Rot-Grün wehrt sich gegen Berner Eventhalle

Zu viel Verkehr, zu viel Asphalt, zu wenig Bäume: Die Pläne zum Messegelände beim Guisanplatz in Bern stossen auf Vorbehalte.

So soll die Eventhalle «BEmotion Base» dereinst aussehen.

So soll die Eventhalle «BEmotion Base» dereinst aussehen. Bild: zvg

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Mehr Platz für Konzerte, Sportanlässe oder Generalversammlungen: Die Bernexpo-Gruppe will das Areal beim Guisanplatz in Berns Norden bis 2022 grundlegend umgestalten. Für die Planung der Eventhalle mit dem provisorischen Namen «BEmotion Base» hat der Gemeinderat eine Überbauungsordnung in die Mitwirkung geschickt. Nun zeigt sich: Es sind noch zahlreiche Justierungen nötig.

Sowohl die SP Bern-Nord als auch die SP Stadt Bern haben einen Mitwirkungsbericht eingereicht. Die Sozialdemokraten sind vom Bauvorhaben gar nicht überzeugt: «Da würde dem Quartier ein Klotz vor die Nase gestellt werden, wobei Partikularinteressen deutlich mehr Gewicht erhalten als die Anliegen der Quartierbewohner», sagt Edith Siegenthaler, Co-Präsidentin der SP Stadt Bern. Konkret stört man sich am Mehrverkehr durch die Quartiere in Berns Norden, den die Realisierung des Projekts nach sich ziehen könnte, und an der Aufhebung von Grünflächen, da 44 Bäume ersatzlos gefällt werden sollen.

Aber auch die Finanzierung gibt zu reden. Geht es nach dem Gemeinderat, soll sich die Stadt Bern nämlich aufgrund der «grossen Bedeutung des Projekts für die ganze Region» an den Kosten im Umfang von 15 Millionen Franken beteiligen. Für Siegenthaler ist klar: «Wenn von der Stadt ein Beitrag in dieser Höhe erwartet wird, muss der Neubau auch für alle tragbar sein.»

Möglichst wenig Autoverkehr

Auch das Grüne Bündnis (GB) befürchtet, dass die Halle Mehrverkehr generieren könnte. Daher fordert das GB, dass maximal 30 statt 40 Prozent des Publikums mit dem Auto anreisen. Auch soll die Zahl der Parkplätze reduziert und die Tramhaltestelle direkt vor dem Eingang der Halle platziert werden. «Die Besuchenden der Halle sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, mit dem Auto zu kommen», sagt GB-Stadträtin Katharina Gallizzi. Über die finanzielle Beteiligung der Stadt am Grossprojekt habe man innerhalb der Fraktion GB/JA noch nicht eingehend diskutiert. Auch sei man in der Fraktion geteilter Meinung, ob es überhaupt eine neue Event- und Kongresshalle brauche oder nicht, sagt Gallizzi.

Im Nordquartier steht man dem Projekt ebenfalls kritisch gegenüber. «Es geht aber nicht um das Konzept der neuen Festhalle an sich, sondern um einzelne Punkte der Überbauungsordnung», sagt Urs Frieden, Präsident der Quartierkommission Dialog Nordquartier. Die Quartiervertreter befürchten primär eine übermässige Asphaltierung des Aussenraums, wie aus dem Mitwirkungsbericht hervorgeht. Die Baumgruppe beim Guisanplatz sei unbedingt beizubehalten, ein Wegfall der Lindenallee zu kompensieren. Und eine Wasserfläche oder ein Weiher wäre «sehr willkommen».

Bei der Bernexpo-Gruppe hat man die Berichte zur Kenntnis genommen. Man gebe aber keine Auskunft, da es sich um ein Planungsverfahren handle, für das die Stadt zuständig sei.

Eventhalle als Legislaturziel

Das Projekt haben die Rot-Grün-Mitte-Parteien im üblichen Rahmen vorbesprochen. Von grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten mit der GFL, namentlich mit Stadtpräsident Alec von Graffenried, will SP-Co-Präsidentin Siegenthaler nichts wissen. Auch gebe es deswegen «keinen Graben» im Bündnis. «Wir stellen nicht in Abrede, dass es einen Neubau braucht», sagt Siegenthaler. Die jetzigen Pläne seien aber frühzeitig zu ändern. «Sonst sind Einsprachen vorprogrammiert. Und es ist sicher nicht im Interesse der Beteiligten, dass sich das Bauvorhaben dadurch in die Länge zieht.»

Er habe mit Diskussionen zu den Verkehrsfragen gerechnet, sagt Stadtpräsident von Graffenried. Daher seien die Quartierorganisationen des Nordquartiers und des Stadtteils Kirchenfeld/Schosshalde in die Planung einbezogen worden. Von Graffenried weist darauf hin, dass das Parkieren im Perimeter verbessert werde, da die zonenwidrigen oberirdischen Parkplätze bei der Papiermühlestrasse endlich aufgehoben würden.

Die Kritik der rot-grünen Parteien am Grossprojekt versteht er nicht als grundsätzlichen Widerstand. Schliesslich sei die Absicht zum Bau einer Eventhalle nichts Neues. Es handle sich sogar um ein erklärtes Legislaturziel des Gemeinderates aus dem Jahre 2013. Zudem habe die Stadt schon bisher den Messeplatz «punktuell unterstützt». Die Messen in Lausanne oder Basel würden heute stärker von der öffentlichen Hand unterstützt als der Messeplatz Bern. «Das ist ein nicht unerheblicher Konkurrenznachteil», sagt von Graffenried.

Stimmvolk wird entscheiden

Die Kosten für das Bauvorhaben betragen rund 80 Millionen Franken, wobei sich Stadt und Kanton Bern mit je 15 Millionen Franken beteiligen wollen. Auch die Burgergemeinde Bern hat finanzielle Unterstützung zugesichert. Das letzte Wort wird aber das Berner Stimmvolk haben: Die Volksabstimmung zur Überbauungsordnung soll gemäss aktueller Planung im November 2019 stattfinden. Zuvor erfolgt die Vorprüfung durch den Kanton und anschliessend die öffentliche Auflage. (Der Bund)

Erstellt: 06.07.2018, 06:37 Uhr

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Eckdaten zum Projekt

Auf dem Bernexpo-Gelände beim Guisanplatz sollen bis 2022 zwei neue Gebäude entstehen: ein Kongresszentrum und eine Multifunktionshalle. Das Projekt trägt den provisorischen Namen «BEmotion Base». Die bisherige Festhalle wurde 1948 erbaut und soll dem Neubau weichen. Den Architekturwettbewerb haben die beiden Berner Büros Matti Ragaz Hitz und IAAG Architekten gewonnen. Gemäss deren Plan finden in der Multifunktionshalle bis zu 9'000 und im Kongresszentrum bis zu 1 200 Personen Platz. Zwischen den beiden Baukörpern befindet sich ein zentrales verglastes Foyer. Im Bereich Guisanplatz und Papiermühlestrasse soll ein gedeckter Vorplatz entstehen, der den Eingang zum Gebäudekomplex der Bernexpo-Gruppe markiert.

Für die detaillierte bauliche Gestaltung des Areals der neuen Multifunktionshalle hat die Stadt zudem eine Überbauungsordnung geschaffen. Darin ist vorgesehen, den Aussenraum grundlegend umzugestalten. Auf Widerstand stösst dabei unter anderem die ersatzlose Aufhebung der Lindenallee entlang der bestehenden Festhalle. Dagegen soll die Grosse Allmend von den rund 210 nicht zonenkonformen Parkplätzen befreit werden. Diese sollen in die vorgesehene Erweiterung des unterirdischen Parkings verlagert werden. Im Zuge des Neubaus sollen keine zusätzlichen Parkplätze entstehen (gss).

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