So wird Debatte um Wohnraum absurd

Angesichts des Nachholbedarfs an Sozialwohnungen sind die Pläne des Berner Gemeinderats zu befürworten, findet «Bund»-Redaktor Fabian Christl.

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1000 vergünstigte Wohnungen soll es in der Stadt Bern geben. 1000 Wohnungen also, die Stadtbernern vorbehalten sind, welche nachweislich wenig verdienen und kaum über Vermögen verfügen. So hat es der Stadtrat schon vor Jahren entschieden. Doch passiert ist kaum etwas.

Seit 2014 sank die Anzahl der Sozialwohnungen sogar von 482 auf aktuell 465. Parallel dazu stiegen die Mieten weiter. Nicht wenige Migrantenfamilien und Alleinerziehende wohnen heute in Ostermundigen, weil sie in der Stadt Bern kein bezahlbares Zuhause mehr finden.

Es ist deshalb zu begrüssen, dass der Gemeinderat die Sache nun vorantreibt. Die Altbauwohnungen an der Attinghausenstrasse im Breitenrainquartier eignen sich zudem gut, um als Sozialwohnungen genutzt zu werden. Vergünstigte Wohnungen in Neubauten – wie sie auch geplant sind – kommen die Stadt um einiges teurer zu stehen. Und da eine Totalsanierung ansteht, müssten die Bewohner ohnehin für zehn Monate ausziehen. Ob tatsächlich ein Grossteil der Bewohner nach der Sanierung zurückkehren würde, ist mehr als fraglich.

Für die Bewohner ist ein unfreiwilliger Umzug natürlich unangenehm – ihr Protest deshalb legitim. Dass Bewohner, Sympathisanten und empörte Politiker nun aber mit «sozialer Durchmischung», «Monokultur» oder «Ghettoisierung» argumentieren, ist absurd. Wenn überhaupt, droht das Breitenrainquartier zu einem Ghetto für gut situierte SP-Wähler zu verkommen.

Natürlich könnte man auf den grossen Wurf verzichten und frei werdende Wohnungen schrittweise in Sozialwohnungen umfunktionieren. Angesichts des immensen Nachholbedarfs fehlt dafür aber schlicht die Zeit. Das Problem kann man nicht dem jetzigen Gemeinderat anlasten. Sehr wohl aber früheren Stadtregierungen, die zu lange zu wenig unternommen haben.

Das Beispiel Attinghausenstrasse zeigt aber auch: Sozialwohnungen zu schaffen, ist ein harziges Unterfangen. Sogar erklärte Befürworter ändern schnell ihre Meinung, wenn sie selber tangiert sind. (Der Bund)

Erstellt: 23.08.2017, 06:35 Uhr

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