TV-Kritik: SRF bi de Lüt in Bern

Das SRF war erneut in Bern auf Besuch. Anstatt auf eine grossen Showeinlage in der Rathausgasse, wurde dieses Mal auf kleine Portraits gesetzt.


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Auf ein Neues wagte sich das Schweizer Fernsehen am Freitag zu den Leuten in die Stadt Bern. Das letzte Mal, als «SRF bi de Lüt» zu Gast war, deklinierte ein nicht ganz bernfester Moderator Nik Hartmann die wichtigsten Klischees durch. Alle waren sie da: Die Beamten der Beamtenstadt, die Mundartocker der Mundartrockbands, und Alexander Tschäppät, der begeisterte Stadtpräsident.

Diesmal war die Affiche eine andere. Statt der grossen Live-Kiste aus der Rathausgasse gabs Portraits von Bundesstadt-Bewohnern, gemischt mit Impressionen von Stadt, Land und Fluss.

Da war Fabienne Peter, die mit Mann und Kind im Gäbelbach wohnt, im selben Block, in dem sie aufgewachsen ist und die «fast ihre ganze Familie» zur Nachbarschaft zählt. Vor der Kamera kocht sie und parliert mit ihrer Tochter, bis der Mann vom Bau nach Hause kommt.

Für Gesangsunterricht in die Matte

Da war Dieter Heugel, der die «Käshütte» in der Rathausgasse seit 44 Jahren und in der vierten Generation führt, in dessen Laden es genau so aussieht, wie vor langer Zeit schon und der «vertrauenserweckenden Personen» auch mal nach Ladenschluss noch etwas verkauft.

Da war auch der Coiffeur und Wartsaal-Macher Tobias Eggel, der sagt: «Die Lorraine hat mich gesucht». Hier ist er aufgewachsen, hier hat er seinen Coiffeursalon, hier betreibt er sein Café. Für den Gesangsunterricht verlässt er dann das «beliebte alternative Wohnquartier» doch noch und pedalt in die Matte.

Auch das bauliche Postkarten-Bern kam nicht zu kurz: Markus Marti demonstrierte, wie er Tag für Tag das Zytglogge-Uhrwerk am Laufen hält, währenddessen Eliane Crevoiser Besucher durchs Bundeshaus schleust und findet, auch Nationalräte seien eigentlich ganz normal. Mit der Taxi-Fahrerin Liliane Wymann kurven wir durchs nächtliche Bern, ansonsten dominieren vor allem Luftaufnahmen der sonnenbeschienenen oder verschneiten Dächer der Altstadt und das glitzernde Grün der Aare.

Eher ländlich

All diese Protagonisten sind sympathisch, mögen das Leben in ihrer Stadt, erzählen auch von den schwierigen Seiten. Doch halten die knapp 45 Minuten aus Bern kaum, was die Sendung verspricht: Die Stadt als «Schmelztiegel für Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensstilen, Weltanschauungen und Wünschen» zu zeigen.

Heimatverbundenheit, Traditions- und Familienbewusstsein - «Unsere Stadt» wirkte eher wie ein Beitrag an die Schmälerung des Stadt-Land-Grabens als das Portrait der «pulsierenden Bundesstadt Bern». Diesen Eindruck vermochte auch die Geschichte des Berufsfeuerwehrmannes Sven Thierstein nicht zu korrigieren. Der Einsatz der Feuerwehr führt bezeichnenderweise ins Emmental – zur Rettung eines Kalbes aus der Jauchegrube. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.03.2013, 09:37 Uhr

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