Religion sät oft Streit, schafft aber auch Frieden

Die 10. Nacht der Religionen bringt zusammen, was sich sonst oft fremd bleibt.

Imam Mustafa Memeti will mit einer gemeinsamen Fragerunde für Schiiten und Sunniten einen Grundstein zur Lösung des islamischen Konfessionenkonflikts legen.

Imam Mustafa Memeti will mit einer gemeinsamen Fragerunde für Schiiten und Sunniten einen Grundstein zur Lösung des islamischen Konfessionenkonflikts legen. Bild: Franziska Rothenbühler (Archiv)

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«Erstmals gibt es ein Treffen zwischen Hindus und Juden in der Synagoge, das wird spannend», sagt Siva Thillaiambalam. Das Vorstandsmitglied des Berner Hauses der Religionen freut sich auf die zehnte Nacht der Religionen, die am Samstagabend an verschiedenen Orten zwischen Bümpliz und Bärengraben stattfindet. Am alljährlichen Anlass gibt es Gottesdienste, Rituale und religionsübergreifende Veranstaltungen, die für alle Interessenten offen sind. So werden etwa in der Dreifaltigkeitskirche an der Taubenstrasse Besucher von Buddhisten und Sikhs in traditionelle Meditation eingeführt, in der Rathausgasse wird äthiopisch-orthodoxe Trommelmusik ertönen. In der Nacht werden aber nicht nur Feste gefeiert, sondern auch zwischenreligiöse Probleme angesprochen. «Zeit für Frieden» ist das erklärte Motto. Laut David Leutwyler, Geschäftsleiter im Haus der Religionen, habe man mit dem Anlass schon immer Frieden stiften wollen. «Die erste Nacht der Religionen fand am 70. Jahrestag der Reichspogromnacht statt. Wir wollten dazu beitragen, dass so etwas nie wieder geschieht.»

Wandel durch Annäherung

Dieses Jahr wird auch aktuellen Streitigkeiten entgegengewirkt. Mustafa Memeti, Imam der sunnitischen Moschee am Europaplatz, wird an einer gemeinsamen Fragerunde für Schiiten und Sunniten teilnehmen. Damit will er einen Grundstein zur Lösung des Konfessionenkonflikts legen, der den Nahen Osten spaltet. «In den Ländern, wo sich Schiiten und Sunniten bekämpfen, gibt es politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Hier aber haben sie keinen Grund, den Streit zu suchen.» So könne man die Vergangenheit hinter sich lassen. «Das haben Protestanten und Katholiken hier auch geschafft.» Anlässe wie die Nacht der Religionen beschleunigten die Annäherung der Gemeinschaften. «Während 20 Jahren gab es kein solches Treffen, doch in den letzten drei gab es mehrere.»

Auch Siva Thillaiambalam erkennt den Nutzen der Zusammenkünfte. Privat gebe es kaum je Begegnungsmöglichkeiten für Juden und Hindus, sagt er. Doch das beste Beispiel sei die Teamarbeit der tamilischen Hindus und singhalesischen Buddhisten. Nach dem blutigen Bürgerkrieg auf Sri Lanka hatten die beiden Gemeinschaften verständlicherweise wenig füreinander übrig. Dank der wiederholten Begegnung konnte aber eine Freundschaft aufgebaut werden. «Der Austausch ist natürlich, aus diesem Schritt kann eine echte Versöhnung werden.»

Nacht der Religionen: Auftakt Samstag 18 Uhr im Berner Rathaus; Schlusspunkt 23 Uhr Heiliggeistkirche. www.nacht-der-religionen.ch (Der Bund)

Erstellt: 10.11.2017, 17:25 Uhr

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