Rosengarten-Bähnli: Stadt will Spazierweg erhalten

Steiniger Weg für die Rosengartenbahn: Der Gemeinderat ist zwar bereit, das nötige Land bereitzustellen. Er stellt aber Bedingungen.

Roger Fridelance kämpft weiter für die Rosengartenbahn.

Roger Fridelance kämpft weiter für die Rosengartenbahn. Bild: F. Rothenbühler

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Visionäres Projekt oder verfrühter Aprilscherz: Die geplante Panoramabahn vom Bärengraben über den schmalen Pflastersteinweg hinauf zum Rosengarten bewegt die Gemüter.

Nun liegt dem «Bund» die Stellungnahme des Gemeinderats vor. Für Roger Fridelance, Projektinitiant und Erfinder des Bärenpark-Bähnli, gibt es gute und schlechte Nachrichten.

Der Gemeinderat sei grundsätzlich bereit, die Idee zu unterstützen, steht in einem von Stadtpräsident Alexander Tschäppät unterzeichneten Brief.

Die vorgesehene Linienführung über den steilen, aber dennoch bei vielen Bernern sehr beliebten Pflastersteinweg ist für den Gemeinderat der Knackpunkt: «Der heutige Spazierweg muss erhalten bleiben», steht im Brief weiter.

Für die Stadtregierung kommt es darüber hinaus nicht infrage, sich finanziell am Projekt des privaten Vereins Rosengartenbahn zu beteiligen. Jedoch sei man bereit, das für den Bau nötige Gelände allenfalls im Baurecht zu einem symbolischen Zins an die Trägerschaft abzugeben, steht im Brief weiter.

Voraussetzung dafür sei, dass ein bewilligungsfähiges und von Anrainern akzeptiertes Bauprojekt vorliege – was wenig realistisch scheint. Noch-Stapi Tschäppät hält inoffiziell ohnehin wenig von einer Rosengarten-Bahn.

An einem «Bund»-Podium stellte er sich am Montagabend öffentlich gegen das Vorhaben.

«Die Altstadt ist kein Disneyland; es braucht keine Bahn, die Touristen zum Rosengarten hinaufkarrt.» Am Dienstag wollte er sich dazu auf Anfrage nicht weiter äussern.

Kein Veto vom Denkmalschutz

Fridelance lässt sich von den Aussagen Tschäppäts nicht aus der Ruhe bringen.

«Wir haben mit Widerstand gerechnet. Aber ich bleibe dabei: Es gibt keine andere Lösung, als das Bähnli über den Spazierweg zu führen – man kann nicht in den geschützten Aarehang bauen», sagt der pensionierte Seilbahnexperte und betont erneut, dass der offizielle Wanderweg bereits heute über den Alten Aargauerstalden führe.

Keinen Einwand gegen das Rosengarten-Bähnli gibt es hingegen von der Denkmalpflege, die in Bern schon zahlreiche Projekte frühzeitig gestoppt hat. «Der Spazierweg ist nicht denkmalgeschützt», sagt Jean-Daniel Gross, oberster Denkmalpfleger der Stadt Bern.

Der Weg gehöre auch nicht zu den schützenswerten Verkehrswegen der Schweiz – im Gegensatz zum Alten Aargauerstalden nebenan.

«Bähnli ist beste Variante»

Fridelance hat das Projekt der Rosengarten-Bahn insbesondere lanciert, um den wohl schönsten Aussichtpunkt Berns für ältere Menschen und Behinderte besser zugänglich zu machen.

Herbert Bichsel von der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern (BRB) unterstützt denn auch das Projekt. «Ein Bähnli wäre die beste Variante, um diesen attraktiven Ort besser zu erschliessen.»

Selbst von der Station des 10er-Busses sei es für Rollstuhlfahrer kaum möglich, alleine über den Kiesweg zum Restaurant zu gelangen. «Ich kann nur mit einer Begleitperson in den Park. Das darf nicht mehr sein», so Bichsel.

Rolltreppen wie in Barcelona?

Auch Alec von Graffenried ist der Meinung, dass der Rosengarten besser erschlossen werden müsse.

Dennoch unterstützt der Präsident von Bern Tourismus die Pläne von Bähnli-Bauer Fridelance nicht vorbehaltlos – im Gegensatz zu Tourismusdirektor Markus Lergier (der «Bund» berichtete).

«Den einmaligen Spazierweg darf man nicht zerstören», sagt von Graffenried. Der Stapi-Kandidat der GFL bringt sogleich einen neuen Vorschlag ins Spiel: «Warum denkt man nicht darüber nach, den Rosengarten mit offenen Rolltreppen zu erschliessen.

In Barcelona funktioniert dies prima», so von Graffenried. Bähnli-Tüftler Fridelance bleibt dabei. Seine Variante sei mit Abstand die günstigste und am einfachsten zu realisierende Variante.

Rolltreppen seien überhaupt nicht geeignet, da sie weder von Behinderte noch von Familien mit Kinderwagen benützt werden könnten. «Wir kämpfen weiter für unser Bähnli.» (Der Bund)

Erstellt: 15.06.2016, 06:21 Uhr

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