Stadt Bern sorgt bei Pilzsammlern für Ärger

In der Stadt Bern gibt es keine zentrumsnahe Pilzkontrollstelle mehr. «Ein Armutszeugnis», sagen Pilzsammler.

Nun werden nur noch in Bümpliz Pilze kontrolliert (Symbolbild).

Nun werden nur noch in Bümpliz Pilze kontrolliert (Symbolbild). Bild: Nicola Pitaro

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Eigentlich ist Alexander Weder in seiner Freizeit auf der Suche nach Pilzen. Nun sucht der Präsident des Vereins für Pilzkunde Bümpliz aber Antworten. Diese hofft er vom Berner Gemeinderat zu bekommen. Per Brief hat er diesen kontaktiert und wollte darin wissen, wie der Gemeinderat in Zukunft gedenke, seine Verantwortung gegenüber Berns Pilzsammlern wahrzunehmen. Was Weder zu dieser Frage veranlasst, ist mit dem Abbau von Pilzkontrollstellen der Stadt Bern zu begründen.

Noch letzte Pilzsaison konnten Sammler ihre Funde an zwei Stellen auf ihre Giftigkeit untersuchen lassen. Doch nun ist die zentrumsnahe Stelle an der Predigergasse 5 weggefallen. Wer sich über die Geniessbarkeit seiner Pilze nicht sicher ist, sieht sich nun gezwungen, den Weg nach Bümpliz auf sich zu nehmen. Die dortige Kontrollstelle ist an vier Tagen pro Woche für je eine Stunde geöffnet. «Ein Armutszeugnis», urteilt Weder. «Es kann doch nicht sein, dass eine Stadt von der Grösse wie Bern bloss eine Kontrollstelle hat.» Zum Vergleich: Damit ist das Angebot in der Stadt Bern gleich gross wie in deutlich einwohnerschwächeren Städten wie Thun oder Biel.

Stadt schweigt vorerst

Genügt eine städtische Kontrollstelle denn nicht? Weder antwortet mit einem entschiedenen Nein. Dabei spiele die Tatsache, dass während einer Stunde pro Tag längst nicht alle Pilze untersucht werden können, nicht einmal die grösste Rolle. «Es ist auch eine Frage der Sicherheit», sagt Weder. Nur durch genügend Kontrollstellen können Vergiftungen verhindert werden. «Die Chancen, dass sich ein unerfahrener Sammler einen Giftpilz in den Korb legt, stehen bei 50 Prozent.» Giftpilze können im schlimmsten Fall mit dem Tod enden (siehe Box). Falls das in Bern passieren würde, würde das ein schlechtes Bild auf die Bundesstadt werfen, ist Weder überzeugt. «Bis über die Landesgrenzen hinaus wird man sich fragen, wieso wir es hier nicht schaffen, solche Fälle durch ausreichende Kontrolle zu verhindern.»

Die Stadt Bern gibt sich zu diesen Vorwürfen vorerst bedeckt. Die Orts- und Gewerbepolizei, der die Pilzkontrolle untersteht, bestätigt lediglich den Eingang von Weders Brief. Stellung dazu könne man aber erst nehmen, wenn der Gemeinderat darauf geantwortet habe, was mehrere Wochen dauern könne.

Heimliche Abschaffung

Die Pilzkontrollstelle ist in der Stadt Bern schon seit Jahrzehnten ein Zankapfel. Eine Hauptrolle darin spielte der ehemalige SP-Stadtrat Beat Zobrist. 2007 wurde die städtische Lebensmittelkontrolle kantonalisiert. Nur auf Zobrists Initiative hin wurde die Pilzkontrolle nicht abgeschafft. 2010 wurde neben der Kontrollstelle in Bümpliz jene in der Altstadt geschaffen. Deren jetzige Abschaffung wurde nicht öffentlich kommuniziert. Weder: «Man wollte wohl einfach versuchen, die Sache versanden zu lassen, um ein paar Tausend Franken einzusparen.»

Auch jetzt hofft Weder wieder darauf, dass die Politik aktiv wird. Nur dadurch könne bewirkt werden, dass die Pilzsammler in der nächsten Saison wieder auf mehrere Kontrollstellen ausweichen können. (Der Bund)

Erstellt: 14.09.2017, 06:43 Uhr

Die Gefahren beim Pilzesammeln

Geht es um Pilze, kann aus einem harmlosen Hobby schnell tödlicher Ernst werden. Denn gewisse Pilze haben auf den Menschen bei Verzehr tödliche Wirkung. So zum Beispiel der Knollenblätterpilz. Laut der Informationsstelle Tox Info Suisse finden Pilzkontrollstellen jedes Jahr mehrere Kilogramm Knollenblätterpilze im Sammelgut.

Gerade in der Pilzsaison, also im September und Oktober, treten Vergiftungen durch Pilze vermehrt auf. Vergiftungen mit halluzinogenen Pilzen und Symptome nach Konsum von gekauften Speisepilzen kommen dagegen während des ganzen Jahres vor. Im Vergleich sind Pilzvergiftungen aber eher selten. Bei Tox Info Suisse werden lediglich zwei Prozent der eingegangenen Fälle mit Pilzen in Verbindung gebracht. (mer)

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