Schüler proben den Aufstand

Höhere Gebühren, gestrichene Wahlfächer und gesponserte Lehrstühle: Das provoziert Schweizer Schüler und Studierende zu einem nationalen «Bildungsaufstand» – und zu einer Demonstration in Bern.

Alice Tilbury, Nora Trenkel und Tim Kummer (v.l) möchten, dass Bildung allen offensteht.

Alice Tilbury, Nora Trenkel und Tim Kummer (v.l) möchten, dass Bildung allen offensteht. Bild: Franziska Rothenbühler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie sind unzufrieden, die Berner Studentinnen, Schüler und Lernenden, welche diese Woche zum sogenannten Bildungsaufstand aufrufen. Während einer Woche finden in Bern und anderen Schweizer Städten verschiedene Veranstaltungen statt, welche sich mit dem Schweizer Bildungswesen beschäftigen. Am Samstag wird schliesslich zur nationalen Demonstration auf der Schützenmatte aufgerufen, wo Schüler und Studentinnen aus der ganzen Schweiz erwartet werden.

«Auf unseren Transparenten werden verschiedene Forderungen stehen», sagt die Berner Master-Studentin Nora Trenkel. Alle Begehren könne man nicht auf ein Drei-Punkte-Programm reduzieren, so die Mitorganisatorin des Bildungsaufstands in Bern. Im Allgemeinen gehe es um ein Bekenntnis zu einer starken Bildung und gegen Abbau im Bildungswesen. In letzter Zeit habe es wieder vermehrt Gebührenerhöhungen und Budgetkürzungen gegeben. Deshalb protestieren die Jungen – etwa gegen die Erhöhung von Studiengebühren, die «Prekarisierung der Berufslehre» oder geplante Lohnsenkungen bei Lehrerinnen.

An Politik appellieren

Organisiert wird der Bildungsaufstand von unterschiedlichen bildungspolitischen Gruppierungen, welche sich zusammengeschlossen haben, sagt die Medizinstudentin Alice Tilbury. Während einer Woche gibt es verschiedenen Gratis-Veranstaltungen in verschiedenen Städten zu besuchen. So organisiert die Gruppe der kritischen Medizinstudierenden in Bern einen Vortrag, in dem sie diskutieren, inwiefern die Universität noch frei forschen kann, wenn private Unternehmen sie direkt oder indirekt finanzieren. In einem anderen Saal wird das Thema sexuelle Belästigung an Bildungsinstitutionen thematisiert. Aber auch Kultur steht auf dem Programm etwa mit einem Kurzfilmabend oder einem Poetry-Slam.

Es gehe aber auch darum, den Politikern mit der Demonstration zu signalisieren, dass sich Studierende und Lehrlinge gegen die aktuelle Sparpolitik zur Wehr setzten, sagt Trenkel. So entschied beispielsweise der Grosse Rat letztes Jahr, dass Ausländerinnen und Ausländer an der Universität Bern künftig pro Jahr 400 Franken mehr Studiengebühren zahlen müssen.

«Bürgerliche sagen oft, Bildung sei wichtig, und kürzen dann trotzdem genau dort und im Sozialwesen», sagt der Gymnasiast Tim Kummer, der ebenfalls bei der Organisation des Protests mithilft. Denn nicht nur ausländische Studenten, auch Berner Schülerinnen bekämen den Spardruck mit, sagt er. «So werden aus Spargründen immer wieder Wahlfächer gestrichen und Klassen führen bis zu 30 Schüler.»

Die Medizinstudentin Tilbury geht gar noch weiter: «Ohne die Unterstützung meiner Eltern könnte ich gar nicht studieren», sagt sie. Es sei nämlich kaum mehr möglich, neben dem Studium noch einem Nebenjob nachzugehen. Die Universität erschwere das Arbeiten mit der Regelung, welche verhindern will, dass Langzeitstudenten ewig an der Universität bleiben. Wer länger als zwölf Semester ohne Erlangen eines Abschlusses studiert, bezahlt in Bern im ersten Semester der Überschreitung 1500 Franken. Die Gebühr verdoppelt sich danach für jedes weitere Semester.

Die NZZ argumentierte erst kürzlich, dass die Studiengebühren in der Schweiz im internationalen Vergleich im Mittelfeld lägen – Studenten also wenig zu beklagen hätten. Was sagen die Leute vom Bildungsaufstand dazu? «Durch jede Studiengebührenerhöhung wird die Idee der öffentlichen Bildung als Service public zunehmend ausgehöhlt», sagt Trenkel. Zudem werde Bildung vermehrt zum Produkt für Leute, die es sich leisten könnten. «Diese Tendenz finden wir gefährlich.»

Höhere Gebühren in Zürich

Im Aargau protestieren diese Woche die Schüler, weil die Regierung dort den Höchstbeitrag für Stipendien gesenkt hat. In Basel sind Studierende verärgert, da die Universität Einsparungen von 40 Millionen Franken zu tätigen hat, weshalb Studiengebührenerhöhungen diskutiert werden. Auch in Zürich und Lausanne sind Gebührenerhöhungen an den beiden eidgenössischen Hochschulen um 500 Franken pro Jahr angedacht, weshalb es dort schon zu Protesten gekommen ist. (Der Bund)

Erstellt: 19.03.2018, 06:27 Uhr

Artikel zum Thema

«Dass bei der Bildung gespart wird, ist ein Märchen»

Interview Christian Wasserfallen (FDP) teilt die Auffassung, dass in Bildung investiert werden soll. Doch am Narrativ «Bildungsabbau» stört er sich. Mehr...

«Bildungsausländer» müssen mehr bezahlen

Das Sparprogramm des Kantons Bern sieht vor, die Studiengebühren für ausländische Studierende zu erhöhen. Von den Juso und den Studierenden hagelt es Kritik. Mehr...

Höhere Studiengebühren für Ausländer

Ausländerinnen und Ausländer, die an der Universität Bern studieren wollen, müssen künftig pro Jahr 400 Franken mehr abliefern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wo Cougars nach Sex suchen

Casual-Dating-Seiten bieten viele Überraschungen. Der 32-Jährige Simon aus Uster berichtet.

Kommentare

Blogs

Outdoor Langlauftipps für Anfänger
Geldblog So sicher ist Ihr Freizügigkeitsgeld
Michèle & Friends 10 Jahre, 3 Einsichten

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Hi Fisch! Vor Hawaii lebt dieser Haifisch Namens Deep Blue. Wer mutig ist und lange die Luft anhalten kann, darf ihn unter Wasser streicheln (15. Januar 2019).
(Bild: JuanSharks) Mehr...