«Strikt nichts» – und dabei bleibt es

Nach der Absetzung der Schauspielchefin fordert ein Berufs­verband Klarheit über die Gründe. Die verweigert das Stadttheater nun endgültig.

«Es gibt gar kein Anrecht auf Transparenz»: Benedikt Weibel. (Archiv)

«Es gibt gar kein Anrecht auf Transparenz»: Benedikt Weibel. (Archiv) Bild: Valérie Chételat

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ACT ist der Berufsverband der freien Theaterschaffenden. Und nicht der fest angestellten. Trotzdem liess sich die Berner Regionalgruppe von ACT am Freitag verlauten: Sie verlangt von Konzert Theater Bern eine «transparente Darstellung der Beweggründe, die zu dieser drastischen Massnahme geführt haben». Gemeint ist die sofortige Freistellung Stephanie Gräves, der Leiterin der Schauspielsparte. «Wer so einen Entscheid fällt, muss dafür einstehen können», erklärt Sibylle Heiniger, Sektionspräsidentin und Regisseurin. Und wer öffentliche Gelder empfange, sei der Öffentlichkeit zur Rechenschaft verpflichtet – zumal bei derartigem «personellem Verschleiss».

Das sieht man beim Stadttheater anders. Und zwar mehr denn je. «Es gibt gar kein Anrecht auf Transparenz», sagt Benedikt Weibel, Präsident des Stiftungsrats, der Gräve vor einer Woche vor die Tür ­gestellt hat. Er habe auch beschlossen, «strikt nichts» zu sagen über die «strategischen und inhaltlichen Differenzen», mit denen er die Freistellung offi­ziell begründet hat. Damit wischt Weibel auch die Möglichkeit vom Tisch, der Stiftungsrat würde sich erklären, wenn er sich mit Gräve über die Auflösung ihres Vertrags geeinigt haben wird. «Bewusste Nichtkommunikation», so nennt es Weibel, sei «bei Personalentscheiden immer das Richtige» – auch in öffentlichen Institutionen.

Und der Schweizerische Bühnenkünstlerverband, der die Angestellten des Theaters vertritt? «Wir würden uns einschalten», sagt Salva Leutenegger, Geschäftsführerin, «wenn der Abgang Gräves die weitere Arbeit der Schauspieler gefährden würde» – etwa durch die Absage von Produktionen oder die Kündigung von Engagements. «Aber davon ­haben wir bisher nichts gehört.» (Der Bund)

Erstellt: 31.01.2016, 10:47 Uhr

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