Stadtberner SP in der Bündnisfalle

Nach den Bürgerlichen könnte nun auch die SP Opfer des Stadtberner Wahlsystems werden.

SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler will an der Bündnistreue festhalten.

SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler will an der Bündnistreue festhalten. Bild: Keystone (Archiv)

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Ist die stärkste Partei in der Stadt Bern bereit, ihren zweiten Sitz im Gemeinderat für den Erhalt von Rot-Grün-Mitte zu opfern? So lässt sich das Dilemma der SP zusammenfassen, in das Ursula Wyss ihre Partei mit dem Verzicht auf eine erneute Kandidatur gestürzt hat. Nimmt man die Aussagen von SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler zum Massstab, geht die Bündnistreue vor. Die stolze linke Grosspartei würde so zum zweiten Mal in die Bündnisfalle tappen.

Beim ersten Mal hat die SP das Stadtpräsidium geopfert. Sie stimmte bei den letzten Wahlen mehreren grünen Stadtpräsidiumskandidaturen zu, um das Bündnis zu retten. Damit trug sie selber dazu bei, dass die zunächst als sicher geltende Wahl ihrer eigenen Kandidatin am Schluss doch nicht gelang. Das RGM-Bündnis konnte zwar seine Sitzzahl erhöhen und besetzt heute gar vier von fünf Sitzen im Gemeinderat. In den Stadtpräsidiumswahlen unterlag Ursula Wyss aber dem listeninternen Konkurrenten Alec von Graffenried.

Heute nun riskiert die Partei einen Gemeinderatssitz, indem sie einen Ausstieg aus RGM zugunsten einer Liste nur mit dem Grünen Bündnis von Anfang an ausschliesst. Denn RGM wird den vierten Sitz im Gemeinderat wieder verlieren, wenn die Mitte-rechts-Parteien auf einer gemeinsamen Liste antreten. Letzteres scheint wahrscheinlich, denn die Bürgerlichen haben begriffen, dass das Stadtberner Wahlsystem grosse Listen bevorzugt. Die Wählerinnen und Wähler wiederum bevorzugen in der Regel Bisherige, sodass der RGM-Sitzverlust zulasten einer neuen SP-Kandidatin gehen könnte.

Nach den Bürgerlichen wäre damit die SP das nächste Opfer des Stadtberner Wahlsystems, das nur gemeinsame Listen, aber nicht Listenverbindungen erlaubt. Mit bloss einem Gemeinderatssitz wäre die SP gemessen an ihrem Wähleranteil ebenso untervertreten, wie es heute die Bürgerlichen sind. Wer weiss: Wenn es diesmal die SP trifft, kommt dereinst vielleicht doch noch eine Reformdiskussion in Gang.

Erstellt: 05.11.2018, 06:28 Uhr

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