«Solange die Stadt kulant ist, läuft das Hochfeld weiter»

Die Leiterin des Migrationsdienstes, Iris Rivas, verteidigt die Notunterkünfte. Vorläufig soll alles beim Alten bleiben.

Iris Rivas, Leiterin des Migrationsdienstes, will an den Notunterkünften festhalten. Bild: Franziska Scheidegger

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Frau Rivas, der Kanton eröffnet eine neue Notunterkunft für Asylbewerber in Steffisburg. Ist die Not gross?
Ja, die Schweiz ist Schengenmitglied und ein attraktives Land. Viele versuchen im europäischen Raum ihr Glück oder versuchen ihre Lebensvorstellung zu verwirklichen, deshalb haben wir auch so viele Leute, die zu uns kommen. Pro Woche klopfen ungefähr 100 Leute beim Kanton Bern an, und wir müssen sie unterbringen.

Das heisst, Sie führen auch alle anderen Notunterkünfte weiter?
Im Moment müssen wir alle weiterführen. Im Zusammenhang mit dem arabischen Frühling glaubten wir, es sei ein vorübergehendes Phänomen. Aber der Strom Richtung Europa wird immer grösser. Das Bundesamt für Migration rechnet heuer erstmals wieder mit über 30'000 Gesuchen. Ich gehe auch für nächstes Jahr von so hohen Zahlen aus.

Dann wird auch die Notunterkunft Hochfeld in Bern weiterbetrieben?
Ja, solange wir keine oberirdischen Anlagen finden oder von Gemeinden zur Verfügung gestellt bekommen. Wir sind im Begriff, ein Inventar zu erstellen mit kantonseigenen Gebäuden. Aber nicht jedes Gebäude ist geeignet. Es ist eine Frage der Bausubstanz, und es braucht genügend Nasszellen, Küchenbereich, abgetrennte Schlafräume, um zum Beispiel Männer und Frauen getrennt oder Familien unterzubringen. Ganz eine wichtige Frage ist auch, wie sich die Gemeindebehörde dazustellt.

Das Hochfeld bleibt also unbefristet in Betrieb?
Solange die Stadt Bern so kulant und so lösungsorientiert ist, läuft es weiter. Aber wir sind daran interessiert, das zu ändern. Die Stadt Bern kennt unseren Wunsch, dass wir gerne etwas Oberirdisches hätten, aber auch in der Stadt Bern und in der Agglomeration haben wir noch nichts gefunden.

Welche Notunterkünfte laufen sonst schon über die Frist von sechs Monaten hinaus?
Die meisten laufen noch regulär. Die Kulanz der Gemeinden ist aber gross. Das heisst, wir können etwa die beiden Anlagen in Biel weiterlaufen lassen, wovon eine bereits über die befristete Zeit in Betrieb ist. Die Gemeindebehörden sehen die Problematik, dass die Leute sonst auf die Strasse gestellt würden.

Um eine Notunterkunft zu schliessen, braucht es ein Durchgangszentrum, das längerfristig betrieben werden kann. Wie weit entfernt ist man von einem neuen Durchgangszentrum?
Es laufen Gespräche, aber es ist überhaupt nichts spruchreif. Es müssen alle Betroffenen abgeholt werden, damit es eine solide Lösung gibt. Für ein Durchgangszentrum ist das noch anspruchsvoller, weil wir ein Gebäude nutzen wollen, solange wie nötig. Ein Faktor ist aber auch die Verfahrenslänge. Wenn der Bund die Verfahren in sechs, sieben Wochen durchbringen könnte, hätten wir in den ordentlichen Strukturen genug Platz. Dann müssten die Leute nicht verzweifeln, wenn sie in einer unterirdischen Unterkunft so lange ausharren müssen. (Der Bund)

Erstellt: 21.11.2012, 10:06 Uhr

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