Stadtrat will Marktpreise für «Baumzimmer»-Mieten

Es gehe nicht an, das die Stadt am Centralweg «Luxuswohnungen» subventioniere, befand der Stadtrat am Donnerstag. Die Wohnungen sollen zu Marktpreisen vermietet werden.

Visualisierung des Projektes «Baumzimmer» am Centralweg.

Visualisierung des Projektes «Baumzimmer» am Centralweg. Bild: zvg

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Zufrieden war am Ende niemand. Die Fraktionssprecher von links bis rechts zerpflückten an der gestrigen Stadtratsdebatte zur geplanten Überbauung am Centralweg die Vorlage des Gemeinderats. «Die Ansprüche, die wir an das Projekt hatten, konnten nicht erfüllt werden», sagte Daniel Klauser (GFL) und sprach damit für die grosse Mehrheit des Parlaments.

Der Gemeinderat will auf dem derzeit brachliegenden Grundstück eine Überbauung mit runden Balkonen, sogenannten Baumzimmern, 13 Wohnungen und einem Atelier erstellen.

Er beantragte dem Parlament dafür einen Kredit von 8,8 Millionen Franken. Ursprünglich hatte der Gemeinderat angekündigt, Wohnungen im Preissegment «günstiger Wohnraum» bauen zu wollen. Die Preise für die Wohnungen des nun geplanten Projekts liegen aber deutlich höher (zum Beispiel 1200 statt 800 Franken für eine 2,5-Zimmer-Wohnung). Der Gemeinderat spricht nun von «bezahlbarem Wohnraum». Er wollte, um solchen anbieten zu können, den Bau mit 2,65 Millionen Franken subventionieren.

Damit war das Parlament nicht einverstanden. «Das sind Subventionen für den Mittelstand», sagte Stéphanie Penher (GB). Und Philipp Kohli (BDP) fragte: «Wie verträgt sich ein solches Prestigeprojekt mit dem Vorhaben, preisgünstige Wohnungen zu bauen?» Es gehe nicht an, dass die Stadt den Bau von Luxuswohnungen subventioniere.

Nicht zurück auf Feld eins

Luzius Theiler (GPB) beantragte, das Geschäft zurückzuweisen, mit dem Auftrag, ein «wesentlich kostengünstigeres Bauprojekt» auszuarbeiten. Dies lehnte das Parlament mit 35 zu 27 Stimmen ab. Dafür, den Gemeinderat «zurück auf Feld eins» zu schicken, sei es zu spät, befanden mehrere Redner. Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) bekräftigte dies, indem er vorrechnete, dass in diesem Fall für die schon geleistete Arbeit rund 900'000 Franken abgeschrieben werden müssten.

Stattdessen gab der Rat einem Antrag der GLP-Fraktion statt, der verlangt, dass die Wohnungen zu Marktpreisen vermietet werden und der Bau nicht subventioniert wird. Damit ist vom ursprünglichen Vorhaben, «günstigen Wohnraum» zu schaffen, zwar nichts mehr übrig, aber der Weg zur Umsetzung des Projekts ist frei – wenigstens aus Sicht des Parlaments.

Ein anderes Problem nämlich ist noch nicht gelöst: Will die Stadt die Überbauung wie geplant realisieren, müssen ihr die Besitzer der benachbarten Liegenschaft am Lagerweg 12, die bis vor kurzem ein Bordell war, ein sogenanntes Näherbaurecht einräumen.

Dazu sind diese aber nicht bereit, solange sie von der Stadt die Bewilligung für ihr eigenes Projekt nicht erhalten: Sie wollen das Haus am Lagerweg verbreitern und um einen Stock erhöhen. Die beiden Parteien seien aufeinander angewiesen, sagte Gemeinderat Schmidt dazu und zeigte sich zuversichtlich, dass man sich werde einigen können. (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2013, 07:12 Uhr

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