So rasch hatte das Skywork-Ende niemand erwartet

Managementfehler erklären das Aus für Skywork nur zum Teil - wegen der geringen Grösse des Flughafens Bern erwachsen den Fluggesellschaften auch höhere Kosten.

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Das Ende der Fluggesellschaft Skywork hat in Bern wie ein Blitz eingeschlagen. Dass die Airline aber noch vor den Herbstferien ihren Betrieb einstellt, hatte so niemand erwartet. Beat Iseli, Gründer von Belpmoos-Reisen, wusste schon am Mittwochabend, was auf ihn zukommt. «Ich habe kein Auge zugemacht», sagt er auf Anfrage. «Das ist eine Riesensauerei», echauffiert sich Iseli, der einst die Aaretal- Reisen aufgebaut hatte, welche dann von Skywork übernommen wurde. «Mich macht es hässig, wie Skywork geführt wurde.»

Noch bis zuletzt habe die Firma von neuen Maschinen und Destinationen gesprochen, «dabei wussten sie doch, dass kein Geld mehr da ist.» Er müsse gleich wieder ins Büro, um sich um die Kundschaft zu kümmern, die jetzt irgendwo festsitze. Die Feriengäste seien auf verschiedene Destinationen verstreut, was die Organisation ihrer Heimreise erschwere. «Ich kann nicht einfach ein grosses Flugzeug chartern und alle zusammen abholen.»

«Nachricht hat mich aus den Socken gehauen»

Einigen kann die Konkurrentin Helvetic helfen, die auch ab Bern fliegt. CEO Tobias Pogorevc sagte am Mittag auf Anfrage, die in Bern stationierte Fokker von Helvetic habe noch Kapazitäten. Skywork-Fluggäste aus Olbia oder Mallorca werde man nach Möglichkeit mitnehmen, da auch Helvetic diese Destinationen bediene. Bei anderen Reiseziele müsse dies im Einzelfall organisiert werden. Pogorevc sagt, er habe es schon als schlechtes Zeichen aufgefasst, als er kürzlich von Bilanzsanierung und Kapitalumschichtung bei Skywork gelesen habe. Dass es aber so schnell gehen würde, habe ihn überrascht: «Mich hat die Nachricht vom Ende aus den Socken gehauen.»

Helvetic gilt als Fluggesellschaft, die neue Destinationen sorgfältig auswählt und genaue Businesspläne erstellt, bevor sie ins Netz aufgenommen werden. Skywork hatte früher eher den Ruf, spontan neue Ziele ins Angebot zu integrieren. Pogorevc möchte sich dazu nicht äussern und sagt bloss, Skywork habe als «sehr experimentierfreudig» gegolten und sich «vielleicht etwas verzettelt». Sicher werde Helvetic keine hektischen Übernahmen von Flugstrecken ins Auge fassen, sondern solche sehr sorgfältig evaluieren.

Zu wenig Passagiere?

Ist in Bern mit der Linienfliegerei überhaupt ein Blumentopf zu gewinnen? Ein Kenner des Flughafens Bern, der nicht namentlich genannt sein will, sieht die Linienfliegerei «ernsthaft in Frage gestellt». Bern habe immer viel Zweckoptimismus verströmt, habe aber ein viel zu kleines Passagieraufkommen, als dass dies jemals rentabel sein könnte. So würde er das nicht unterschreiben, sagt Pogorevc. Allerdings sei Bern «tatsächlich ein hartes Pflaster». Die Kosten, etwa für Treibstoff, seien markant höher als in grossen Flughäfen, zudem liessen sie sich nur auf wenige Passagiere überwälzen. Dafür brilliere das Belpmoos mit kurzen Check-in- zeiten.

Als Skywork im Spätherbst 2017 kurzfristig gegroundet werden musste, meldete sich sofort die slowenische Fluggesellschaft Adria mit der Ankündigung, sie übernehme den Betrieb. Da Skywork neues Kapital fand, musste Adria dem Angebot keine Taten folgen lassen. Inzwischen ist die Firma Adria Switzerland selbst gegroundet. Branchenkenner erachten es als schwierig, dass das Mutterhaus in Ljubljana kurzfristig in Bern Fuss fassen könnte. Allerdings könnte ein Anbieter aus einem Tieflohnland günstiger produzieren als eine Berner Firma. Eine Anfrage bei Adria in Slowenien blieb bis zum Mittag unbeantwortet.

Wasserfallen: «Vieles richtig gemacht»

Belpmoos-Gründer Iseli wundert sich, dass das Flugaufsichtsamt Bazl nicht schon früher eingeschritten ist. Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagt, normalerweise lege eine Fluggesellschaft ihre Zahlen einmal jährlich offen. Für Skywork habe nach dem Grounding von 2017 ein strengeres Regime gegolten, sie habe Passagierzahlen und Finanzdaten monatlich vorlegen müssen. Gemäss Holderegger hatte Skywork einen Investor gefunden, der jedoch kürzlich absprang. «Das Management beschloss danach von sich aus, den Betrieb nicht mehr weiterzuführen.» Die Meldung von der Kapitalumschichtung, die kürzlich in den Medien zu lesen war, betreffe einen anderen Vorgang, der sich bereits im Mai abgespielt habe, erklärt Holderegger. Im Bazl sitzt derzeit laut dem Sprecher ein Dutzend Leute am Telefon, um für gestrandete Kunden eine Alternative zu suchen. Das sei zwar kein gesetzlicher Auftrag, schränkt Holderegger ein, doch übernehme das Bazl hier eine Koordinationsfunktion.

Konsterniert über das Ende von Skywork ist Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat und Präsident der Interessengemeinschaft Berner Luftverkehr (IGBL). Er ist auch überrascht, denn bei Sitzungen kürzlich sei von einem Grounding nicht die Rede gewesen. Man habe schon gewusst, dass jedes Jahr Millionen fehlten, «und nun wurde es offenbar zu viel.» Skywork habe «vieles richtig gemacht», findet Wasserfallen, aber die geringe Grösse des Flughafens Bern sei ein Problem, besonders auch wegen der höheren Kosten. «Das Ende von Skywork ist sehr schade, es ist für die Hauptstadtregion ein herber Schlag.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2018, 14:47 Uhr

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