Restaurant Du Nord schliesst Ende Jahr

Das Restaurant Du Nord in der Lorraine macht Ende Jahr dicht. Grund der Schliessung sind zu niedrige Umsätze. Was folgt, ist ungewiss.

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Martin Erdmann@M_Erdmann

Die Tage des Restaurants Du Nord sind gezählt. Deren 13 bleiben ihm nur noch. Denn ab dem 1. Januar wird der Betrieb im pinkfarbenen Haus ganz zuvorderst in der Lorraine eingestellt. «Im Team herrscht eine emotionale Atmosphäre», sagt Geschäftsleiterin Manja Greuter. Jeder Moment werde nochmals genossen, bevor die vierjährige Ära mit der Silvesterfeier endet. Danach muss Greuter das neunköpfige Team auflösen.

Es sei der schlechte vergangene Sommer gewesen, der dem Du Nord das Genick gebrochen habe, schreibt Greuter in einem Brief an die Anwohner. Der September sei dann wegen des schlechten Umsatzes «definitiv das Todesurteil» gewesen. Die Umsätze waren so niedrig, dass sie für ihren Betrieb keine Zukunft mehr sah: «Ich hatte eigentlich keine Wahl. Ich musste der Wahrheit ins Gesicht blicken.»

Rauchverbot und Wirtschaftskrise

Doch wieso musste es zur Schliessung kommen? Schliesslich übernahm Greuter das Du Nord als blühenden Betrieb von ihren Vorpächtern. Sie kann sich den plötzlich sinkenden Umsatz nicht erklären: «Das ist schwer zu sagen. Im Gastrobereich können viele Dinge nicht vorhergesehen werden», sagt Greuter. So hätten zum Beispiel neue Gesetze wie das Rauchverbot oder auch die Wirtschaftskrise Einfluss auf den Betrieb gehabt.

Rückblickend würde Greuter aber kaum etwas anders machen. «Wir haben einen roten Faden gefunden und konnten uns eine Stammkundschaft aufbauen.» Wie ein roter Faden zieht sich auch die Schliessung von Gastrobetrieben durch die Lorraine: Vor dem Du Nord hat es zuletzt Tinus OK Bar und die Sandwichbar erwischt. «Das ist schade für die Lorraine», sagt Greuter. Daher hofft sie, dass auf ihr Restaurant wieder eine Quartierbeiz folgt.

Suche nach Nachfolger läuft

Die Besitzerin der Liegenschaft an der Lorrainestrasse 2, die Brauerei Felsenau AG, hat bereits ein Evaluationsverfahren für einen Nachfolger eingeläutet. «Wir wollen eine möglichst langfristige Lösung finden», sagt Pierre Dubler, Leiter Spedition und Büro. Die Liegenschaft werde aber nicht öffentlich ausgeschrieben. «Wir suchen zuerst in unserem Netzwerk.»

Bei der Brauerei Felsenau AG ist man überzeugt, dass ein neuer Mieter schnell gefunden wird. Auch den Liegenschaftsbesitzern wäre es am liebsten, wenn in die Räume wieder ein Gastronomie-Unternehmer einziehen würde. «Schliesslich handelt es sich bei der Liegenschaft um eine Art Flaggschiff von Felsenau», sagt Dubler. Dass die Ära Du Nord nun endet, komme für ihn nicht aus dem Nichts. «Wir wussten von den Schwierigkeiten. Nur der Zeitpunkt war überraschend.» Denn die Schliessung findet vor dem Ende des Pachtvertrags statt.

Ein Haus mit Geschichte

Die Liegenschaft mit dem Turm an der Lorrainestrasse 2 sah schon manche Pächter kommen und gehen. Bisher am längsten hatte Arthur Pfeuti im Jugendstilhaus gewirtet. 20 Jahre lang führte er seinen Betrieb, bis 1995, schon damals unter dem Namen Du Nord. Dann kam es zum Bruch mit der Brauerei Felsenau AG. Diese sah für die Beiz ein neues Konzept vor, das sie im «Erlebnislokal» Wunderturm verwirklichte. Das Projekt floppte und ging pleite. 1997 wurde das Du Nord in neuem Glanz wiedererweckt. Ein junges Team wandte sich an ebenso junge Gäste. Obwohl die neuen Pächter den Wunderturm-Schuldenberg von 150 000 Franken übernehmen mussten, schrieben sie nach fünf Jahren bereits schwarze Zahlen. 2008 trennten sich die Pächter von ihrem Lokal, trotz anhaltendem Erfolg.

Nach kleineren Renovationen übernahm Manja Greuter den Betrieb, mit drei Kollegen, die aber innert eines halben Jahres alle wieder ausstiegen. Nach den vier Jahren an der Lorrainestrasse 2 blickt die «Vollblutgastronomin» zurück. «Es war eine schöne Zeit, und ich habe viel gelernt.» Wie es für sie weitergeht, ist ungewiss. Erneut ein eigenes Projekt zu starten, schliesst sie aber aus.

DerBund.ch/Newsnet

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