Salz ist unschlagbar günstig

Gegen Schnee und Eis ist Salz sehr wirksam. Weil es aber die Umwelt schädigt, werden auch Alternativen geprüft. Die meisten scheiterten aber bisher an den vergleichsweise hohen Preisen.

Hochsaison im Winterdienst: Mitarbeiter des Berner Tiefbauamts streuen Salz auf den Quartierstrassen. (Adrian Moser)

Hochsaison im Winterdienst: Mitarbeiter des Berner Tiefbauamts streuen Salz auf den Quartierstrassen. (Adrian Moser)

Anita Bachmann@anita_bachmann

Hält der Winter in den tieferen Lagen Einzug, dominiert auf den Strassen und Trottoirs schwarzer Matsch, bis auch diese unappetitliche Form des Schnees ganz geschmolzen ist. Der von Auftausalz getränkte «Pflotsch» ist aber nicht nur hässlich, sondern unter anderem auch schädlich für die Bäume. Im Sommer verdorren die Blätter salzgeschädigter Bäume, oder der Baum verdurste, weil er Wasser mit einer zu hohen Salzkonzentration nicht mehr aufnehmen könne, sagt Pflanzenbiologe Andreas Diethelm. Vor allem Jungbäume hätten in einem trockenen Sommer mehr Schwierigkeiten, sagt Daniel Hansen, Bereichsleiter Betrieb Elfenau der Stadtgärtnerei Bern. Dass jeden Winter tonnenweise Salz auf die Strassen gestreut werde, sei Bequemlichkeit, sagt Diethelm. «Man hat es schon immer so gemacht.» Zudem seien die Verantwortlichen für die Grünflächen und für die Strassensicherheit in den Verwaltungen zu nahe beieinander. «Wir sind in der gleichen Direktion», sagt Hansen. Die Strassensicherheit sei wichtig, aber natürlich würden sie auch ihre Standpunkte vertreten.

Symbolische Salzregalgebühren

Unschlagbar ist der Preis von Salz. Die Kantone haben ein Monopol und garantieren über die Schweizer Rheinsalinen eine günstige Grundversorgung und eine zuverlässige und schnelle Versorgung von Auftausalz. Um diese Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wurde das umstrittene Monopol laut kantonaler Finanzdirektion nicht abgeschafft, sondern das Salzregal nur auf einen symbolischen Betrag reduziert. Seit diese Gebühren 2007 von 50 auf 1 Franken pro Tonne gesenkt wurden, ist das Salz noch günstiger zu haben.

Die Stadt Bern muss Strassen mit einer Gesamtlänge von 320 und Trottoirs von 650 Kilometern von Schnee und Eis befreien. Durchschnittlich werde in der Stadt Bern 12 Gramm Salz pro Quadratmeter gestreut, sagt Patrik Gräppi, stellvertretender Leiter Winterdienst im Tiefbauamt. Je nach Witterung reichten aber auch geringere Mengen. Die Stadt benötigt durchschnittlich 700 Tonnen Salz pro Jahr. «Wir können 380 Tonnen lagern», sagt Gräppi. Gestern Morgen befanden sich 60 Tonnen am Lager, 120 Tonnen wurden während des Tages geliefert und für morgen sind nochmals 100 Tonnen bestellt.

Je mehr Salz jemand kauft, desto günstiger ist der Preis. Mengen ab 15 Tonnen kosten im Moment 200 Franken, ab 24 Tonnen kostet die Tonne noch 190 Franken. Wer im Sommer Vorräte anlegt, spart zusätzlich 50 Franken pro Tonne. Auch für kleinere Abnehmer wie Interlaken gibt es Rabatte. In Säcke abgepacktes Salz koste im Sommer etwa 5 Franken weniger pro 100 Kilogramm, sagt Werner Zumbrunn, Werkbauchef Interlaken. Die Gemeinde habe ein Netz von 20 Kilometern zu betreuen. «Vorbeugend streuen wir kein Salz, erst wenn es glatt ist», sagt er.

Alternativen werden geprüft

Geringere Mengen des Salzes ist für Pflanzenbiologe Diethelm denn auch Alternative Nummer eins. Auf Autobahnen und Kantonsstrassen herrschten andere Anforderungen, aber in der Innenstadt müsse nicht jede Schneeflocke einzeln eingesalzen werden. Als weitere Alternativen nennt Diethelm Kalziummagnesiumacetat, eine harmlose Lösung, oder Kaliumkarbonat, dem das schädliche Chlorid entzogen werde. Das Problem sei der Preis, Kaliumkarbonat koste etwa das Vierfache von Salz.

Alternativen zu prüfen ist in Bern auch ein politischer Auftrag. Ein Postulat der Grünen und Jungen Alternativen fordert, Holzspäne gegen Schnee und Eisglätte einzusetzen. «Stopp Gliss Bio», in Salz getränkte Holzspäne, würden ab Januar getestet, sagt Gräppi. Zudem laufe ein Versuch mit Sole, in Wasser aufgelöstem Salz. Vorteil dieser Variante sei die Reduktion des Salzverbrauchs auf sechs bis vier Gramm pro Quadratmeter, sagt Gräppi. Zurzeit sei ein Fahrzeug mit Sole im Einsatz. Zwar wäre ein Systemwechsel von Trockensalz auf Sole relativ teuer. «Aber», sagt Gräppi, «wir wollen auch der Umwelt Sorge tragen.» Den Winterdiensten wolle er gar keine Schuld zuweisen, sagt Pflanzenbiologe Diethelm. Vielmehr kritisiert er die Strukturen, die ermöglichten, dass die Salzdebatte immer wieder im Sand verlaufe.

Der Bund

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