Reitschul-Vorplatz: Lärm ohne Ende

Leist-Präsident Hans-Jürg Klopfstein kritisiert den Stadtpräsidenten.

Der Lärm vor der Reitschule lässt die Gemüter erhitzen.

Der Lärm vor der Reitschule lässt die Gemüter erhitzen.

(Bild: Thomas Reufer)

Wenn auf dem Reitschul-Vorplatz gefeiert wird, machen die Bewohner der Schänzlihalde am Altenberg kein Auge zu. Von «wummernden Bässen», die «bis ins Mark gehen», ist die Rede; und von Anwohnern, welche sich an Wochenenden Hotelzimmer buchten, wenn sie wieder einmal eine Nacht ungestört schlafen wollten.

Hans-Jürg Klopfstein, der Präsident des Altenberg-Rabbental-Leists ist genervt. «Seit drei Jahren führe ich wegen des Lärms Gespräche mit dem Regierungsstatthalter, der Stadtregierung und der Gewerbepolizei – genützt hat alles nichts», sagt er.

Nachdem zahlreiche runde Tische «ergebnislos» geendet hätten, habe er im letzten Herbst um ein Gespräch mit Stadtpräsident Alexander Tschäppät gebeten. Im April, nachdem der Termin mehrmals verschoben worden sei, war es dann soweit: «Tschäppät versprach mir, uns bis Ende Juni schriftlich ein Massnahmenkatalog gegen den Lärm vorzulegen.» Seither habe er nichts mehr von ihm gehört. «Ich habe das Gefühl, dass sich niemand an dieser Kartoffel die Finger verbrennen will.»

Lärmschutzwände taugen nichts

Tschäppät bestätigt auf Anfrage, dass er sich mit Klopfstein getroffen habe. «Mag sein, dass ich ihm noch eine Antwort schuldig bin», sagt er. Den Vorwurf der Untätigkeit weist er aber vehement zurück. Er habe persönlich Akustiker beauftragt, zu prüfen, ob sich die Problematik mit Lärmschutzmauern oder anderen baulichen Massnahmen entschärfen liesse.

«Die Experten sind sich aber einig: Gegen die Bässe kann man nichts ausrichten.» Nun prüfe die Stadt, ob man mit einer Möblierung von Teilen des Vorplatzes eine minimale Schalldämmung hinbekommen kann. Eine Hoffnung sei auch, dass durch die Skate-Anlage und eventuell durch einen gezielt platzierten Container der Raum für solche Partys eingeschränkt werde, sagt Tschäppät.

Allzu viel könne man davon aber nicht erwarten. «Ich muss eingestehen: Wir haben keine schlaue Lösung.» Mit dem Latein am Ende ist auch Regierungsstatthalter Christoph Lerch. «Es gibt noch immer zahlreiche Lärmklagen betreffend der Schützenmatte», sagt er. Allerdings seien viele der lärmverursachenden Feste gar nicht von der Reitschule selber organisiert.

So gebe es auf dem Vorplatz regelmässig «unbewilligte Partys», die ohne Absprache mit den Reitschulbetreibern durchgeführt würden. «Oftmals schiebt man die Schuld dafür aber trotzdem der Reitschule in die Schuhe.» Zwar führten auch offizielle Veranstaltungen der Reitschule zu Lärmklagen, die Zusammenarbeit funktioniere aber mittlerweile relativ gut.

«Beim ‹No borders, no nations›-Festival haben sich die Organisatoren an die bewilligten Zeiten gehalten.» Weil der Grossanlass trotzdem lärmintensiv gewesen sei, habe die Reitschule nach seiner Intervention auf zwei weitere Anlässe verzichtet.

Leist-Präsi ruft zu Anzeigen auf

Leist-Präsident Klopfstein weiss um die Komplexität der Situation auf dem Vorplatz. Er sieht die Schuld auch nicht bei den Reitschulbetreibern. «Es ist ein Problem der Behörden, kein Problem der Reitschule», sagt er.

Von den Behörden erhoffe er sich mehr Engagement im Kampf gegen den Lärm. Um Druck aufzubauen, rät er allen Betroffenen, den juristischen Weg einzuschlagen. Als Leist-Präsident werde er von nun an aber nicht mehr aktiv. «Ich habe das Thema langsam satt.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt