«Tankere»-Jugendliche enttäuscht über zahlreiche Einsprachen

Der Jugendclub Tankere in der Berner Altstadt droht durch 72 Einsprachen verzögert oder gar verhindert zu werden – die Initianten sind frustriert.

Oben Zweite von links: Nadia Hamouda mit den übrigen Mitgliedern des Tankere Teams.

Oben Zweite von links: Nadia Hamouda mit den übrigen Mitgliedern des Tankere Teams.

(Bild: Raphael Moser)

Carlo Senn@derbund

Der Verein Tankere möchte seit vier Jahren einen Club für Jugendliche im ehemaligen Sanitätsgebäude der Berner Sanitätspolizei einrichten. Das ist ganz im Sinne der Stadtbehörden. Im Nachtlebenskonzept ist festgehalten, dass es für Jugendliche ein zusätzliches Angebot in der Innenstadt braucht. Doch so einfach ist es nicht: Bei Ablauf der Einsprachefrist im März waren 72 Einsprachen eingegangen.

In einer Stellungnahme wendet sich der Verein Tankere nun an die Medien. «Wir haben 50 Vorstandssitzungen abgehalten und unzählige Stunden am Betriebskonzept gefeilt», sagt Nadia Hamouda, Co-Präsidentin vom Verein Tankere. Da man immer wieder das Gespräch mit den Anwohnern gesucht habe, erstaunten die vielen Gegner den Verein, sagt Hamouda. «Wir hatten viel Hilfe von der Stadt.» Nach all den Jahren frage sie sich aber, «welche Möglichkeiten motivierten jungen Menschen bleiben, wenn sie öffentliche Projekte umsetzen wollen». Nun wolle man eine Grundsatzdiskussion darüber starten, wo «die Jugendlichen erwünscht sind und wie sie sich einbringen dürfen», sagt Hamouda.

«Sie sehen nur die Partys»

In Bezug auf den Jugendclub sei der Verein Tankere nicht bereit, im Bauprojekt «noch mehr Kompromisse einzugehen», sagt Hamouda. Jetzt noch mehr Entgegenkommen würde bedeuten, die Besucher einzusperren und so zu stark einzuschränken. «Die Anwohner sehen nur die Partys», sagt Hamouda. Dass auch sonstige, nicht kommerzielle Veranstaltungen stattfinden werden, «nehmen die Leute kaum wahr». Schliesslich habe man es sich einfacher vorgestellt, einen Raum für Jugendliche zu finden.

Zu den Einsprechern gehört der Altenberg-Rabbental-Leist. Man habe «grundsätzlich nichts gegen das Projekt», sagt Leistpräsident Hans-Jürg Klopfstein. Man begrüsse es sogar: Wenn mehr Jugendliche den Club besuchen, werde der Vorplatz der Reitschule entlastet und damit ruhiger. «Der Leist ist jedoch gegen den Zugang an der Schüttestrasse.» Dieser geplante Aufenthaltsplatz dürfte auf der anderen Seite der Aare besonders nachts zu «grossen Lärmbelastungen führen», sagt Klopfstein. Man habe vorgeschlagen, den Zugang an der Nägeligasse einzurichten. Innerhalb des Leists sei der Entscheid umstritten gewesen: «Ich selbst habe mich gegen eine Einsprache ausgesprochen», sagt Klopfstein. Er müsse aber die Anliegen der Mitglieder ernst nehmen.

«Der Spielraum ist ausgeschöpft»

Auch die Mehrheit der restlichen Einsprachen beziehe sich auf Lärmbedenken der Anwohner, sagt Thomas Pfluger, Stadtbaumeister beim Hochbauamt. Das Hochbauamt hat zusammen mit dem Verein Tankere das Baukonzept ausgearbeitet, das nun auf Widerstand stösst. «Die zahlreichen Einsprachen überraschen mich aber nicht», sagt Pfluger. Dass diese eingereicht werden würden, habe sich bei den Gesprächen mit den Anwohnern schnell herauskristallisiert.

Wäre es nicht im Vorfeld zu verhindern gewesen, dass so viele Einsprachen eingehen? «Nein», sagt Pfluger, «baulich ist der Spielraum ausgeschöpft.» Den Zugang an der Nägeligasse einzurichten, sei keine Lösung. «Auch dort gibt es Anwohner, die Einsprache machen können.» Auch wenn er die Angst der Betroffenen verstehe, sei die künftige Situation an der Nägeligasse nicht mit derjenigen vor der Reitschule zu vergleichen. «Es soll kein Vorplatz wie auf der Schützenmatte entstehen», sondern lediglich ein Ort, wo die Jungen «frische Luft schnappen können», sagt Pfluger.

Pfluger ist aber zuversichtlich, dass der Regierungsstatthalter das Bauprojekt bewilligt. Trotzdem sind weitere Verzögerungen wahrscheinlich. «Wir rechnen damit, dass die Einsprachen an die nächste Instanz weitergezogen werden», sagt er.

Fehlt es in der Stadt Bern an Freiräumen für Jugendliche? Oder gibt es genügend Angebote? Wo sind diese zu finden? Und falls die Freiräume Ihrer Meinung nach fehlen: Wie könnten sie geschaffen werden? Wie können dabei Konflikte zwischen engagierten Jugendlichen und Anwohnern vermieden werden? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch».

Der Bund

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