Sitzbänke ersetzen Parkplätze

Seit Donnerstag schmücken Holzbänke und Topfpflanzen Berns Zeughausgasse. Dafür mussten sieben Parkplätze weichen.

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Wo sonst Autos und Velos die Zeughausgasse in Bern säumen, schaffen seit Donnerstag helle, hölzerne und von grünen Topfpflanzen umgebene Sitzgelegenheiten ein gemütliches Ambiente. Sie stechen direkt ins Auge, die neuen sogenannten Parklets. «Ein für eine begrenzte Zeit zur Sitzgelegenheit umgenutzter Parkplatz, das ist ein Parklet», erklärt die Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün Ursula Wyss (SP). Anlass dafür habe die Tatsache gegeben, dass die Stadt Bern zu wenig Sitzgelegenheiten biete. Der Direktor der Gewerbevereinigung Berncity, Sven Gubler, und Wyss sind sich einig: »Städte stehen heute vor einer Herausforderung.» Auch durch den Onlinehandel hätten die Städte ihre Funktion als Einkaufsmeile eingebüsst. Die Leute kämen heute, um Gastroangebote zu nutzen oder um ihr soziales Umfeld zu pflegen. Wyss ist bei der Medienkonferenz zur Eröffnung der Parklets anzusehen, wie sehr sie sich über diese freut: «Wir wollen die Leute in die Stadt bringen.» Die Parklets trügen ihren Teil bei, eine lebendige und vielseitige Stadt zu schaffen.

Sorge um steigenden Lärmpegel

Aufgestellt sind die Parklets auf insgesamt sieben Parkplätzen. Das Projekt kostet die Stadt rund 94'000 Franken. Doch leiden darunter nicht die Anlieferungen? Was in der unteren Altstadt in der Münstergasse zu langwierigen Diskussionen führte, da Restaurants auf die Anlieferungsparkplätze Rücksicht nehmen müssen, scheint hier zu funktionieren: «Wir haben darauf geachtet, verschiedene Parkplätze zu nutzen, damit von jeder Parkplatzart noch genügend vorhanden ist», sagt Wyss. Umfunktioniert worden seien ein Taxiplatz, ein Behindertenparkplatz, ein Hotelparkplatz und drei Anlieferungsparkplätze.

Der Direktor der Hotels Kreuz und Metropole, Roger Burkhardt, äussert diesbezüglich andere Bedenken: «Man hat uns früh genug informiert, sodass eine gelungene Lösung gefunden werden konnte.» Man habe aber Vorbehalte bezüglich des Nachtlärms. Schon vorher sei es immer wieder vorgekommen, dass Passanten nachts auf dem Heimweg Lärm verursachten. Vor der Sorge, dass sich der nächtliche Lärmpegel erhöht, kann auch Wyss die Augen nicht verschliessen. Wenn die Parklets missbraucht würden, werde das Projekt vorzeitig abgebrochen, dafür übernehme man die Verantwortung, sagt sie. Geplant ist die Umnutzung eigentlich bis Mitte Oktober, insgesamt also 60 Tage. In dieser Zeitspanne, so Wyss, braucht man keine Bewilligung.

Weniger Platz, mehr Aufmerksamkeit

Etwas enger ist es schon geworden: Einige Meter entfernt hält ein Lieferant auf der Strasse, da der Parkplatz mit den Parklets versperrt ist. Glücklicherweise ist die Gasse breit, es bleibt immer noch genügend Platz für die herannahenden Autos, um vorbeizukommen. «Ein solches Projekt ist immer eine Herausforderung», sagt der Direktor von Berncity Gubler. Warenumschlagsplätze machten mehr Umsatz, es gebe immer Leute, die darauf angewiesen seien. In diesen Fällen müsse man zusammen eine Lösung finden. Schlussendlich hoffe man, dass die Parklets auch dem Gewerbe zugutekommen. «Berns Seitengassen kommen zu kurz, die Passanten eilen vorbei, ohne sich die Geschäfte anzusehen.» Für Gubler bieten die Parklets eine Möglichkeit, den umliegenden Läden mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Der Parklet-Versuch ist Teil einer ganzen Reihe von Massnahmen, mit denen die Berner Stadtregierung den öffentlichen Raum aufwerten will. Im Rahmen der Aktion «Pop-up Bern» geben die Behörden interessierten Privaten auch Baukasten-Kits für die Möblierung etwa von kleinen Plätzen ab. In den Legislaturrichtlinien 2017 bis 2020 hat sich die Stadtregierung zum Ziel gesetzt, mehr Begegnungsräume zu schaffen und der Bevölkerung öffentliche Räume für kreative Aktionen zu überlassen. Derzeit gibt es in Bern ein weiteres Parklet an der Hodlerstrasse, wie der städtische Informationsdienst auf Anfrage bekannt gab. Im Rahmen von Pop-up Bern sind fünf weitere Flächen möbliert worden, eine davon ist privater Grund.

DerBund.ch/Newsnet

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