Stadt will nun doch selber bauen

Die Stadt Bern will auf dem Viererfeld als Bauherrin auftreten, obwohl sie dies in der Abstimmungsbotschaft ausgeschlossen hatte.

Wo die Stadt auf dem Viererfeld selber bauen will, ist noch unklar.

Wo die Stadt auf dem Viererfeld selber bauen will, ist noch unklar. Bild: Adrian Moser

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Eigentlich war der Fall auf dem Viererfeld klar: «Die Stadt plant, die Baufelder nicht selber zu bebauen, sondern im Baurecht an Investoren abzugeben», steht in der Abstimmungsbotschaft zur Zonenplanänderung Viererfeld. Vor zwei Jahren hat das Volk die Vorlage mit dieser Vorgabe angenommen. Aber der Gemeinderat hat seine Meinung inzwischen geändert. «Die Stadt plant auf dem Viererfeld selber oder mittels Beteilung einen Anteil zu bauen», steht in der jüngst publizierten Antwort auf einen Vorstoss von SP und Grünem Bündnis. Gemeinderat Michael Aebersold (SP) stellt den Kurswechsel gar nicht erst in Abrede. Die Rahmenbedingungen hätten sich seither geändert. Ein Schwerpunkt der nun laufenden Legislatur sei die Wohnbaupolitik, sagt Aebersold.

Hin und Her bei der Stadt

Die Abstimmungsbotschaft hatte allerdings nicht einmal die Halbwertszeit von einem Jahr. Denn bereits im April letzten Jahres gab Aebersold dem «Bund» zu Protokoll, dass die Stadt 25 Prozent des Areals selber überbauen wolle. Der städtische Anteil sollte damals noch ganz auf Kosten des Anteils der privaten Wohnbauträger gehen. Der Unmut auf bürgerlicher Seite war entsprechend gross. Mittlerweile hat sich aber auch dies wieder geändert: Die Stadt lässt es im Wettbewerbsprogramm explizit offen, «ob städtische Bauprojekte als gemeinnütziger Wohnungsbau und/oder als Wohnungsbau mit Marktmiete realisiert werden». Aebersold betont allerdings, dass heute noch keine Baufelder verteilt werden und dass es zunächst gelte, das Wettbewerbsergebnis abzuwarten. «Welche, wie, wo und wie viele Wohnungen die Stadt selber realisieren wird, hängt vom Wettbewerbsergebnis ab.»

Trotz dieser Worte sind die Stadt und die gemeinnützigen Wohnbauträger aber seit einiger Zeit auf Tuchfühlung miteinander. «Ich sehe keine Konkurrenz durch die Stadt, sondern eine Ergänzung», sagt Jürg Sollberger, Präsident des Regionalverbandes Bern-Solothurn von Wohnbaugenossenschaften Schweiz. Falls die Stadt selber Wohnungen baue, gehe er davon aus, dass sie dies auf dem Anteil für private Investoren tun werde.

«Beitrag an die Gesellschaft»

Die gemeinnützigen Wohnbauträger seien aber offen, die Stadt als Mitglied in der zu gründenden «Genossenschaft der Genossenschaften» aufzunehmen oder die Stadt als Mieterin zu begrüssen – selbst wenn es dabei um die Schaffung subventionierter Wohnungen gehen sollte. Gemeinnützige Wohnbauträger könnten aber nicht selber Wohnungen mit subventionierten Mietzinsen anbieten. «Wir geben die Wohnungen zur Kostenmiete ab.» Die Stadt als Mieterin könne aber die Kostenmieten «heruntersubventionieren», um die Wohnungen in Untermiete weiterzugeben.

Für Sollberger wären solche Modelle der Kooperation ein «zusätzlicher Beitrag der Wohnbaugenossenschaften an die Gesellschaft». Sie würden nicht «nur» kostendämpfend auf dem Wohnungsmarkt wirken, sondern trügen auch zu einer grösseren Durchmischung der Mieterschaft auf dem Viererfeld bei. «Neubauten von Wohnbaugenossenschaften kosten so viel, dass in der Regel der Mittelstand angesprochen wird», sagt Sollberger.

Direktvergabe der ersten Etappe?

Als Ansprechpartner der Stadt bei solchen Kooperationen könnte die erwähnte Genossenschaft der Genossenschaften fungieren. Sie soll nach den Sommerferien als Hauptstadtgenossenschaft gegründet werden und will sich für die erste Bauetappe bewerben. Diese Etappe umfasst 300 Wohnungen und soll ab 2020 realisiert werden. Sollberger hofft, dass die gemeinnützige Hälfte des Auftrags direkt an die Hauptstadtgenossenschaft vergeben wird, zumal diese einen grossen Teil der Berner Genossenschaften auf sich vereinigen möchte. Teil einer entsprechenden Vereinbarung könnte die Kooperation der Wohnbaugenossenschaften mit der Stadt sein. «Wir sind für solche Diskussionen offen», sagt Sollberger.

Fürs Erste gelte es nun aber, das Konzept und die Finanzierung der ersten Bauetappe sicherzustellen. «Wir wollen glaubwürdig gegenüber der Öffentlichkeit auftreten.» Sollberger denkt dabei wohl auch an die nächste Volksabstimmung zum Viererfeld über die Abgabe der Baufelder im Baurecht. (Der Bund)

Erstellt: 18.06.2018, 06:35 Uhr

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