Sind die Partys vorbei, ist der Moonliner schon weg

In Berns Nachtbussen sinken die Passagierzahlen, weil die Clubs immer länger geöffnet sind. Die Moonliner-Betreiber überlegen sich nun, später abzufahren oder gar Linien einzustellen.

Die Nächte werden länger: Für das Berner Partyvolk fahren die Moonliner deshalb häufig zu früh.

Die Nächte werden länger: Für das Berner Partyvolk fahren die Moonliner deshalb häufig zu früh. Bild: Thomas Kaspar

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Sie bringen Partygänger mitten in der Nacht nach Hause: die Busse von Moonliner. Von Bern, Biel und Thun aus steuern am Wochenende verschiedene Linien jeweils über 200 Gemeinden im ganzen Kanton an. Doch das Angebot ist weniger beliebt als früher. Gut 215'000 Fahrgäste transportierten die Nachtbusse, die von Bern aus starten, letztes Jahr. Das sind fast 10 Prozent weniger als noch 2013. Damals fuhren die Busse noch 236'000 Personen nach Hause.

Den Grund für den Passagierrückgang sieht Moonliner-Geschäftsführer Marc Jaussi unter anderem darin, dass die Berner Clubs heute länger geöffnet haben. Mehr und mehr Nachtschwärmer und Nachtschwärmerinnen fahren also in den frühen Morgenstunden mit den ersten regulären Bussen und Zügen nach Hause.

Diese Begründung hält auch Max Reichen, Geschäftsführer von BuCK Pro Nachtleben Bern und Mitarbeiter im Club Gaskessel, für wahrscheinlich. «Es gibt heute keinen Berner Club mehr, der schon um 3.30 Uhr schliessen muss», sagt Reichen. Vor der Revision des Gastgewerbegesetzes 2013 sei dies die Regel gewesen. Heute haben alle Berner Clubs eine Überzeitbewilligung, mit der sie regulär bis 5 Uhr geöffnet haben dürfen. «An die frühere Partyreihe Funkroots kamen die Leute bereits um 22 Uhr», sagt Reichen. Dafür sei auch früher Schluss gewesen.

Clubs wünschen spätere Busse

Reichen fordert darum, dass die letzten Moonliner künftig erst nach 4 Uhr abfahren sollen. «Wenn sich bei uns die Gäste auf den Nachhauseweg machen, sind die Busse bereits weg», sagt er. Moonliner-Geschäftsführer Jaussi widerspricht. «So einfach lässt sich das Problem nicht lösen», sagt er.

Seit letztem Jahr fahren testweise zwei Moonliner-Linien erst um 4.15 Uhr ab. Während die Linie nach Bümpliz und Brünnen rege benutzt werde, seien auf dem Kurs nach Burgernziel und Muri nicht viele Fahrgäste unterwegs. Dieser Kurs werde auf den nächsten Fahrplanwechsel hin wohl wieder gestrichen.

Doch sinkende Passagierzahlen sind nur eine Herausforderung für das bernische Nachtbussystem. Die Busse und Trams von Bernmobil sind ab dem nächsten Fahrplanwechsel neu bis 1 Uhr statt bis 12 Uhr unterwegs. Auf fünf Moonliner-Linien werden deswegen die frühesten Abfahrten gestrichen.

Jaussi erwartet deswegen einen weiteren Rückgang der Passagierzahlen. Die nächsten zwei Jahre sieht er als Testphase, um herauszufinden, welches Angebot von Moonliner neben den verlängerten Bernmobil-Betriebszeiten noch nachgefragt wird. Eine Möglichkeit sei, künftig einen Stundentakt einzuführen. Die Busse würden dann um 2, 3 und 4 Uhr losfahren. Also gleich viele Busse wie heute, aber in einem kürzeren Zeitraum.

Moonliner in die Matte fällt weg

Die Schwierigkeit dabei: Die Moonliner-Kurse finanzieren sich vor allem über Billettverkäufe. Das GA und auch das Halbtax sind nicht gültig. Weniger Einnahmen bedeutet, dass früher oder später Kurse wegfallen. Bereits für dieses Jahr sind erste Korrekturen vorgesehen. So fährt ab Dezember kein Moonliner mehr aus der Matte zum Bahnhof. Gekürzt wird auch die Linie M 20, sie fährt neu nur noch bis Trubschachen.

Doch nicht nur Moonliner-Linien sind bedroht, auch den bernischen Gemeinden droht Ungemach. Diese übernehmen für ihre Haltestellen eine Defizitgarantie. So musste Köniz 2016 35'000 Franken bezahlen, 11'000 Franken mehr als im Vorjahr. Nicht in allen Gemeinden wird das Budget jedoch stärker belastet. Für einige Haltestelle wird die Defizitgarantie bereits heute voll ausgereizt. Hier gehen die Mindereinnahmen zulasten der Betreiber. (Der Bund)

Erstellt: 29.08.2017, 06:46 Uhr

Bernmobil: Bus und Tram bis 1 Uhr

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember sind die Trams und Busse von Bernmobil am Wochenende neu bis 1 Uhr in der Nacht unterwegs. Ausgedehnt wird der Betrieb am Freitag- und Samstagabend auf allen Hauptlinien, die via Bahnhof verkehren.

Dies wurde vom Grossen Rat so beschlossen, entsprechend wird der Mehraufwand, der bei Bernmobil anfällt, vom Kanton abgegolten. Damit übernimmt der Kanton mehr Verantwortung im spätabendlichen ÖV-Betrieb. Bisher wurde der ÖV nach Mitternacht vor allem von den Gemeinden bezahlt. In den kommenden Jahren sind weitere Ausdehnungen von Betriebszeiten angedacht, so etwa bei den in der Berner Agglomeration verkehrenden S-Bahn-Linien.

Das neue Angebot von Bernmobil zwingt Moonliner, die ersten Abfahrten von 1.15 Uhr auf 1.30 Uhr zu verschieben. Einige der Kurse werden neu durch Bernmobil abgedeckt und deshalb ganz gestrichen. Andere Kurse verkehren auf geänderten Routen. Die Haltestellen, die bereits von Bernmobil bedient werden, entfallen ebenfalls. Der Fahrplan am Donnerstag hingegen wird beibehalten.

So funktioniert Moonliner:

Unter dem Namen Moonliner haben sich 10 regionale Verkehrsunternehmen, darunter auch Bernmobil und der RBS, zusammengeschlossen. Gemeinsam betreiben sie seit 1997 die Nachtbusse in den Kantonen Bern und Solothurn, die insgesamt 263 Gemeinden ansteuern. Die Moonliner finanzieren sich primär über Billetteinnahmen: GA und Halbtax sind nicht gültig. Die Gemeinden, in denen die Busse halten, übernehmen zudem eine Defizitgarantie. Dazu kommen Sponsorenbeiträge verschiedener Firmen.

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