exhibition» gut anzulaufen. Die Herkunft der Körperteile ist weiterhin ungeklärt.

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Vor dem alten Tramdepot beim Burgernziel stehen pünktlich um 11 mehrere kleine Gruppen von Leuten mit weissen Papieren in der Hand. Sie warten auf den Einlass in die «Bodies Exhibition». Drinnen sind die Aufbauarbeiten für die Körper-Ausstellung aber noch in vollem Gang. Metallstäbe fallen scheppernd zu Boden, schwarze Tücher werden ausgebreitet und die Leichenteile hastig darauf drapiert.

Die Stimmung ist hektisch, vor allem beim Organisator der Ausstellung, Jan van Bergen. Sie seien im Stau gestanden, sagt der stämmige Niederländer, deshalb die Verspätung. Gästen, die vor der Halle am Warten sind, verspricht er zunächst, sie bekämen ihr Geld zurück, andere verweist er auf das Kleingedruckte auf den Tickets: Keine Rückerstattung möglich.

Herkunft der Teile unklar

Die «Bodies Exhibition», welche echte menschliche Leichenteile ausstellt, hat schon im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Wie der «Bund» berichtete, ist die Herkunft der Leichen ungeklärt. In Sydney und Birmingham lösten Real-Bodies-Ausstellungen Protest aus. Wissenschaftler und Aktivisten warfen den dortigen Veranstaltern vor, die Leichenteile stammten von chinesischen Dissidenten und seien auf illegale Weise in die Hände der Aussteller gekommen.

Angesprochen auf die Herkunft der Exponate, sagt van Bergen, die Teile kämen von freiwilligen Spendern aus den USA. Die entsprechenden Dokumente will er aber nicht vorweisen, das ginge die Medien nichts an. Nach mehrmaligem Nachhaken redet sich van Bergen immer mehr in Rage und rechtfertigt sich mit einem Gerichtsurteil aus den Niederlanden, das die Legalität seiner Ausstellung im März diesen Jahres festgestellt haben soll. Die Echtheit des Urteils konnte nicht überprüft werden. In der Schweiz ist bisher nur klar, dass die Exponate nicht unter die Bestimmungen für den Import von Leichen fallen (siehe Kasten).

Alles nur Marketing?

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung vermochten die zweifelhaften Umstände der Ausstellung sowieso nicht abzuschrecken. Die Berichterstattung der letzten Tage im «Bund» und anderen Lokalmedien habe er gesehen, sagt ein junger Mann, der mit vier Freunden vor der Halle steht. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sich van Bergen über die «Gratis-Werbung», wie er sagt, freut. Der Ticket-Verkauf sei nach der Berichterstattung nochmals angestiegen, höhnte er.

Das bestätigt die Vermutung von Ute Winselmann Adatte. Die Künstlerin ist zuständig für die Zwischennutzung der Halle und hat den Vertrag für die Miete aufgesetzt. Hinter der Heimlichtuerei van Bergens vermutet sie eine clevere Marketing-Strategie, weil die lokalen Medien ausgiebig darüber berichten wollten.

Zu seinem Lebenslauf sagt van Bergen dem «Bund», er sei früher Gynäkologe gewesen, habe dann fünf Ingenieur-Diplome erworben und habe im Anschluss für die Schweizer Firma Landis und Gyr gearbeitet. Winselmann gegenüber sagte er, mit dem österreichischen Künstler André Heller auf Tournee gewesen zu sein.

Auf ein Selfie mit Präparaten

Ob Vertuschung oder Marketing: Die Ausstellung hinterlässt einen unseriösen Eindruck. Die Planung war kurzfristig – die Anfrage für die Halle traf gerade mal vor vier Wochen bei Winselmann ein –, der Aufbau hastig.

Entsprechend lieblos und wenig professionell sind die Objekte inszeniert. Die Glashalterungen, an denen etwa Nieren oder Geschlechtsteile be­festigt sind, sind fleckig und mit Fingerabdrücken übersät. Die schwarzen Tücher sind verknittert. Nicht wenige der Informationstafeln sind nur in Französisch oder Englisch beschriftet und auch visuell nicht sehr ansprechend gestaltet. Die Beschriftung neben einem gräulichen Organ ist verkehrt aufgestellt, und ein Skelett sitzt in Schieflage auf einem abgewetzten Holzhocker.

Auch fällt auf, dass keines der Exponate hinter Glasscheiben vor den Händen neugieriger Besuchern geschützt ist. Zusammen mit einem längs aufgeschnittenen Präparat eines männlichen Körpers bringt sich denn auch der erste Besucher für ein Selfie in Stellung. Den meisten Anwesenden gefällt die Ausstellung. Sie sei «faszinierend» und «spannend», findet ein junges Paar.

Laut der Website der Veranstalter findet die nächste Ausstellung im Palais de Beaulieu in Lausanne statt. Dies wollte van Bergen nicht bestätigen. Man sei erst in «Planung». Auf die entsprechende Facebook-Ankündigung haben jedoch schon über 8000 Leute ihr Interesse bekundet.

Der Bund

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